Die Ansichtskarte stammt aus den Jahren um 1900. Die Aufschrift "Gruss aus ..." ist ganz typisch für diese Zeit. Abgebildet ist das "Gasthaus zur Germania" in der Esslinger Str. 3 in Nellingen. Damals war noch das Fachwerk ab dem 1. Stock sichtbar - heute wird das Gebäude im Volksmund wegen des auffälligen Fassadenanstrichs auch "Blaues Wunder" genannt (in Anspielung an die berühmte Brücke in Dresden). 

Es dürfte wohl die erste Ansichtskarte dieses Gasthauses sein, denn es wurde erst 1899 eröffnet. Gastwirt war Eberhard Frank (1862-1917), ein Metzger, der bis 1897 Ochsenwirt in der Riegelstraße war. Vom "Ochsen" übertrug er auch das Beherbergungsrecht auf die "Germania". Man begründete damals die Neueröffnung einer Gastwirtschaft in der Esslinger Straße mit dem ansteigenden „Verkehr von Frem­den“, auch von Fuhrwerken. Außerdem gab es durch die Bautätigkeit eine zunehmende Bevölkerung im östlichen Teil Nellingens. Die "Germania" war ein nobles Gasthaus, das schnell beliebt wurde. Im Jahr 1900 erfolgte links vom Haus die Einrichtung einer Gartenwirtschaft.


Nellingen Germania um 1900

Diese Ansichtskarte war für das Stadtarchiv völlig unbekannt und seit über 30 Jahren nicht auf dem Markt. So verwundert es nicht, dass das Stadtarchiv bei der Versteigerung über Ebay so hoch geboten hat, dass es letztlich der Höchstbietende war. Eine schöne und seltene Neuerwerbung!


Neuerwerbung vom März 2024

Es handelt sich um ein 65 cm hohes und etwa 40 cm breites, gebogenes Blechschild aus Ruit mit der Aufschrift "Hoch lebe der fidele Jahrgang 1915". Links auf dem herzförmigen Schild sieht man ein tanzendes Paar, rechts ein anderes Paar, bei dem die Frau vom Mann den Hintern mit einem Regenschirm versohlt bekommt. Oben auf dem Herz sitzt ein Mann, der mit einem Bierkrug zuprostet. Das Fass, auf dem er sitzt, trägt die Aufschrift "1934". 

Solche oder ähnliche Schilder sieht man oft auf Gruppenaufnahmen von Jahrgangsfeiern. Hier war es der Jahrgang 1915, der (vermutlich zusammen mit dem Jahrgang 1914) im Jahr 1934 seine 20er-Feier beging. Das Schild stellte beim Fototermin man vor sich hin. Da es hinten eine Möglichkeit zur Aufhängung hat, wäre es auch möglich, dass es später in einem Gasthaus hing. Bei der Jahreszahl "1915" sieht man, dass das Schild übermalt wurde, es also zuvor schon für einen anderen Jahrgang genutzt wurde. 


Ruit Jahrgangsschild 1934

Die Schenkung kam von einem alten Ruiter, der nun seinen Alterswohnsitz bezogen und beim "Ausmisten" an das Stadtarchiv gedacht hat. Vielen Dank dafür!


Neuerwerbung des Monats Februar 2024

Das Foto zeigt Oberbürgermeister Herbert Rösch (links hinten im dunklen Sakko), Mitglieder des Gemeinderats und Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Jahr 1999 bei einer Besichtigung der Firma Pilz in Nellingen. Die Stadträte schauen interessiert der Arbeit der Mitarbeiterinnen zu. Solche Informationsbesuche von Stadtverwaltung und Gemeinderat finden bis heute regelmäßig statt, um den Kontakt zur örtlichen Wirtschaft zu festigen bzw. um neue Firmen erst kennen zu lernen.


Nellingen Firma Pilz 1999

Das Foto stammt aus dem Bestand der Pressestelle vor der Einführung der digitalen Fotografie. Tausende von Fotoabzügen harren noch der Digitalisierung und der Einarbeitung in die Fotodatenbank des Stadtarchivs. Immerhin sind wir schon bei G wie "Gewerbe, Industrie" angekommen - fehlen "nur" noch die restlichen 19 Buchstaben des Alphabets. Obwohl nur die veröffentlichten und die sonstigen besten Fotos eingescannt werden, ist das noch Arbeit für etliche Jahre. Dank an den ehrenamtlichen Mitarbeiter, der sich hauptsächlich drum kümmert! (Aber nicht genannt werden will...)


Neuerwerbung des Monats Januar 2024

Das Foto aus dem Jahr 1957 zeigt zwei befreundete Erstklässler auf dem Weg in die Scharnhäuser Schule. Sie marschieren einträchtig "Hand in Hand", vornedraus der kleine Bruder der Schülerin. Sie wohnten in der noch nicht asphaltierten Jahnstraße und gingen auf ihrem Weg zum heutigen "Alten Schulhaus" am Rathausplatz hier entlang und dann die Bergstraße runter zur Nellinger Straße. Das war ein paar Meter kürzer als gleich entlang der Nellinger Straße. Unten bei der "Brücke" musste man allerdings beim Überqueren der Straße aufpassen...

Rechts sieht man das Vereinsheim und den Sportplatz des TSV Scharnhausen, heute das Neubaugebiet "Ob der Halde". Der Sportplatz war ziemlich schmal. Deshalb mussten zum Beispiel die Feldhandballer bei offiziellen Spielen auch die Jahnstraße zum Spielfeld dazunehmen. 


Scharnhausen Jahnstraße Schulweg 1957

Das Foto kam zum Einscannen von der damaligen Erstklässlerin ins Stadtarchiv. Vielen Dank dafür!


Neuerwerbung des Monats Dezember 2023

Die Neuerwerbung im Dezember zeigt kein unbekanntes Foto, sondern das längst bekannte Luftbild von Paul Strähle aus dem Jahr 1928. Man blickt von Südwesten auf den Ortskern. Oben im Bild sieht man die Hedelfinger Straße. Es ist ein tolles Bild, weil der Pilot ziemlich tief geflogen ist und man viele Details erkennen kann. 


Ruit Luftbild 1928

Warum ist dieses altbekannte Foto eine Neuerwerbung? Ganz einfach, weil die Ansichtskarte noch nicht als Original im Stadtarchiv war. Wir hatten bereits ein gutes Repro und einen Abzug aus dem Strähle-Luftbildarchiv in Schorndorf. Nun aber ist bei Ebay eine sehr gut erhaltene Original-Ansichtskarte aufgetaucht, die auch erworben werden konnte. Auch im digitalen Zeitalter strebt ein Archiv immer nach dem Besitz des Originals.


Neuerwerbung des Monats November 2023

Bei diesem Blatt handelt es sich um die Urkunde zur Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs. Das Ehrenkreuz selbst ist nicht dabei. Der Orden wurde 1935 an den Ruiter Kasseninspektor Heinrich Funk verliehen. Er ist für die Ruiter Ortsgeschichte nicht ganz unbedeutend, denn er wurde am 2. Mai 1945 von der französischen Militärregierung zum vorläufigen Bürgermeister der Gemeinde Ruit bestellt. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters - er war bei Kriegsende bereits 64 Jahre alt - bat er nach wenigen Wochen, von seinem Amt entbunden zu werden. Er wäre kurz darauf vermutlich ohnehin abgesetzt worden, denn er war keineswegs unbelastet, sondern Mitglied der SA-Reserve gewesen.


Ruit Ehrenkreuz Frontkämpfer 1. WK, 1935

Die gerahmte Verleihungsurkunde wurde in einem Ruiter Gartenhäuschen gefunden und dem Stadtarchiv übergeben. Vielen Dank dafür!


Neuerwerbung des Monats Oktober 2023

Das Foto ist um 1957 entstanden und zeigt den Löschteich der Domäne Weil unterhalb der Parksiedlung. Zu dieser Zeit wurde die Landwirtschaft von Gutsverwalter Wilhelm Herrmann geleitet. Die Familie wohnte oben im Schweizerhaus, das ja heute noch steht. Die Kinder machten sich manchmal einen Spaß und nutzten den Löschteich der Domäne als Freibad. Ab 1958 übernahm dann der Schwiegersohn des Pächters Weger & Hausch die Leitung der Domäne Weil.


Parksiedlung Domäne Weil Löschteich um 1957

Das Foto kam zum Einscannen von der Tochter des Domänenverwalters ins Stadtarchiv. 


Neuerwerbung des Monats September 2023

Es handelt sich um ein Aquarell in der Bildgröße 13x19,5 cm aus den Jahren um 1830. Das Bild zeigt das Scharnhauser Schlösschen mit Teich und Springbrunnen davor. Links vor dem Teich steht eine vierspännige Kutsche mit wartendem Personal. Drei Personen in Biedermeierkleidung gehen einen stark überhöhten Hügel zum Schlössle hinauf. Links im Hintergrund sieht man den 1822 von Giovanni Salucci erbauten Stutenstall. 
Auf dem zeitgenössischen Passepartout ist "Scharnhausen 10. Juli" eingedruckt, leider ohne Jahreszahl. Um welches Ereignis es sich handelte, ist bislang nicht bekannt. Es ist auf dem Passepartout von späterer Hand mit Bleistift "Scharnhausen v. Graf v. Taubenhain" notiert. Es muss sich um Wilhelm von Taubenheim (1805-1894) handeln. Dass diese Aquarell ursprünglich aus seinem Besitz stammt, ist durchaus plausibel: Taubenheim, Sohn eines königlichen Stallmeisters, kam 1826 in seine Heimatstadt Stuttgart zurück, um selbst Stallmeister und Kammerherr des Königs zu werden. 1841 avancierte er zum Ersten Stallmeister, 1845 zum Oberststallmeister. Er soll auch Direktor des Königlichen Privatgestüts gewesen sein.
Graf von Taubenheim war langjähriger Begleiter und Vertrauter von König Wilhelm I. Er war es, der den König zwei Tag vor seinem Tod im Jahr 1864 noch einmal in sein geliebtes Gestüt Weil kutschiert hat. 


Scharnhausen Schlössle Aquarell um 1830

Das Aquarell wurde bei Ebay versteigert. Das Stadtarchiv hat das höchste Gebot abgegeben, um es für die Archivsammlung zu sichern. Trotz der leichten Beschädigung links oben ist das Bild sein Geld wert, denn es handelt sich - anders als ein Druck - schließlich um ein Unikat, das es nur einmal gibt. 


Neuerwerbung des Monats August 2023

Im August konnte ein interessantes Dokument über die Nachkriegszeit im heutigen Scharnhauser Park erworben werden. Es handelt sich um ein Schriftstück der International Refugee Organization (IRO) aus dem Jahr 1949. Das Hauptquartier der IRO befand sich seit etwa 1947 auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts. Diese Organisation sollte den so genannten "Displaced Persons" hel­fen - vornehmlich ehemalige Zwangsarbeiter aus den östlichen Staa­ten, die nicht in ihre Ursprungsstaaten zurück wollten oder konn­ten. 1950 hieß es im Nellinger Gemein­derat, die IRO werde den Fliegerhorst verlassen, um eine Neubelegung durch US-Truppen zu ermöglichen. 1951 entstand dann die US-Kaserne "Nellingen Barracks". 

Das Dokument im Karteikartenformat ist die Bestätigung einer Anspruchsberechtigung - für was auch immer. Übersetzt heißt es dort: "Die hiermit angegebene Person fällt in die Kategorie der Personen, mit denen sich der Vorbereitungsausschuss für die internationale Flüchtlingsorganisation befasst." Es ist auf einen 1928 geborenen polnischen Juden ausgestellt, der in Erlangen wohnte - in der Kriegszeit also aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf den Fildern lebte. Er wurde vom Stadtarchiv in diesem Scan unkenntlich gemacht, da er hochbetagt immer noch leben könnte bzw. möglicherweise noch nicht zehn Jahre tot ist. 


Scharnhauser Park IRO 1949

Das Dokument konnte über Ebay erworben werden. Wie meistens bei Ebay ist nicht bekannt, wie der Anbieter zu diesem Dokument kam. Es könnte sich in einem Nachlass befunden haben oder in einem aufgelösten Haushalt. Das Schriftstück ist ein weiteres Mosaiksteinchen zur Geschichte des Scharnhauser Parks.


Neuerwerbung des Monats Juli 2023

Das Foto zeigt einen inszenierten Boxkampf beim Ruiter Erntedankfest 1937. Schauplatz des Geschehens soll in der Nähe der heutigen Otto-Vatter-Straße gewesen sein. Zwei Jugendliche spielten vor einer großen Zuschauermenge den legendären Boxkampf zwischen Max Schmeling und dem "braunen Bomber" Joe Louis nach. Dafür wurde ein Ruiter schwarz angemalt. Der reale Boxkampf hatte am 19. Juni 1936 stattgefunden und mit einem K.-o.-Sieg des Deutschen geendet. Die Nationalsozialisten propagierten diesen Kampf als Beweis der Überlegenheit der arischen Rasse. 

Am 22. Juni 1938 fand ein zweiter Boxkampf zwischen Schmeling und Louis statt, wiederum vor 70.000 Menschen im ausverkauften Yankee-Stadion in New York. Diesmal gewann Joe Louis durch Knock out in der ersten Runde. Dieser Boxkampf wurde dann allerdings in Ruit nicht nachgespielt...


Ruit Boxkampf 1937

Das geradezu sensationelle Foto wurde zum Einscannen von zwei Ruiter Brüdern zur Verfügung gestellt, die über das 850-Jahr-Jubiläum Kontakt zum Stadtarchiv gefunden haben. Etliche weitere historische Fotos aus den Familienalben konnten inzwischen eingescannt werden. Herzlichen Dank dafür!


Neuerwerbung des Monats Juni 2023

Die Neuerwerbung des Monats ist diesmal ein textiler "Festbendel" aus Kemnat, gerade mal zehn Zentimeter breit und zwei Zentimeter hoch. Er wurde wohl an der Kleidung befestigt und war vermutlich so etwas wie eine Eintrittkarte. Der festliche Anlass war die zweite Fahnenweihe des Liederkranzes im Jahr 1900. Die "in Ehren verblasste alte Fahne", wie es in der Vereinschronik heißt, wurde durch eine neue Fahne ersetzt. Das in Kemnat erwünschte ganz große Fest wurde es aber nicht, denn das Gausängerfest, auf das man spekuliert hatte, war in jenem Jahr Plieningen zugeteilt worden. Beide Fahnen befinden sich übrigens als Depositum der Sängervereinigung Liederkranz Kemnat 1842 e.V. im Stadtarchiv.


Kemnat Fahnenweihe 1900

Der Festbendel wurde bei Ebay angeboten und konnte erworben werden.


Neuerwerbung des Monats Mai 2023

Das Luftbild zeigt einen Teil der Hindenburgstraße in Nellingen. Es wurde im Sommer 1969 aufgenommen. Man blickt in Richtung Südosten. Vorne rechts quert die Bismarckstraße. Links sieht man das Café Haag in der Hindenburgstr. 5 (heute Bäckerei Unrath und BW-Bank). Das angeschnittene Gebäude vorne rechts wurde wenig später abgerissen. Hier steht heute die Volksbank.


Nellingen Hindenburgstraße 1969

Ein Luftbild-Betrieb hat dem Stadtarchiv alle 35 Aufnahmen dieses Flugs über Nellingen zu einem Pauschalpreis angeboten. Das Geschäftsmodell war wohl, ohne Auftrag über einen Ort zu fliegen und alles zu fotografieren, was irgendwie nach einem Gewerbebetrieb oder einer öffentlichen Einrichtung aussah. Die Aufnahmen wurden später den Betrieben zum Kauf angeboten. Manch einer wird "sein" Foto erworben und stolz aufgehängt haben. 

Für das Stadtarchiv sind die Luftbilder interessante Momentaufnahmen, die durch die geringe Flughöhe viele Details der damaligen Bebauung zeigen. Luftbilder gibt es öfters, aber meist aus größerer Höhe oder als Senkrechtaufnahme.


Neuerwerbung des Monats April

Das Foto ist etwa 1956 entstanden und zeigt das Haus Kirchheimer Str. 29 in Ruit. Links geht es in die Hedelfinger Straße, man sieht noch die Bäckerei Mack in der Hedelfinger Str. 4. Es war das Haus des Schuhmachers Hermann Stiefel. Vermutlich wurde das Foto von einer Bausparkasse in Auftrag gegeben, denn wir kennen aus diesen Jahren etliche qualitativ hochwertige Aufnahmen im Format 13x18, die zu Dokumentationszwecken im Vorfeld einer Gebäudemodernisierung gemacht wurden. Und tatsächlich gibt es zwei Jahre später von diesem Haus auch ein Foto, auf dem man eine neue Schaufensterfassade sieht. 


Ruit Kirchheimer Str. 29 um 1956

Die Aufnahme kam mit vielen anderen Dokumenten aus der Familie Stiefel ins Stadtarchiv. Vier Generationen haben seit 1882 über hundert Jahre lang das Schuhmacherhandwerk in Ruit ausgeübt, immer im Bereich dieser Kreuzung: zuerst in der Kirchheimer Straße 28, dann in der Hedelfinger Str. 6, dann im abgebildeten Haus und zuletzt seit 1977 im Geschäftshaus Kirchheimer Str. 25 (bis vor kurzem BW-Bank). Das Foto ist auch deshalb so wertvoll, weil durch den Neubau des "Haus Liselotte" der Gradmann-Stiftung kein einziges dieser Gebäude mehr steht.