Das Foto zeigt Magdalene Bauer geb. Mayer aus der Riegelstraße in Nellingen. Sie lebte von 1846 bis 1927, wurde also 81 Jahre alt. Diese für damalige Verhältnisse lange Lebenszeit ist umso erstaunlicher, als sie in den 21 Jahren zwischen 1868 und 1889 nicht weniger als 18 Kinder zur Welt brachte. Davon starben zwölf Kinder, die meisten bereits in den ersten Lebensmonaten. Darunter war auch das erste Kind und die letzten fünf Kinder. Wie haben Magdalene Bauer und ihre Familie diese schreckliche Erfahrung verarbeitet? Wir wissen es nicht, aber es ist zu vermuten, dass man damals ein sachlicheres Verhältnis zum Tod hatte - sonst hätte man das wohl gar nicht ausgehalten. Das erste Kind wurde Rosine getauft. Dieser Name wurde danach noch an drei weitere Kinder vergeben, die auch alle gestorben sind. Heute würde wohl niemand auf die Idee kommen, ein neues Kind so zu nennen wie ein zuvor verstorbenes.

Leider ist das Foto nicht datiert. Wie alt mag Magdalene Bauer gewesen sein? Die Leute sahen früher oft älter aus, als sie tatsächlich waren, denn sie mussten hart arbeiten, konnten sich nicht so gut ernähren und hatten eine schlechte medizinische Versorgung. Vielleicht ist das Foto um 1910 aufgenommen, dann wäre sie um die 65 Jahre alt gewesen. Vielleicht wurde das Foto aber auch erst kurz vor ihrem Tod gemacht.

Interessant ist die schwarze Tracht und die Einrichtung des Zimmers. Vielleicht wurde es im privaten Wohnzimmer aufgenommen, vielleicht aber auch bei einem Anlass in einem anderen Haus?



Das Foto wurde dem Stadtarchiv von der Urenkelin der Magdalene Bauer zum Einscannen zur Verfügung gestellt.


Neuerwerbung des Monats November 2019

Das Foto zeigt einen Blick in die Ruiter Straße in Scharnhausen um 1936. Links sieht man die damalige Schmiede in der Ruiter Straße 9. Am rechten Bildrand ist das ebenfalls längst abgebrochene Gasthaus Hirsch, und im Hintergrund steht das Gebäude Kirchstr. 2 an dem Ort, wo sich heute die Scharnhauser Bank befindet.

Das Aufnahmedatum ist keine hundert Jahre her, und doch ist alles, was man auf dem Bild sieht, heute nicht mehr existent. Sämtliche Gebäude wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt, die Straße wurde asphaltiert, und glücklicherweise gibt es seit 1945 auch keine Hitlerjugend mehr, die man hier marschieren sieht.



Das Foto wurde dem Stadtarchiv von eine Bürgerin aus Scharnhausen geschenkt. Es ist ein wertvolles Dokument seiner Zeit und wird dauerhaft in der Fotosammlung des Stadtarchivs verwahrt. Über eine Datenbank erschlossen, kann das Foto mit den Stichworten zu Straße und Hausnummer, "Gasthaus", "Hirsch", "Nationalsozialismus" oder "Hitlerjugend" blitzschnell gefunden werden, je nachdem, was der Zweck der Rercherche ist.


Neuerwerbung des Monats Oktober 2019

Im Oktober 2019 kamen vier Medaillen in die Sammlung des Stadtarchivs, die aus der US-Kaserne Nellingen Barracks (heute Scharnhauser Park) stammen. Die älteste von ihnen (ganz links) ist von 1976 und dem 200-jährigen Bestehen der USA gewidmet. Die drei anderen sind Medaillen der Jahre 1978 bis 1981 für die Teilnehmer der damals beliebten Volkswandertage. Diese wurden auch in vielen anderen Orten veranstaltet und trugen in unserem Fall zur deutsch-amerikanischen Verständigung bei.



Die Medaillen wurden von einem Bürger aus dem Scharnhauser Park bei einem Flohmarkt erworben und nun an das Stadtarchiv weiterverkauft. Sie bilden eine Ergänzung zu den bereits in der Sammlung vorhandenen Medaillen und Pokalen aus der US-Kaserne Nellingen Barracks.


Neuerwerbung des Monats September 2019

Das Foto zeigt die Arbeiten an der Kanalisation der Ludwig-Jahn-Straße um 1935. Die "Siedlung", wie man sie in Nellingen nennt, wurde in den 1930er-Jahren erbaut. Die kleinen Siedlungshäuser stehen heute noch, allerdings sind sie praktisch alle umgebaut und erweitert. Die Kanalisation war wie der Straßenbau eine notwendige Erschließungsmaßnahme. Stehend ganz links im Bild sieht man Christian Mack, gennant "Nuss". 



Das Foto kam über eine Nellinger Bürgerin in das Stadtarchiv. Es wurde dort eingescannt, das Original hat die Eigentümerin unverzüglich wieder zurück bekommen.


Neuerwerbung des Monats August 2019

Die Abbildungen stammen aus einer sechsseitigen Schrift der NSDAP-Ortsgruppe Ruit, die vermutlich zum Jahreswechsel 1941/42 an die ausmarschierten Ruiter Soldaten verschickt wurde. "Gruss aus der Heimat" war das dünne Heftchen betitelt. Es passte nach einer Faltung in ein kleines Feldpostkuvert. Neben einem Luftbild von 1934, Abbildungen der Kleider- und Skisammlung sowie Ruiter Häusern und Schulszenen sind auch Bilder vom Ruiter Winter enthalten. Sie zeigen eine von meterhohem Schnee geräumte Straße und den großen Ruiter Schneepflug: ein Gespann mit sechs Pferden, das ein V-förmiges, von etlichen Menschen beschwertes Holzgestell zog. Auch ein Winterbild der Scharnhauser Straße mit dem Rathaus und dem alten Schulhaus ist abgebildet. 
Sinn und Zweck eines solchen Schreibens an die Front war natürlich, die Kampfmoral zu stärken. Deshalb grüßte Ortsgruppenleiter Theodor Fritz mit einem Gedicht, in den es unter anderem hieß: "Es kommt der Tag, die Stunde / wo ihr einst wiederkehrt / an dem die frohe Kunde / vom Siege alles hört". Es sollte anders kommen. Der Krieg wurde verloren, 150 Ruiter Soldaten kehrten nicht zu ihren Familien zurück, und Ortsgruppenleiter Fritz machte sich bei Kriegsende feige aus dem Staub. 



Die Schrift "Gruss aus der Heimat" war bislang nicht bekannt. Sie wurde über ebay angeboten und konnte schließlich ersteigert werden. 


Neuerwerbung des Monats Juli 2019

Die Ansichtskarte von Scharnhausen zeigt den Ort vermutlich in den 1960er-Jahren. Die Karte gab es aber einige Jahre im Handel und wurde in diesem Fall erst 1970 versendet. Der Fotograf stand im Bereich "Halde" und blickte nach Süden. Gut sichtbar ist die damals noch recht neue evangelische Kirche und rechts davon das Schulhaus in beiger Farbe, das 1974/75 zur Schaffung des Kirchenparkplatzes abgebrochen wurde. Die Ansichtskarte wurde von Doris Fetter in Auftrag gegeben, die in der Nellinger Straße bei der "Krone" an der Körsch eine Schreibwarenhandlung und eine Leihbücherei betrieb.



Nach vielen Jahren Sammeltätigkeit denkt man im Stadtarchiv immer, dass schon alle Ansichtskarten vorhanden sein müssten. Immer wieder taucht jedoch eine auf, die noch in der Sammlung fehlt, so auch diese. Sie konnte über Ebay ersteigert werden.


Neuerwerbung des Monats Juni 2019

Im Juni kam ein kleines Konvolut mit Unterlagen der Kommunistischen Partei (KPD) aus Ruit in die Sammlung des Stadtarchivs. Es handelt sich um einen Stempel der Ortsgruppe Ruit samt Material des Kassiers: Ein Papiertäschchen mit Beitragsmarken, ein Umschlag mit Ansteckfähnchen zur Internationalen Kampfwoche gegen Faschismus und Krieg 1952, Spendenscheckhefte über DM 0,50 und DM 1,- "für den Kampf um ein einheitliches unabhängiges und friedliebendes Deutschland" und Spendenquittungen für den "Kampffond gegen Remilitarisierung und für Frieden". 

Die Ruiter KPD war 1920 aus der USPD entstanden. Im Gemeinderat saßen während der Weimarer Republik stets drei bis vier Mitglieder aus den Reihen der KPD am Ratstisch. Dabei traten die Kommunisten durch lautstarke, oft einfach strukturierte Forderungen hervor. Gegenüber der Gemeindeverwaltung hegten sie einen ständigen Generalverdacht. 1933 wurde die KPD von den Nationalsozialisten verboten, einige Mitglieder kamen in die so genannte "Schutzhaft" auf den Heuberg. Darunter war auch der Ruiter Kommunistenführer Karl Gröber.

Nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus 1945 wurde die Ruit KPD-Ortsgruppe wiedergegründet. Aus der Nachkriegszeit bzw. aus den frühen 1950er-Jahren stammen auch die erworbenen Unterlagen. KPD-Vorsitzender war wiederum Karl Gröber, der 1945/46 auch kurzzeitig als Bürgermeister amtierte. Er war bis 1959 Gemeinderat für die KPD. Da die KPD bereits 1956 verboten worden war, kandidierte Gröber 1959 für die "Parteilose Wählervereinigung Ruit" und blieb bis 1965 im Gemeinderat. Möglicherweise stammen die Unterlagen aus Gröbers Besitz.



Das Konvolut wurde dem Stadtarchiv von einem Stuttgarter Privatmann zum Kauf angeboten. Wie er dazu kam, konnte nicht geklärt werden. Nun ist dieses interessante Detail der Ruiter Ortsgeschichte ein Teil der Sammlung des Stadtarchivs. Aus dem Nachlass von Karl Gröber kamen über die Ruiter Verwandschaft bereits zuvor interessante Dokumente ins Stadtarchiv Ostfildern. 


Neuerwerbung des Monats Mai 2019

Auch im Mai geht es wieder um die Straßenbahn END, diesmal aber als Buch. Es ist ganz neu erschienen und trägt den Titel "Die END. Straßenbahn Esslingen - Nellingen - Denkendorf: Bahnen und Busse in und um Esslingen". Autor ist Andreas Illgen aus Weinstadt, der sich viele Jahre intensiv mit der END beschäftigt hat und sich als profunder Kenner der Materie erweist. Herausgekommen ist ein Buch, das mit eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Fotos äußerst reich bebildert ist und zu allen Aspekten der Straßenbahngeschichte Auskunft gibt. Es macht großen Spaß, darin zu blättern!



Das neue Buch über die END kostet 39,95 Euro und ist im Buchhandel sowie über das Internet (z.B. ebay oder amazon) zu erwerben. Die ISBN lautet: 978-3-8375-2094-1.


Neuerwerbung des Monats April 2019

Der Fahrplan der Straßenbahn END stammt aus dem Jahr 1949. Die Straßenbahn wurde auch damals noch als "Höhen-Bahn" beworben, was auch durch die bildliche Darstellung der fast alpin anmutenden Serpentinen der Zollbergstraße verdeutlicht wird. Die Straßenbahn war eben nicht nur ein öffentlicher Nahverkehr zur Arbeitsstätte in Esslingen, sondern auch ein touristisches Angebot: Bevor sich die Gewerbegebiete auf den Fildern entwickelten, galt unsere Hochebene als beliebtes Ausflugsziel der Städter aus Esslingen und Stuttgart. Dort war nämlich noch richtig "dicke Luft" durch die Fabrikschornsteine und die privaten Holz-/Kohleheizungen und -herde, während bei uns oben ein frischer Wind wehte und die Dörfer noch eher bäuerlich aussahen.



Der Fahrplan kam mit einem ganzen Konvolut von Unterlagen zum "Bauern-Express" und zur END-Verkehrsgesellschaft in´s Stadtarchiv. Der Schenker ist ein Straßenbahnsammler, der sich aus Platzmangel von Teilen seiner Schätze trennen musste. Das Konvolut ist nun im Bestand D einsortiert, wo nichtamtliches Sammlungsgut auf Dauer aufbewahrt wird. Der Bestand ist mit einem Findbuch erschlossen und kann durch Interessierte genutzt werden.


Neuerwerbung des Monats März 2019

Das Foto wurde 1957 in Ruit aufgenommen. Die Straße links im Vordergrund ist "Im Holder" mit Blick in Richtung Klebwald. Die Häuser im Hintergrund stehen auf der Nordseite des Dahlienwegs. Der Garten rechts stand kurz vor der Bebauung. Heute ist das dort entstandene Haus bereits wieder abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt worden. Die Szene ist ein schönes Beispiel für die Aufbruchstimmung der 1950er-Jahre, zwölf Jahre nach Kriegsende. Schmucke Neubaugebiete entstanden, die Kinder waren ordentlich angezogen und frisiert, und die Mütter sahen noch aus wie heute die Omas. 



Die Aufnahme kam über eine geschichtlich interessierte Privatperson in´s Stadtarchiv. Dort wurde das Negativ eingescannt und dem Eigentümer wieder zurückgegeben. Die abgebildeten Personen sind bekannt. Das Foto ist sowohl von hoher fotografischer als auch von ortshistorischer Qualität und bereichert daher die Fotosammlung des Stadtarchivs.


Neuerwerbung des Monats Februar 2019

Das Bild aus dem Jahr 1979 zeigt einen Blick in den hinteren Bereich der unteren Riegelstraße in Nellingen. Mit dem Teleobjektiv wurde das "Kruschtelige" der damaligen Zeit komprimiert eingefangen. Man hat die Wäsche noch an der Leine getrocknet, und alte Gefäße wurden hinter der Scheune aufbewahrt - man wusste ja nicht, ob man sie irgendwann einmal wieder brauchen würde. 



Das Bild ist Teil einer Diasammlung, die fast 300 Aufnahmen umfasst. 1979 wurde von der damaligen Sanierungsgesellschaft (heute SEG) ein Fotograf beauftragt, das zukünfte Sanierungsgebiet Riegelstraße/Wilhelmstraße im Zustand vor der Sanierung ausführlich zu dokumentieren. Neben Aufnahmen, die ganze Häuser zeigen, gibt es auch solche, die Details dokumentieren. Der Fotograf hat alle Blickwinkel in einen Plan eingetragen, so dass man heute noch genau weiß, was abgebildet ist. Die Sammlung wird nun im Stadtarchiv komplett digitalisiert und in die digitale Fotosammlung eingepflegt.


Neuerwerbung des Monats Januar 2019

Das emaillierte Abzeichen des Arbeitervereins Kemnat ist etwa 4 cm hoch und 3 cm breit. Es zeigt in der Mitte die so genannten "Verbrüderungshände", ein altes Symbol der Arbeiterbewegung für Solidarität unter den Werktätigen. Das Abzeichen dürfte zwischen der Gründung des Kemnater Arbeitervereins im Februar 1904 und dem Ersten Weltkrieg produziert worden sein. Später nannten sich die Arbeitervereine "Sozialdemokratische Partei".



Das Abzeichen konnte über Ebay erworben werden. Dort wurde es allerdings als ein Abzeichen aus Kemnat bei Ruppertszell im bayerischen Landkreis Aichach-Friedberg angeboten. Vermutlich dachte der Anbieter, dass nur dieses Kemnat in Frage kommt, weil es schon immer ohne "th" am Schluss geschrieben wurde. Allerdings handelt es sich um einen winzigen Weiler mit wenigen Bauernhäusern. Warum sollte hier ein Arbeiterverein existiert haben? Wenn man sich die Geschichte der "th"-Schreibung von Kemnat auf den Fildern anschaut, dann passt eigentlich alles gut zusammen. Im März 1904 befreite man auf dem Rathaus die alte Schreibweise "Kemnath" um das "h" am Ende. Ein Arbeiterverein war hier nur wenige Tage zuvor gegründet worden. Das neue Abzeichen des neuen Vereins war also auch ein Symbol der neuen Zeit.