Wanderakademie zur „Schulischen Integration“ in Ostfildern

„Wir wollen zur Gesellschaft dazugehören und Freunde finden“

In einer gemeinsamen Veranstaltung im Stadthaus haben die Städte Ostfildern, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Esslingen  und der  Landkreis Esslingen  Projekte zur schulischen Integration präsentiert und diskutiert.

Die Idee zu den sogenannten Wanderakademien hatte der Landkreis angestoßen. Es geht darum, den Austausch zwischen Hauptamtlichen und ehrenamtlich Engagierten bei verschiedenen Themen zu verstärken und herauszuarbeiten, wie in den jeweiligen Bereichen die Zusammenarbeit gefördert werden kann.

Die erste Wanderakademie zum Thema „Schulische Integration“ fand in Ostfildern statt, gemeinsam konzipiert mit den beteiligten Städten, organisiert von der Stabsstelle Integration Ostfildern. Zu den herausfordernden Topthemen der kommunalen Politik gehörten Wohnen, Bildung und Integration, erklärte der Oberbürgermeister Christof Bolay bei der Begrüßung. Mit dieser Veranstaltung würden gleich zwei dieser Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet -  Bildung und Integration. Er sei froh, dass bei der Integration hauptamtliche Strukturen aufgebaut werden konnten. Denn Integration sei ein Thema, so Bolay, „das uns lange, auf Dauer, begleiten werde“. Neben den professionellen Strukturen gebe es in Ostfildern das bürgerschaftliche Engagement, das trage, unter anderem den Freundeskreis Asyl.

Der Landkreis unterstützt

Der Landkreis unterstütze das Engagement der Zivilgesellschaft und habe in einer Broschüre im Rahmen des Integrationsplanes des Landkreises Standards für das bürgerschaftliche Engagement in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit entwickelt, erklärte Saime Ekin-Atik, die Landkreis-Koordinatorin für das bürgerschaftliche Engagement in der Flüchtlingshilfe. Mehr als 2200 Ehrenamtliche seien als aktiv in der Flüchtlingshilfe bekannt in den Gemeinden und Städten im Landkreis, mit Sicherheit gebe es aber weit mehr Unterstützung bei der Integration.

Testimonials

Gudrun Greth, Schulrätin vom Staatlichen Schulamt Nürtingen informierte  über die aktuellen Bestrebungen des Landes bei interkulturellen Lehrerfortbildungen und bei der Integration von zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Allerdings würden Schulen aufgrund des akuten Lehrermangels schnell an ihre Grenzen stoßen. Ehrenamtliches Engagement hält Greth insbesondere an den Übergängen von Kindergarten in Schule, von der Grundschule an weiterühren Schulen und beim Start in eine Ausbildung für besonders hilfreich. Ebenso sei der Kontakt mit und die Information der Eltern wichtig bei der Entwicklung der Kinder. In einigen Städten, etwa in Ostfildern, gibt es hierfür bereits Ansätze für eine organisierte Unterstützung, wie ein Blick beim „Gallery Walk“ auf die Infostände der Projekte  eins plus b, des Mentoring-Programms und des  Patenmodells „Ich komme mit“ zeigte.

Der geschäftsführende Schulleiter der beruflichen Schulen im Landkreis Esslingen, Thomas Fischle, zeigte sich erleichtert, dass es inzwischen keine Wartelisten mehr für die sogenannten VABO-Klassen  (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse). Es kämen inzwischen weit mehr junge Zuwanderer aus dem EU-Ausland und dem asiatischen Raum als Geflüchtete. Wichtig beim Sprachelernen und beim Start in Ausbildung und Beruf seien praktische Erfahrungen in Betrieben, doch Praktikumsplätze schwer zu finden.

Die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ostfildern, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Esslingen sowie aus weiteren Gemeinden im Landkreis, darunter Schulleiter, Lehrer, Schulsozialarbeiter, Schulkindbetreuer, Elternbeiräte, Integrationsmanager, Freie Träge und ehrenamtliche Mentoren, diskutierten an verschiedenen Thementischen über Fragestellungen wie „Welche Faktoren sind zu berücksichtigen, damit sich Projekte (von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen) an Schulen erfolgreich umsetzen lassen?“. Es wurden auch auf strukturelle politische Probleme angesprochen, wie etwa die befristeten Kettenverträge mit regelmäßigen Entlassungen zum Schuljahresende für Lehrer, die als Krankheitsstellvertreter arbeiteten oder nur ein Fach, etwa Deutsch als Fremdsprache, an Vorbereitungsklassen (VKL-Klassen) unterrichteten.

Zu Wort kamen auch zwei Schüler, die über ihre Erfahrungen im deutschen Schulsystem berichteten. Für den heute 15-jährigen Hatem (Ostfildern) war es ein schönes Gefühl, in Deutschland wieder zur Schule gehen zu dürfen, nachdem er wegen des Krieges in Syrien zwei Jahre lang keine Schule besuchen durfte. „Das hat meine Leidenschaft zum Lernen  geweckt,“ sagte Hatem. In nur eineinhalb Jahren schaffte er den Sprung von einer VKL-Klasse aufs Gymnasium. Für zwei  Mütter aus Kroatien und aus der Türkei, Valentina Mozar und Meltem Biyik, die jetzt in Ostfildern leben, ist das Wesentliche für sich und ihre Kinder: „Wir wollen Freunde finden, wir wollen zur Gesellschaft dazugehören.“

Am 17. Juli  folgt die nächste Wanderakademie zum Thema „Berufsbildung und Arbeitswelt“ im Landratsamt Esslingen, am 24 Juli eine zum Thema „Sprachliche Integration“ in Nürtingen, alle gefördert mit Mitteln des Sozialministeriums. Im Oktober sollen alle Ergebnisse in einer Abschlussveranstaltung im Landratsamt vorgestellt werden.