Scharnhausen West erhält neues Energiekonzept

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Der Gemeinderat hat die Energieversorgung für das Gewerbegebiet Scharnhausen West neu ausgerichtet. Künftig setzt die Stadt auf flexible, bedarfsgerechte Energielösungen statt auf ein zentrales Quartiersnetz für die Wärme- und Kälteversorgung. Hintergrund sind veränder-te wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie technische Weiterentwicklungen. An den Kli-maschutzzielen des Quartiers hält die Stadt unverändert fest.

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 17. Juni beschlossen, den bestehenden Kooperationsvertrag mit der EnBW Nachhaltige Quartiere GmbH über den Bau und Betrieb eines zentralen Quartiersnetzes für die Wärme- und Kälteversorgung aufzuheben. Damit entfällt auch die bisherige Verpflichtung der Erwerber, ihre Grundstücke an das gemeinsame kalte Nahwärmenetz anzuschließen. Die Entscheidung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen. Künftig setzt die Stadt auf bedarfsgerechte Energielösungen, die erst mit der tatsächlichen Bebauung der Grundstücke umgesetzt werden. So können sie auf die jeweilige Nutzung abgestimmt und wirtschaftlich wie technisch flexibel realisiert werden.

Klimaschutzziele bleiben bestehen

„Scharnhausen West bleibt ein nachhaltiges Gewerbegebiet mit hohen Ansprüchen an Klimaschutz, Energieeffizienz und zukunftsfähige Unternehmensstandorte“, sagt Oberbürgermeister Christof Bolay. „Wir verändern nicht das Ziel, sondern – auch angesichts technischer Weiterentwicklungen – den Weg dorthin. Die Unternehmen erhalten mehr Spielraum bei der Wahl ihrer Energieversorgung. Das ist ein verantwortungsvoller Schritt zur richtigen Zeit, um das Quartier langfristig wirtschaftlich tragfähig und attraktiv weiterzuentwickeln.“ An den grundsätzlichen Zielen für Scharnhausen West ändert sich somit nichts. Das Quartier wird weiterhin schornsteinfrei sein, also ohne fossile Wärmeversorgung entwickelt werden. Auch die Vorgaben zu Photovoltaik, Begrünung, Entwässerung und nachhaltiger Mobilität bleiben zentrale Bestandteile des Konzepts.

Modulares Konzept statt zentraler Vorleistung

Ursprünglich war vorgesehen, die Wärme- und Kälteversorgung im Quartier über ein zentrales, kaltes Nahwärmenetz mit Geothermie in Verbindung mit Photovoltaik sicherzustellen. Dafür wären noch großflächige Erdsondenbohrungen mit einer entsprechenden Leitungsinfrastruktur und die Errichtung einer Energiezentrale erforderlich gewesen. Da sich nicht zuverlässig vorhersagen lässt, wann sich die Unternehmen im Gebiet ansiedeln, wären hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich gewesen, bevor eine ausreichende Nachfrage und damit eine wirtschaftliche Auslastung gesichert gewesen wäre. Überkapazitäten hätten die Wirtschaftlichkeit zusätzlich erschwert. Mit der Neuaufstellung sollen Investitionen künftig dem tatsächlichen Bedarf folgen. Dadurch werden unnötige Vorleistungen vermieden und die Energieversorgung bleibt wirtschaftlich tragfähig und langfristig planbar.

Passgenaue Lösungen für jedes Unternehmen

Statt einer einheitlichen technischen Lösung für alle Unternehmen setzt die Stadt künftig auf modulare Energiekonzepte. Je nach Nutzung und Energiebedarf können beispielsweise Luft-Wasser-Wärmepumpen, Geothermie auf dem eigenen Grundstück, Photovoltaikanlagen, Speicherlösungen oder weitere Technologien miteinander kombiniert werden. „Die Anforderungen der Unternehmen sind sehr unterschiedlich“, sagt Baubürgermeister Michael Lübke. „Ein Betrieb benötigt vor allem Heizwärme, ein anderer auch Kühlung in größerem Umfang, wieder ein anderer erzeugt eventuell selbst Abwärme, die genutzt werden kann. Mit einem modularen Ansatz können wir darauf deutlich flexibler reagieren und zugleich die nachhaltige Ausrichtung des Gebiets sichern.“

Mehr Spielraum für Unternehmen

Die neue Ausrichtung schafft für Unternehmen mehr Flexibilität bei der Planung ihrer Bauvorhaben. Statt einer für alle verbindlichen technischen Lösung können sie ihre Energieversorgung künftig individuell an ihre betrieblichen Anforderungen anpassen. Scharnhausen West bleibt damit ein Standort für Unternehmen, die nachhaltig bauen, effizient mit Flächen umgehen und zukunftssicher in Ostfildern investieren wollen.

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