von Oberbürgermeister Christof Bolay

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlich Willkommen zum traditionellen Jahresabschluss des Gemeinderats. Ich freue mich auf einen kurzweiligen Abend mit Ihnen – fast wie bei den regulären Sitzungen. Nach mir wird Frau Hönschel-Gehrung für das Gremium zurückblicken. Ehrungen haben wir in diesem Jahr ausnahmsweise keine.
Musikalisch umrahmt wird diese Feierstunde durch Severin Klein am Cello, der uns ein Werk von Bach gespielt hat. Und später hören wir David Yu am Klavier, der Schubert darbieten wird. Beide sind aus der Begabtenklasse. Ich sage es auch heute wieder. Es ist beeindruckend, welche Leistungen in unserer Musikschule erzielt werden. Vielen Dank an alle daran Beteiligten: Lehrer, Schüler und Eltern.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieses Jahr fange ich jede Rede ähnlich an. Mit dem Jubiläum unserer Stadt. 50 Jahre Ostfildern hat sich als roter Faden durch das gesamte Jahr gezogen. Mit großen Beiträgen wie dem Fest-Wochenende im Juli. Aber auch mit kleineren Aktionen wie dem Jazz-Brunch im Zinsholz. Wir haben uns als Stadt das ganze Jahr von der besten Seite gezeigt. Bunt, vielfältig, engagiert, modern und solidarisch.
Als ich neulich jemandem erzählte, ich sei im Dezember auf einer Hasen-Party war die Reaktion: Playboy oder was? Aber nein, natürlich waren unsere Sitz- und Flitzhasen gemeint. In einer beispiellosen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Stiftungen, der Bürgerschaft und der Stadt ist es gelungen, die Figuren zu renovieren. Jetzt haben wir wieder den Mittelpunkt unserer Stadt in neuem Glanz. Das war für mich eines der Ziele in diesem Jubiläumsjahr.
Zu Beginn des Jahres war das Stadtbild geprägt von den Plakaten zur Bundestagswahl. Mit David Preisendanz ist erstmals ein Bürger unserer Stadt in das Hohe Haus direkt gewählt worden. Wir werden natürlich genau beobachten, wie sich das für Ostfildern auswirkt, dass wir in einer Regierungsfraktion einen Mitbürger sitzen haben. Und er hat ja übrigens erst letzte Woche einige Zuschussanträge für die Sportmilliarde mitbeschlossen.
Was sich bei dieser Wahl auch gezeigt hat, ist der fortschreitende Trend zur Briefwahl. In wenigen Wochen steht mit der Landtagswahl bereits der nächste wichtige Termin ins Haus. Auch da wird sich die Briefwahl wahrscheinlich stark zeigen. Auch deswegen haben wir ein zusätzliches Wahllokal für die Briefwahl geschaffen. Ohne die anstehende Wahl hätten wir vermutlich im Oktober keinen Besuch der Bundesgesundheitsministerin Warken gehabt. Aber es war beeindruckend, zu sehen, dass in Ostfildern ein Marktführer sitzt, was die Verblisterung angeht. Also das genaue vor-portionieren der Medikamente. Das erleichtert den Pflegekräften die Arbeit ungemein. Und außerdem verringert es die Gefahr, dass die falschen Arzneimittel zur falschen Zeit eingenommen werden. Und das als Familienbetrieb Mache in dritter Generation.
Wir konnten in diesem Jahr weitere Persönlichkeiten aus der Stadt mit der Bürgermedaille auszeichnen. Es waren dabei nicht nur mit Werner Schmidt und Norbert Simianer verdiente ehemalige Gemeinderäte. Sondern mit Pia Balle, Richard Genth und dem Ehepaar Waltraud und Klaus Reichert eben auch Vertreter aus der Bürgerschaft dabei. Beide Abende waren in sich sehr stimmig und dem Anlass angemessen.
Wir haben mit Ihnen eine wie ich finde sehr erfolgreiche Klausur in Speyer gehabt. Sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch waren das besondere zwei Tage. Ich möchte gern auch öffentlich wiederholen, was ich dort am Abend gesagt habe. Es ist eine besondere Stärke Ostfilderns, dass es diesen Zusammenhalt gibt. Nicht nur in den Fraktionen. Sondern auch zwischen nahezu allen Beteiligten. Und nicht zuletzt auch mit und gegenüber der Verwaltung. Wir sind als Stadt auch deswegen so erfolgreich, weil wir diesen „Geist von Speyer“ haben und immer wieder pflegen.
Das war für mich ebenfalls an dem Abend spürbar, als ich mein Dienstjubiläum gemeinsam mit Ihnen feiern durfte. Und ein bisschen habe ich mich angesprochen gefühlt, als ich in der Süddeutschen Zeitung einen Kommentar zur erbärmlichen Lage meiner Partei gelesen habe: „Um die Sprachlosigkeit zwischen Basis und Spitze zu beseitigen, wäre es wichtig, gerade die Pragmatiker aus den Kommunen mehr als bisher zu hören. Nicht grundlos stellt die SPD noch so viele Oberbürgermeister.“ Aber mein Telefon blieb das ganze Jahr über, was das Thema angeht, stumm.
Und eine letzte Selbstbeweihräucherung. Eine aktive Bürgerin unserer Stadt hat mir mal einen Artikel zukommen lassen, den ich gerne kurz erzähle. Eine Frau wartet bei der Sprechstunde des OB und kommt mit einer älteren Dame ins Gespräch. Auf die Frage, warum sie denn da sei, sagt die Dame: „I komm jeden Monat. I hann aber koi Problem. I komm bloß zum loba. Wisste se, wenn so viele Leit mit Probleme kommad, muss ja au oiner komma zum loba.“ Ob Sie es glauben oder nicht. Hin und wieder kommt das Loben tatsächlich vor.
Ich möchte auch in diesem Jahr an die Mitglieder des Gremiums erinnern, die uns 2025 für immer verlassen haben. Ich darf Sie daher bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben. Im Juni verstarben Dr. Rudolf Stadler, der für die Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat war und Gerhard Aichele, der die CDU vertreten hat. Im Juli mussten wir dann Abschied nehmen von Werner Petry, der in der SPD-Fraktion aktiv war. Und ich möchte an dieser Stelle auch an Dr. Volkmar Mair erinnern. Den großen Verleger, der im April verstorben ist. Wir werden alle in ehrender Erinnerung behalten. Vielen Dank.
Landauf, landab lesen und hören wir, dass sich unsere Wirtschaft momentan schwertut. Das macht natürlich auch vor Ostfildern nicht halt. Noch ist die Gewerbesteuer halbwegs stabil. Aber bei uns ja traditionell auf einem viel niedrigeren Niveau als in der Nachbarschaft. Wir merken es eher bei der Vermarktung unseres Gewebegebiets Scharnhausen West. Ich sage es bei vielen Gelegenheiten: es war schon mal einfacher, Gewerbeflächen zu verkaufen. Selbst unsere Top-Lage reicht im Moment dazu nicht aus. Viele, die sich mit dem Gebiet beschäftigen, sind begeistert. Aber schrecken eben vor der Investition zurück. Oft mit dem Zusatz: im Moment…
Umso schöner, dass mit Citizen nicht nur der Spatenstich erfolgt ist, sondern das Gebäude Woche für Woche Fortschritte macht. Vielleicht ist das ja dann ein Impuls für weitere Interessenten aus ihren theoretischen Ideen ganz praktische Projekte werden zu lassen.
Natürlich diskutieren wir angesichts der Haushaltslage viele Dinge noch einmal kritischer. Ich finde es aber eine Stärke, wenn wir der Bürgerschaft mehr geben können als das, was halt nötig ist. Denn genau dadurch wird Ostfildern zu einem Ort, an dem die Menschen so gerne leben. Und in dem sie sich vielfältig ehrenamtlich engagieren. Zum Beispiel im Repair-Café, das dieses Jahr auch schon ein 10-Jahres-Jubläum feiern konnte.
Wir sind zurecht stolz darüber, dass Ostfildern eine soziale Stadt war, ist und bleibt. Auch das hat sich 2025 mal wieder in einigen Punkten gezeigt. Nehmen Sie nur die Kita Blütenzauber, die von der Trägerschaft der katholischen Kirche übergegangen ist auf Invia. Das Stichwort soziale Stadt stimmt genauso für das Einweihungsfest, das wir zusammen mit dem Verein Heimstatt in der Riegelstraße feiern konnten. Dort können nun Menschen wohnen, die auf dem regulären Markt keine Chance hätten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, neben dem Jubiläum der Stadt gab es auch dieses Jahr wieder weitere runde Ereignisse zu feiern. Ich nenne ein paar Beispiele. Seit 15 Jahren gibt es das Café Frida. Ein offener Treffpunkt für Mütter und Väter von Kindern bis zu drei Jahren. Im Scharnhauser Park können sie sich austauschen, beraten lassen oder miteinander vernetzen.
Seit bereits 20 Jahren betreibt die Hallenbad-Initiative das Bad in Kemnat. Im Nachhinein bin ich selber erstaunt, dass ich in meinem ersten Amtsjahr den Mut hatte, diesen Vorschlag dem damaligen Gemeinderat zu unterbreiten. Und dass es in der Bürgerschaft den Mut gab, das Hallenbad zu übernehmen. Das zählt noch mal viel mehr. Denn wir haben ja in Ruit gesehen, dass selbst mit viel Enthusiasmus und Engagement, es keineswegs von selber funktioniert.
Seit 25 Jahren gibt es die Schule im Park. Und den Verein der Schapanesen, die die Entwicklung des Stadtteils konstruktiv begleiten. Ich freue mich, dass sich die Schule im Park ebenso wie die Pfingstweideschule auf den Weg zum Ganztag gemacht haben.
Vor kurzem feierte der Deutsch-Französische Verein 45 Jahre. Die Aussöhnung mit Frankreich gehört sicher zu den herausragenden Leistungen der Nachkriegszeit. Unsere Großväter sind sich auf den Schlachtfeldern begegnet. Wir treffen uns zum Austausch. Lachen, singen und feiern zusammen.
Und der Obst- und Gartenbauverein Ruit konnte sogar auf 100 Jahre zurückblicken. Den Abend hat besonders gemacht, dass ich nach dem Grußwort dann mein VfB-Trikot angezogen habe und wie viele andere auch beim Pokalfinale mitfiebern konnte.
Erlauben Sie mir eine weitere Fußball-Geschichte. In der Vorrunde der WM im nächsten Jahr in den USA, Kanada und Mexiko spielt Deutschland gegen Curacao. Dieses Land hat sich erstmals qualifiziert. Mit knapp 150.000 Einwohnern. Nur mal so zum Vergleich. Das ist, als ob eine Auswahlmannschaft aus Esslingen und Ostfildern zur WM fahren würde. Aber man sieht daran, dass im Leben fast nichts unmöglich ist.
In die Reihe der Jubiläen gehört schließlich auch die 75-Jahres Feier der Firma Julmi.
Wir können stolz darauf sein, dass sich über viele Jahrzehnte immer Menschen gefunden haben, die bereit sind, sich für die gesamte Bevölkerung einzusetzen. Sie ahnen es: ich spreche von unserer freiwilligen Feuerwehr. Aber neben der Wertschätzung geht es immer auch um handfeste Ausstattung. Daher war es gut, dass wir im September auch ein „brandneues“ LF seiner Bestimmung übergeben konnten. Zum Blaulicht-Thema passt es dann auch, dass das THW 2025 ein neues Zuhause gefunden hat. Hell, modern und trotzdem zweckmäßig.
Vor 80 Jahren endete nicht nur der zweite Weltkrieg. Sondern es wurde auch Dietrich Bonhoeffer in den letzten Kriegstagen ermordet. Ich habe es immer als besondere Verantwortung und Verpflichtung empfunden, in einer Stadt zu arbeiten, die eine Bonhoefferstraße und Bonhoeffer-Gemeinde hat. Aus Anlass des Todestags erschienen zahlreiche Artikel. Einer befasste sich mit dem berühmten Text, „von guten Mächten wunderbar geborgen“. Das war ein Anhang an einen Brief an seine Verlobte. Den letzten Brief, den er ihr am 19. Dezember 1944 noch schreiben konnte. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber so oft ich es auch höre, es nutzt sich nicht ab. Im Gegenteil, trägt es eine Unerschütterlichkeit in sich, die mich jedes Mal berührt. Das war so ein Moment, in dem Herz, Kopf und Sprache eins werden, wie er es selber einmal genannt hat. Was mich ebenso beeindruckt. 1939, als er bereits ein sehr gefährdeter Mensch war, wurde ihm in New York eine Stelle angeboten. Er sollte sich um deutsche Flüchtlinge in den USA kümmern. Das hat Bonhoeffer abgelehnt. Die Lage in Deutschland lasse ein Fernbleiben nicht zu. Hoffentlich sind wir nicht bald wieder in so einer historischen Situation. Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, am Freitag, also am 19. Dezember, dieses Lied zu hören und dabei ganz besonders auf den Text zu achten. Der Mut macht. Schwäche zulässt. Und dennoch Zuvertrauen ausstrahlt.
Wir alle blicken weiterhin mit Sorge auf die Lage in der Ukraine. Sowohl militärisch als auch politisch. Im letzten Poltawa-Ausschuss wurde uns berichtet, dass es an manchen Tagen bis zu acht Mal Luftalarm gibt. An einem einzigen Tag. Wie soll da ein Leben möglich sein, das Hoffnung auf die Zukunft macht? Wir hatten dieses Jahr gemeinsam mit Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt über die Volkshochschule ein Projekt „Bridges“, also Brücken. Gerade in dieser Kriegszeit ist es so wichtig, dass wir die Brücken erhalten. Die Kontakte pflegen, wo wir sie haben. Partnerschaft lebt vom Austausch. Ohne die Augen vor den Problemen zu verschließen. Denn die Korruption war und ist ein Thema in der Ukraine. Und die angeblichen Friedenspläne der USA machen mir zumindest gehörig Sorgen.
Durch die russische Bedrohung sind verteidigungspolitische Fragen wieder auf der Tagesordnung. Vielleicht haben Sie schon mal vom Operationsplan Deutschland gehört. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass in einem Ernstfall jede Verwaltungsebene weiß, was zu tun ist. Also auch bei uns in Ostfildern. Weniger, dass wir uns auf unmittelbare Kämpfe einstellen müssten. Aber militärischer Transit in den Osten über die Autobahn oder den Flughafen sind natürlich Optionen. Wir werden 2026 auch dem Gemeinderat einmal den derzeitigen Stand darlegen. Denn wir müssen uns über eines im Klaren sein. Wir leben in Deutschland nicht im Krieg. Aber eben auch nicht mehr im Frieden. Unsere Aufgabe im Operationsplan ist vor allem der Bevölkerungsschutz. Wenn man so will, die zivile Seite eines Krieges. Dazu gehören auch Warn-Sirenen. Wir haben in der Zwischenzeit ein Konzept, wie wir in einem Ernstfall die Bevölkerung in allen Stadtteilen informieren oder warnen können.
Ich habe dieses Jahr ein großes Interview mit dem Verteidigungsminister gelesen. Und Boris Pistorius hat dabei zwei Sätze gesagt, die mich beschäftigt haben. Zum einen: „Wenn ich nicht den Mut und die Kraft habe, eine Entscheidung in dem Bewusstsein zu treffen, dass sie falsch sein kann, dann darf ich keine Verantwortung tragen.“ Das gilt auf allen Ebenen, also in meinen Augen auch für die Kommunalpolitik. Man sagt ja immer, es sei besser, eine Entscheidung zu treffen als keine. Denn keine ist auf jeden Fall falsch.
Gerade weil wir Kommunalpolitik aus und mit Leidenschaft machen, sollten wir vor Augen haben: die Angst davor, Fehler zu machen, schadet uns politisch oft mehr als es politische Fehler tatsächlich tun würden.
Der zweite Satz von Pistorius war: „Politik hat die Verantwortung, nicht das Populäre zu tun, sondern die für richtig erachteten Dinge zu tun und die dann populär zu machen.“ Auch wieder auf uns übersetzt: natürlich trifft nicht jede unserer Entscheidungen auf ungeteilte Begeisterung in der Bevölkerung. Aber wenn man sich dann die Bilanz ansieht, muss man eben doch feststellen, dass der Gemeinderat mit seinen Entscheidungen jeweils recht hatte.
Das liegt sicher auch daran, dass wir Kommunalpolitik nicht in den Kategorien von Gewinnen und Verlieren definieren. Wir empfinden einen Kompromiss nicht als Verrat an den eigenen Werten. Sondern als ein notwendiges demokratisches Instrument.
Und wenn wir jetzt schon bei der besonderen Bedeutung der Kommunalpolitik sind. Das Zusammenspiel zwischen einer hauptberuflichen Verwaltung und dem ehrenamtlichen Gemeinderat funktioniert in Ostfildern. Tag für Tag. Der Journalist Jörg Schonenborn hat Kommunalpolitik sogar als Teil der kritischen Infrastruktur unserer Demokratie benannt. In normalen Zeiten nimmt man sie manchmal gar nicht wahr. Aber in kritischen Zeiten merkt man, wie wichtig sie ist. Und wenn man etwas über unsere Zeit sagen kann, dann ja wohl, dass sie kritisch ist. Wir müssen wachsam sein, dass aus einer polarisierten Gesellschaft keine gespaltene wird. Polarisierung heißt ja erst einmal nur, dass Menschen zu bestimmten Themen sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Da können Konflikte dann schon mal wehtun. Aber immerhin ist man noch im Gespräch, auch wenn es ein Streitgespräch ist. Kommt es aber zur gesellschaftlichen Spaltung, dann ist der Graben so tief, dass es gar keinen Kontakt mehr zwischen den Gruppen gibt. Sondern jeder lebt in seiner Blase, in der dann wieder alle das gleiche denken. Wir sehen die ersten Risse in dieser Richtung in unserem Land. Aber jetzt kommt wieder die Stärke der Kommunalpolitik. Wir finden vor Ort Kompromisse, setzen große Themen wie den Klimaschutz gemeinsam um und erreichen damit eben die gesamte Breite unserer Gesellschaft.
Wir erleben es alle. Das Wetter wird immer extremer. In jeder Hinsicht. Rekord-Hitze. Dürrephasen. Dann wieder Starkregen. Die Klima-Veränderung ist in vollem Gange. Darauf reagieren wir so gut wir können. Mit Klimaschutz, was die Treibhausgase angeht. Aber vor allem mit Klimaanpassung. Sie erinnern sich an die Sommeraktion am Stadthausplatz? Heute würde man einen solchen Platz sicher anders planen. Aber nun ist er eben wie er ist. Und mit der Pop-up Aktion haben wir die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert. Ich gebe zu, dass ich am Anfang nicht ganz überzeugt war. Aber die Bürgerinnen und Bürger haben mich eines Besseren belehrt. Auch der Hochwasserschutz gehört in diese Kategorie. Oder die geplanten Trinkwasserbrunnen in der Stadt.
Das Thema der Bildung und Betreuung ist ja seit Jahren eines, das den Gemeinderat intensiv beschäftigt. Zurecht intensiv beschäftigt. Um dem weiter bestehenden Fachkräftemangel zu begegnen, haben wir mit den Maltesern nach der ersten Probephase nun eine erweiterte und deutlich ausgedehnte Zusammenarbeit beschlossen. Mir ist bewusst, dass das ein anderer Ansatz als in der Vergangenheit ist. Aber die Verlässlichkeit der Betreuung ist neben dem pädagogischen Standard ja auch ein hohes Gut.
Daneben versprechen wir uns vom Projekt „Ofi qualifiziert“, dass wir an der einen oder anderen Stelle zu mehr Personal kommen. Es ist wie so oft: es gibt nicht die eine Lösung. Sondern wir müssen wie bei einem Puzzle viele Teile zusammenfügen, um ein stimmiges Bild zu bekommen.
Fragen der Mobilität sind immer von besonderem Interesse. Klar, jeder von uns ist auf irgendeine Art jeden Tag in der Stadt unterwegs. Deswegen war es gut, dass wir die Verlängerung des Stadttickets beschlossen haben. Mindestens bis 2030 bleibt dieses Angebot bestehen. Auch hier sind die Begriffe Verlässlichkeit und Beständigkeit wichtig. Deswegen freue ich mich auch, dass es gelungen ist, das Deutschland-Ticket zu erhalten. Unsere Mitarbeiterschaft nutzt das Angebot gerne.
An der Digitalisierung des gesamten Lebens kommt niemand vorbei. Wir erledigen vieles auf dem Smartphone. Immer öfter sind dabei auch KI-Assistenten am Start. Da haben wir bei der Stadt sicher noch Luft nach oben. Aber auch wir befassen uns natürlich mit dem Thema. Bei einem Unternehmerabend hat uns Dominik Kuhn, vielen auch als Dodokay bekannt, einige neue Einblicke gegeben. Und unsere neue Homepage ist nun auch schon eine Weile am Start. Sie ist deutlich moderner, bürgerfreundlicher und nicht zuletzt barrierefrei.
Im Bereich des Sports ist Ostfildern sehr gut aufgestellt. Die Sportmilliarde habe ich bereits erwähnt. Aber dieses Jahr stand auch noch mehr an. So konnten wir die Sporthalle in Kemnat zukunftsfähig umbauen. Es ist zwar noch der alte Standort. Aber wenn man ehrlich ist, eine neue Halle. Und der Kunstrasenplatz in Scharnhausen ist ebenfalls fertig geworden. Den werden wir dann im neuen Jahr gebührend einweihen. Auch in der Sportschule gibt es einen neuen Fußball-Platz. Den haben wir nicht bezahlen müssen, aber können ihn uns trotzdem anrechnen.
Ich danke auch in diesem Jahr allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt sehr herzlich für Ihren Einsatz. Es sind keine einfachen Zeiten und deswegen weiß ich das umso mehr zu schätzen. Ich danke natürlich auch meinen beiden Bürgermeisterkollegen Andreas Rommel und Michael Lübke. Wir sind ein hervorragendes Team geworden.
Mein Dank gilt aber vor allem Ihnen, den Damen und Herren des Gemeinderats. Ohne Sie könnten wir nichts ausrichten. Und es macht mich stolz und glücklich, dass es uns so oft gelingt, exzellente Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden. Natürlich kracht es auch mal dazwischen. Ich nehme mich da bekanntlich gar nicht aus. Aber schon beim nächsten Punkt können wir uns wieder in die Augen schauen und weitermachen. Ich möchte auch Ihre jeweiligen Familien und Partnerinnen und Partner in diesen Dank einbeziehen. Denn Kommunalpolitik legt man nicht einfach an der Wohnungstür ab. Im Gegenteil, oftmals beginnt sie da ja erst so richtig.
Deswegen dürfen und können Sie sich jetzt einmal eine Auszeit von allem gönnen. Genießen Sie die Tage über Weihnachten. Sammeln Sie Kraft und neue Gedanken für all das, was 2026 vor uns liegt. Ich bin sicher, es wird auch da nicht langweilig werden. Sondern wir werden weiterhin mit Engagement und Leidenschaft die Themen beraten und entscheiden, die Ostfildern bewegen und vor allem voranbringen.
Traditionell schenken wir Ihnen auch eine Kleinigkeit zu Weihnachten. Dieses Mal ist es eine Flasche Flitz secco in Anspielung auf die Rettung der Sitz- und Flitzhasen. Und Sie bekommen daneben ein Produkt, das mit Rohstoffen aus Ostfildern in Ostfildern hergestellt wurde. Die Protein Destillery in der Parksiedlung ist ein äußerst erfolgreiches und aufregendes Start-up Unternehmen aus unserer Stadt. Aus Rückständen der Bierproduktion werden Rohstoffe destilliert, die dann in veganer Ernährung umgesetzt werden. Diese Mautaschen wurden für das Restaurant vhy bei der Gourmet Kochmanufaktur in Kemnat hergestellt. Wer sich ein bisschen in der Szene auskennt, weiß, dass vhy das Restaurant ist, das der frühere VfB-Torhüter und Meister von 2007 Timo Hildebrandt besitzt. Die Maultaschen sollten Sie in den nächsten zehn Tagen verzehren. Und nur falls nötig: geben Sie sich einen Ruck. Ich bin fast sicher: wenn Sie es nicht wüssten, würden Sie es geschmacklich kaum erkennen.
Schließen möchte ich mit einem Zitat des bekannten Politologen Herfried Münkler: „Gut zu sein, ist unter Umständen deutlich schwieriger, als besser zu sein.“ Schön, dass wir alle zusammen Gutes geleistet haben. Für die Menschen. Für unsere Stadt. In diesem Sinne, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und uns allen einen schönen Abend.