Wo sollen unsere Kinder und Enkel einmal wohnen? Wo finden Betriebe Platz, wo bleiben Felder, Streuobstwiesen und Erholungsräume erhalten? Der Flächennutzungsplan gibt darauf Antworten für die Zeit bis 2040. Im Vorentwurf hat die Stadt mögliche Flächen vorgeschlagen und bei der Auftaktveranstaltung im Juli öffentlich vorgestellt. Viele Bürgerinnen und Bürger, Behörden und Verbände haben seither Anregungen und Bedenken eingebracht. Diese Hinweise werden nun Fläche für Fläche geprüft. Was spricht für eine Fläche, was dagegen? Lässt sich ein Konflikt planerisch lösen, oder ist eine andere Fläche besser geeignet? Ob eine diskutierte Fläche am Ende im Plan steht, ist heute offen. Darüber entscheidet zu gegebener Zeit der Gemeinderat. Eines zeigt sich dabei schon jetzt: Keine Fläche ist frei von Konflikten. Wo heute ein Acker ist, geht jemand spazieren und genießt den Blick ins Grüne. Dass Menschen ihr gewohntes Umfeld schützen möchten, ist verständlich. Gleichzeitig liegt Ostfildern mitten in der Region Stuttgart, einem der gefragtesten Wohn- und Arbeitsorte Deutschlands. Neu: Als Teil der Region Stuttgart trägt Ostfildern Mitverantwortung für die regionale Entwicklung. Gleichzeitig gilt es, bei neuen Bauflächen den Bedarf und den Schutz von Landschaft und Klima miteinander abzuwägen.
„Diskussion ist kein Widerspruch zum Plan, sie gehört dazu“
Ostfilderns Baubürgermeister Michael Lübke über den Stand des Flächennutzungsplans.
Herr Lübke, wie ist die Stadt überhaupt auf die Flächen gekommen, über die jetzt gesprochen wird?
Am Anfang standen zwei Fragen: Wie viel Platz braucht Ostfildern bis 2040, und was ist so wertvoll, dass es geschont werden muss? Das erste haben Fachleute für die Bevölkerungsentwicklung berechnet. Das zweite hat der Landschafts- und Umweltplan (LUP) untersucht, von Böden über Klima bis zu Tieren und Pflanzen. Den Rahmen setzt zudem der Regionalplan. Erst aus all dem ergeben sich die Flächen, die überhaupt in Frage kommen. Gute Anbindung an Bus und Bahn und an bestehende Ortsteile spielen dabei eine große Rolle.
Einzelne Flächen werden kontrovers diskutiert. Gerät damit der ganze Plan ins Wanken?
Nein, im Gegenteil. Genau dafür gibt es diese Phase. Der Flächennutzungsplan ist das Gesamtbild für ganz Ostfildern. Ob eine einzelne Fläche größer, kleiner oder gar nicht kommt, ist Teil der Aushandlung auf dem Weg dorthin. Würde über keine Fläche gestritten, hätten wir vermutlich zu wenig Menschen erreicht.
Woher weiß die Stadt, wie viel Wohnraum künftig gebraucht wird?
Aus Fachgutachten, die Experten für Ostfildern erstellt haben. Bevölkerungsprognosen sind nicht geraten. Aktuell stehen wir vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits gehen viele Menschen in den Ruhestand und nutzen ihren Wohnraum weiterhin, andererseits brauchen wir neue Fachkräfte, die ebenfalls Wohnraum benötigen. Deshalb ist die Schaffung neuer Wohnungen ein wichtiger Baustein für die Zukunft unserer Kommune.
Kritiker sagen, Zuwanderung oder der Wandel in der Autoindustrie hätten die Lage verändert.
Prognosen rechnen deshalb mit mehreren Varianten, wir planen mit der mittleren. Daraus ergibt sich ein Bedarf von rund 1.240 Wohnungen, die nicht im Bestand unterkommen. Wichtig ist: Der Flächennutzungsplan ist ein Angebot. Er hält Flächen bereit, damit die Stadt handeln kann, wenn der Bedarf da ist. Erfahrungsgemäß wird nicht jede Fläche, die im Plan steht, auch entwickelt.
Viele sorgen sich um Klima, Kaltluft und wertvolle Böden. Zu Recht?
Diese Fragen nehmen wir sehr ernst, sie sind von Anfang an Teil der Planung. Der Landschafts- und Umweltplan untersucht Klima, Böden, Arten und Erholung für die ganze Stadt. Bauen heißt nicht, alles zu versiegeln. Man kann Luftbahnen freihalten, Gebäude in Strömungsrichtung stellen, Grünzüge und Dächer begrünen und Regenwasser vor Ort halten. Für sehr viele Konflikte gibt es gute Lösungen, wenn man sie früh mitdenkt. Und wo das nicht reicht, wird eine Fläche kleiner oder entfällt. Auch das ist Abwägung.
Warum nicht einfach nur innen verdichten?
Innen vor außen ist unser Grundsatz, und den setzen wir um. Aber Baulücken und Nachverdichtung allein reichen für den Bedarf nicht. Und verdichten bedeutet ebenfalls Veränderung, nur eben in bestehenden Wohngebieten.
Was bedeutet es, wenn eine Fläche am Ende im Plan steht?
Zunächst einmal: Gebaut wird damit noch nichts. Bevor auf einer Fläche tatsächlich gebaut werden kann, braucht es einen Bebauungsplan, mit eigener Beteiligung und eigenem Beschluss des Gemeinderats. Dort wird dann ganz konkret festgelegt, wie ein Quartier aussieht, wie viel Grün es hat und wie es sich in die Umgebung einfügt.
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Flächennutzungsplanung