Charlotte Reihlen - Pionierin der Bildung und Diakonie

Charlotte Reihlen wurde am 26. März 1805 in Kemnat als Charlotte Mohl geboren. Sie war die Tochter des dortigen Pfarrers Wilhelm Mohl und wuchs ab 1808 in Weissach auf. Schon früh übernahm sie Verantwortung: Mit nur zwölf Jahren musste sie ihre kranke Mutter pflegen und den Haushalt führen.

Das Gemälde zeigt eine Frau mit mittellangem, dunklem Haar, einem weißen Spitzenhäubchen und einer schwarzen Kleidung mit einer weißen Schleife.
© Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart, Alle Rechte vorbehalten

Mit 18 Jahren heiratete Charlotte den Kaufmann Friedrich Reihlen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder, doch die junge Frau litt unter gesundheitlichen Problemen und einer schweren Depression. Einen Wendepunkt erlebte sie in Stuttgart während eines Gottesdienstes bei Pfarrer Christian Adam Dann. Die pietistische Frömmigkeit, die sie dort fand, prägte fortan ihr Leben – auch wenn dies zunächst zu Spannungen in der Ehe führte.

Doch Charlotte Reihlen gab nicht auf. Gemeinsam mit ihrem Mann, der nach einer persönlichen Krise aus Amerika zurückkehrte, setzte sie sich für Bildung und soziale Projekte ein. Sie war maßgeblich an der Gründung des Weidle’schen Töchter-Instituts beteiligt, aus dem später das heutige Evangelische Mörike-Gymnasium in Stuttgart hervorging. Damit öffnete sie Mädchen den Weg zu einer qualifizierten Bildung – eine Pionierleistung in einer Zeit, in der höhere Schulbildung für Mädchen keine Selbstverständlichkeit war.

Darüber hinaus initiierte Charlotte Reihlen die Gründung der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart, die im Juni 1866 ihr erstes Diakonissenhaus einweihte. Auch eine Dienstbotenschule sowie missionarische Vereine gehen auf ihre Initiative zurück.

Weltweite Bekanntheit erlangte die von ihr initiierte Neufassung der Darstellung „Der breite und der schmale Weg“: Auf dem breiten, mit weltlichen Vergnügungen versehenen Weg gelangt man am Ende in die Hölle, während der schmale Weg der Frömmigkeit und Nächstenliebe ins Paradies führt. Als Chromolithografie einfach und günstig in großem Umfang verbreitbar, hing das Bild in jedem pietistischen Haushalt.

Das Bild zeigt eine symbolische Darstellung eines Lebenswegs, der von einem belebten, weltlichen Bereich über eine kurvenreiche Straße in eine friedliche, himmlische Landschaft übergeht, während verschiedene Menschen unterschiedliche Wege und Entscheidungen treffen.
© Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart, Alle Rechte vorbehalten

Charlotte Reihlen starb am 21. Januar 1868 in Stuttgart. Ihr Grab befindet sich auf dem Fangelsbachfriedhof. Mit der Benennung des Charlotte-Reihlen-Wegs wird an eine Frau erinnert, deren Wirken weit über ihre Heimat hinausreichte – als Vorkämpferin für Bildung, soziale Fürsorge und christliche Nächstenliebe. 

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