Einfach, aber wertig gebaut.

Im Ortskern von Kemnat sind zwei Häuser als Unterkunft für Menschen in Wohnungsnot gebaut worden. Das Projekt hat 1,2 Millionen Euro gekostet. 21 Personen können dort unterkommen.

Wie in der gesamten Region sind auch in Ostfildern kostengünstige Wohnungen ein rares Gut, und etliche Menschen mit geringem Einkommen sind von Wohnungsnot betroffen. Um faktische Obdachlosigkeit zu verhindern, ist die Stadt verpflichtet, angemessene Unterkünfte bereitzustellen. Dabei wird auf eine dezentrale Unterbringung in den Stadtteilen geachtet. Am Wetteplatz im Ortskern von Kemnat sind nun nach knapp zweijähriger Bauzeit zwei Wohngebäude als Unterkunft für wohnungslose Menschen fertig geworden. Das rund 1,2 Millionen Euro teure Projekt wurde mit einfacher Ausstattung aber nach zeitgemäßen energetischen Standards errichtet und bietet Wohnraum für maximal 21 Personen. Die Wohnungen sind bereits bezogen.

Nachdem der Gemeinderat vor zwei Jahren grünes Licht für das Vorhaben gegeben hatte, wurden auf einem städtischen Grundstück nach den Plänen des Architekten Jörg Maier zwei dreigeschossige, versetzt stehende Häuser errichtet. Vorgabe war dabei, dass sich die Gebäude in ihrer Form und im Erscheinungsbild in das Ortsbild einfügen sowie mit der geplanten Ortskernsanierung kompatibel sein sollten. Auch in der Farbgebung der Fassaden und mit den sie strukturierenden Schiebeklappläden an den Fenstern ist dies umgesetzt worden. Die städteplanerischen Vorgaben waren auch im Hinblick auf das daneben stehende Gebäude wichtig, das zwar sanierungsbedürftig ist, aber unter Denkmalschutz steht und erhalten werden soll.

Wie Maier bei einer Baustellenbegehung im vergangenen Frühjahr erklärt hatte, war "einfach, aber wertig" zu bauen die Maßgabe für die Errichtung der Unterkunft. So entstanden im vorderen Gebäude, das mit dem Giebel zum Wetteplatz hin steht, pro Geschoss eine Wohneinheit mit jeweils drei Zimmern. Die Zimmer im Erdgeschoss und im Obergeschoss weisen 14 Quadratmeter Fläche auf und können jeweils mit zwei Personen belegt werden. Die Zimmer im Dachgeschoss sind kleiner. Dort soll jeweils nur eine Person wohnen. Insgesamt können in dem Gebäude somit bis zu 15 Menschen untergebracht werden.

Im nach hinten versetzten zweiten Gebäude sind drei Einzimmerwohnungen mit jeweils 24 Quadratmetern Fläche entstanden. Dort können pro Wohnung zwei Personen untergebracht werden. Die beiden Häuser sind mit einem offenen Treppenhaus verbunden. Ein kleiner Innenhof kann als gemeinschaftliche Freifläche genutzt werden. In allen Wohnungen wurden eine Küchenzeile, ein Bad mit Dusche und ein Waschmaschinenanschluss eingebaut. Alle Wohnungen sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Dies bietet den Vorteil, dass die ohnehin nur kleine Wohnfläche nicht zusätzlich durch Heizkörper eingeschränkt wird. Geheizt wird mit einer Gas-Brennwerttherme, die beide Häuser versorgt. Zusätzlich sind auf den Dächern Sonnenkollektoren angebracht, die zur Warmwasserversorgung genutzt werden.

Am Donnerstag vergangener Woche sind die Wohnungen belegt worden und die ersten Bewohner der Unterkunft eingezogen. Die Baubürgermeisterin Monika Bader freute sich, dass - auch angesichts rasant steigender Baukosten - der Finanzrahmen und der Zeitplan "nahezu perfekt" eingehalten wurden. "Wir haben ein sehr gut gelungenes Projekt erfolgreich abgeschlossen und können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein", sagte sie.

 

7. November 2019