Darf der Asylberwerber oder Duldungsinhaber arbeiten oder ein Praktikum absolvieren?

Bei Ausländer/innen, die sich weniger als drei Monate mit einer Duldung, Gestattung oder einem Ankunftsnachweis im Bundesgebiet aufhalten oder bei Ausländer/innen deren Abschiebung unmittelbar bevorsteht, ist grundsätzlich keine Beschäftigung und kein Praktikum möglich.

Die Arbeitserlaubnis ist immer auf der Gestattung oder Duldung vermerkt. Die Aufnahme eines Praktikums ist erst möglich, wenn die Auflage "Beschäftigung nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörde ab (Datum)" auf der Duldung oder Gestattung steht.


Welches Praktikum kommt in Frage?

Es gibt viele verschiedene Arten von Praktika mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen. Ein großer Block umfasst Praktika im Rahmen einer Ausbildung oder im Rahmen eines Studiums. Diese werden in der Regel nicht die richtigen Praktikaformen für  Geflüchtete sein.

 Meistens wird eine der 2 folgenden Varianten zutreffen:

1. Ein Geflüchteter will nach dem Praktikum eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen. Das Praktikum dient dazu, sich nochmals ein besseres Bild von diesem Beruf zu machen.

Praktikum zur Berufsorientierung mit einer Maximaldauer von 3 Monaten

  • Erlaubnis: keine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit, aber eine Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich
  • Voraussetzungen: Dauer längstens drei Monate, Praktikantenvertrag, Motivationsschreiben
  • Vergütung: freiwillig, aber  findet das Praktikum in Vollzeit statt und dauert über 2 Monate, sollte dem Praktikanten zu mindestens eine kleine Vergütung bezahlt werden

2.  Ein Geflüchteter will ein Praktikum zur Feststellung der beruflichen Eignung in Bezug auf eine Zieltätigkeit oder zur Verringerung / Beseitigung von Vermittlungshemmnissen absolvieren.

           Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung  MAG

  • Erlaubnis: stellt keine Erwerbstätigkeit dar; es ist daher keine Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich. Der Praktikant erhält eine Bescheinigung vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur für    Arbeit 
  • Voraussetzungen: Vertrag über die Aktivierungs- bzw. Eingliederungsmaßnahme, ggf. Eingliederungsvereinbarung, in Zweifelsfällen ist eine Nachfrage beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit (BA) wegen der Absprache der Maßnahme mit der BA möglich. Maximaldauer: 6 Wochen!
  • Zuständigkeit: im Landkreis Esslingen der Arbeitgeberservice Esslingen,  Tel: 0800 4555520, Fax: 0711 93930606, Esslingen.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de
  •  Vergütung: freiwillig

Möglichkeiten vor der Aufnahme einer Tätigkeit
  • Ist die Aufnahme einer Tätigkeit oder Arbeit geplant, ist kein zuvor beschriebenes Praktikum möglich. Hier bieten sich eine Hospitation oder eine Probearbeit an.

1. Hospitation

  •  Definition: keine Eingliederung in den Betrieb, Hospitant/Hospitantin darf nicht mitarbeiten, ist "Gast" und schaut zu.
  • Erlaubnis: stellt keine Erwerbstätigkeit dar, keine Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich
  • Voraussetzungen: Hospitationsvertrag, max. 10 Tage
  • Vergütung: freiwillig

2. Probearbeit

  • Jegliche Art der Probearbeit, die nicht unter die zuvor aufgeführten Praktika fällt, bedarf der Arbeitserlaubnis, der Genehmigung der Ausländerbehörde und muss mit dem Mindestlohn vergütet werden.