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Am vergangenen Sonntag wurde im Rathaus in Ruit die Ausstellung „Scharnhauser Park – Fotografische Interpretationen“ des Fotoclubs Lichtbildnergruppe Esslingen eröffnet. 90 Gäste kamen zur Vernissage.

„Eine Ausstellung ist ungewöhnlich an diesem Ort“, sagte Baubürgermeisterin Monika Bader bei der Eröffnung. Und doch habe das Haus eine lange Tradition als Ort der Begegnung mit Kunst, berichtete sie. Ehe die städtische Galerie ins Stadthaus zog, war das Gebäude in der Otto-Vatter-Straße der städtische Musentempel gewesen. Mit dem ambitionierten Fotoprojekt der Lichtbildnergruppe Esslingen wird auf elegante Weise daran angeknüpft.

17 Mitglieder des Fotoclubs zeigen ihre individuelle Sicht auf einen Stadtteil, der als Erfolgsmodell der Stadtentwicklung gilt. 2006 wurde das wegweisende Baukonzept mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Karl-Josef Jansen, Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen und ehemaliger Leiter des Fachbereichs Baurecht und Planung der Stadt, fand gemeinsam mit seiner Frau Dagmar eine außergewöhnliche Leitidee für das Fotoprojekt des Esslinger Fotoclubs, die er im Rahmen seiner Begrüßungsrede erläuterte. Die einzelnen Facetten des jüngsten Ostfilderner Stadtteils sollten durch den etwas anderen Blickwinkel der Clubmitglieder individuell herausgearbeitet werden.

In zahlreichen Einstellungen wird das Gesicht des Scharnhauser Parks gezeigt, mal geometrisch-sachlich, mal verspielt-poetisch, dann wieder verfremdet und abstrakt in schwarz-weiß und Farbe. In unterschiedlichen Fototechniken ist das augenfällig festgehalten, was in den vergangenen 30 Jahren im Scharnhauser Park passiert ist.

Bereits 2019 startete das künstlerische Projekt, das sich wegen Corona bis jetzt hingezogen hat. Aufgrund der Pandemie konnten nicht alle Ideen verwirklicht werden, die den Fotoclubmitgliedern vorschwebten. Die meisten Fotos sind in stimmungsvollem Licht entstanden, in der Dämmerung oder sogar bei Nacht, wie Raimund Beckhs Langzeitbelichtung des Stadthauses. Der Blick richtet sich durch das Weitwinkelobjektiv in den sternenübersäten Nachthimmel. Uwe Keller, Vorsitzender des Fotoclubs, verriet in seiner Rede den Hintergrund der weißen, gebogenen Lichtlinien, die wie Kometenschweife über dem Bild liegen. Es ist die vom Mond beschienene Internationale Raumstation ISS, die 400 Kilometer über dem Stadthaus ihre Bahnen zieht. So wird aus Fotografie Kunst, genau wie in Kellers vielschichtigen Arbeiten, die wie ein Kaleidoskop von sich überlappenden Hausfassaden wirken. Bis zu zwölf Schichten legt Keller im Composing-Verfahren übereinander, um einen surrealen Eindruck entstehen zu lassen.

Die Flitzhasen der Künstlerin Rosalie sind ein auffallendes Motiv, um das man als Fotografin oder Fotograf kaum herum kommt. Es wurde von drei Autoren festgehalten, beispielsweise sehr poetisch im Gegenlicht der untergehenden Sonne von Elke Leiner. Auch die Landschaftstreppe gehört zu den begehrten Bildmotiven. Ute Zimmermann hat zwei Varianten geschaffen, in denen der Blick magisch durch das herbstliche Baumspalier in ein sich verjüngendes Nichts gezogen wird. Dagegen sticht die Schwarzweiß- Aufnahme von Ulrich Möller aufgrund ihrer nüchternen Sachlichkeit förmlich ins Auge: eine leere Kinderrutsche unter grauem Himmel im matschigen Gelände. Als fotografisches Mahnmal hält die Aufnahme die Erinnerung an den Lockdown mit gesperrten Kinderspielplätzen wach.

Zweimal musste die Ausstellung wegen Corona verschoben werden. Die 60-köpfige Lichtbildnergruppe ist umso glücklicher, dass die Präsentation im 80. Jahr ihres Bestehens gezeigt werden kann.

Die Schau mit 120 teils großformatigen Einzelbildern und Serientableaus ist bis Freitag, 3. Dezember, auf drei Etagen im Rathaus Ruit zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Es gelten die aktuellen Regeln zum Infektionsschutz.

12. Oktober 2021