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1.2.2018

Neue Ausstellung „connected“ in der städtischen Galerie

Foto: Drei Besucher bei der Betrachtung des Kabelsalats. Foto: Bubeck

Kabelchaos als Himmelszeichen.
Bis zum 10. April ist in der städtischen Galerie im Stadthaus die Ausstellung „connected“ von Frank Paul Kistner zu sehen. Der Künstler lebt in Stuttgart und Berlin.
Bei diesem Anblick rauft man sich als ordentlicher Handwerker durchaus die Haare: So einen Kabelsalat, solche Verknäuelungen, Klemmen und lose Enden von Strom- und Elektrokabeln darf es doch gar nicht geben.

Hierzulande vielleicht nicht mehr, aber in mehreren Ländern hat der Künstler Frank Paul Kistner das kunstvolle Chaos an den Strommasten gefunden und fotografiert. Die großformatigen Werke präsentiert er seit dem vergangenen Sonntag in der städtischen Galerie.

Frank Paul Kistner hat das kunstvoll verzwirbelte Chaos in sorgfältig komponierten Aufnahmen festgehalten und mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast zu grafisch anmutenden, teilweise fast abstrakt wirkenden Bildern überhöht, „Himmelszeichen“, wie er sie nennt. Man sieht von ganz nah, was sonst weit weg und unerreichbar ist. So entdeckt man im betörenden Fotodruck die subtile, aber unendlich nuancenreiche Farbigkeit der hölzernen Masten und der Leitungen sowie dezente farbige Akzente durch angewehte Folienfetzen.

Die Kabel sind sogar belebt: Was wie impressionistisch hingetupfte Punkte aussieht, sind Pflanzen – als Aufsitzerpflanze muss man schließlich sehen, wo man im Großstadtdschungel bleibt.

Der Leitungswildwuchs nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Kabel“ ist wohl eine Kombination von „offizieller“ Infrastruktur und notgedrungener Improvisationskunst. Beim Versuch, den Kabelsalat zu entwirren, Leitungen zu folgen, Verbindungen zu finden und Netze zu bilden, scheitert man als Betrachter letztlich am Chaos von Verdrehungen, Schleifen und losen Enden. So werden die Knäuel auch zum Sinnbild heutiger Interaktion: Es gibt unendlich viele Verbindungen (wie der Ausstellungstitel „connected“ – verbunden – sagt), aber: „Der direkte Draht einer zielgerichteten Kommunikation ist oft nicht mehr möglich“, resümierte die Galerieleiterin Holle Nann bei der Eröffnung.

Ganz anders als die streng gestalteten Bilder im großen Galerieraum wirken die Fotos in der kleinen Galerie. Wie aus dem Skizzenbuch erzählen sie in intensiven Farben von der Umgebung der Motive in Thailand. So geben sie auch einen kurzen Einblick in den Arbeitsprozess. Frank Paul Kistner hat Film und Fotografie studiert, lehrt Fotografie in Stuttgart und Schwäbisch Gmünd und arbeitet als freiberuflicher Fotograf in Stuttgart und Berlin. 2015 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie berufen.

Und wer sich auf die Suche macht, entdeckt, dass es auch hierzulande mindestens eine bildwürdige Kabelei gibt: Eine Fotografie stammt aus Stuttgart.

Die Ausstellung „connected“ von Frank Paul Kistner ist bis 10. April in der städtischen Galerie im Stadthaus, Scharnhauser Park, Gerhard-Koch-Straße 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Galerie ist dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist geschlossen, Sonderöffnung am Ostermontag, 2. April.

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