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Standort Scharnhauser Park vom 23. November 2015

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Mehr als 300 Menschen sind zur Informationsveranstaltung über die geplanten Flüchtlingsunterkünfte im Scharnhauser Park gekommen. Vertreter von Stadt, Landkreis und der Arbeiterwohlfahrt erläuterten Pläne und Konzepte.

Schon kurz vor dem Beginn der Informationsveranstaltung im Scharnhauser Park waren alle 200 Plätze im Saal im Stadthaus besetzt. 300 Flyer mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema Asyl waren schnell verteilt und rund 130 Besucher ohne Sitzplatz verfolgten die eineinhalbstündige Veranstaltung im Foyer im Stadthaus per Lautsprecher.

Zu Beginn ging Oberbürgermeister Christof Bolay auf grundsätzliche Fragestellungen ein, die ihn in den vergangen Tagen und Wochen per Mail, Telefon oder auch persönlichen Kontakt erreicht hatten. Der Standort am Holzheizkraftwerk sei nach der Prüfung durch die Stadt und den Landkreis der beste Standort, gemessen an den Kriterien, die für alle möglichen Standorte in den Stadtteilen zu Grunde gelegt werden. Dabei geht es vor allem darum, ob das Grundstück für die Stadt verfügbar ist, ob es nach dem Baurecht zulässig ist, dort eine Flüchtlingsunterkunft zu errichten und wie viel es kostet, das Grundstück an die Infrastruktur wie Wasser, Abwasser und Strom anzuschließen. Auch die Fragen des Brandschutzes sind beim Standort am Holzheizkraftwerk geklärt: „Durch das Heizkraftwerk geht für die Unterkunft keine andere Gefährdung aus als für die Reihenhäuser“, sagte der Oberbürgermeister. Er machte aber auch klar, dass mit der Unterkunft „kein Einstieg in eine Wohnbebauung dort“ geschaffen werden soll, sondern dass es sich um eine etwa acht bis zehn Jahre befristete Unterkunft handele.

Thomas Eberhard, der Leiter des Dezernats für Infrastruktur beim Landratsamt, erläuterte den Besuchern die Pläne des Standorts am Holzheizkraftwerk. Dabei handelt es sich um Entwurfsplanungen handelt, die im Einzelnen noch konkretisiert werden müssen, ebenso wie die Grundrisse der einzelnen Unterkünfte und deren Bauweise. Zu Demonstrationszwecken hatte der Dezernatsleiter Abbildungen von Unterkünften in Holzbauweise an die Wand projiziert, wie sie bereits in Hochdorf gebaut wurden. „Solch eine Bauweise könnten wir uns auch am Heizkraftwerk vorstellen“, sagte der Dezernatsleiter. Dort sollen bis zu 99 Flüchtlinge frühestens im dritten Quartal 2016 Platz finden. Eberhard dankte der Stadt für die kommunale Unterstützung. „Ohne diese könnten wir die riesige Herausforderung nicht schultern.“ Der Landkreis habe inzwischen „immense Kapazitätsprobleme“ bei der Unterbringung von Flüchtlingen, weswegen der Dezernatsleiter froh ist, mit der Blumenhalle für vier Monate lang eine weitere Notunterkunft gefunden zu haben. Die leer stehende Halle war dem Landkreis aus der Bürgerschaft benannt worden. Mit nur wenigen Umbauten soll die Halle als Provisorium bis März kommenden Jahres dienen, bevor sie dann abgerissen wird.

 

 

 

 

Bei den Link öffnet neues FensterPlänen zu einer Unterkunft (pdf / 1,9 MB) am Holzheizkraftwerk ist der Standort vorgestellt worden. Mit einer Unterkunft in Holzbauweise, wie sie inzwischen in Hochdorf errichtet worden ist, haben Vertreter des Landratsamts einen Entwurf gezeigt, wie die Gemeinschaftsunterkunft im Scharnhauser Park aussehen könnte. 

Rudi Nehrke vom Amt für Flüchtlingshilfe im Landkreis erläuterte die inzwischen prekäre Situation. Seit Oktober muss der Kreis pro Monat etwa 1.100 Flüchtlinge aus den Erstaufnahmestellen des Landes unterbringen, pro Woche etwa 270 bis 280 Menschen. „Ob das so bleiben wird, wissen wir nicht“, sagte Nehrke. Es gebe für den Landkreis keine Möglichkeit, diese Zahl zu unterschreiten. Etwa 40 Prozent der zugewiesenen Flüchtlinge kommen aus Syrien, des Weiteren aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran und aus Zentralafrika. „Wir sind bemüht, in den Unterkünften eine möglichst homogene Gruppe zusammenzubringen“, erläuterte Nehrke, dessen Amt auch für die Betreuung der Unterkünfte zuständig ist.Ofi15_KW48_Buergerinformation_Fluechtlinge_Scharnhauser_Park1_Foto_Andrea_Wangner

Julie Hoffmann, die Leiterin der sozialen Dienste bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Landkreis erläuterte das Konzept, mit dem die Flüchtlinge betreut werden. „Wir sind täglich vor Ort und leisten Sozialbetreuung“, sagte Hoffmann. Zu den Hauptaufgaben zähle, das Asylverfahren der Menschen zu begleiten, bei Krankheit zu vermitteln und die Vernetzung der verschiedenen Hilfsangebote voranzutreiben. „Wir haben hier einen sehr starken Freundeskreis Asyl, auf dessen Hilfe wir zählen können“, sagte Julie Hoffmann.

Im Anschluss an die Vorstellung konnten Besucher Fragen stellen und auch ihre Statements vertreten. Der Bogen spannte sich dabei von ganz praktischen Fragen, wo warme Wintersachen abgegeben werden können, über Detailinformationen zu den beiden Standorten im Scharnhauser Park bis hin auch zu bundespolitischen Fragestellungen, wie die Zuwanderung künftig begrenzt werden könnte. Ein Anteil der Wortmeldungen bezog sich auf ein Gefühl der Unsicherheit und Angst, das die Besucher im Blick auf die fremden Menschen äußerten. „Diese Ängste können wir nicht einfach wegwischen“, sagte der Oberbürgermeister. Getrud Binder vom Freundeskreis Asyl gab einen Hinweis, wie diesen Ängsten begegnet werden kann: „Gehen Sie zu den Menschen und lernen Sie sie kennen.“ Sie selbst engagiert sich mittlerweile in der Flüchtlingshilfe, lerne höfliche Menschen kennen und bewege sich selbstverständlich sicher in der Flüchtlingsunterkunft. Inzwischen ist ihr Engagement dort sehr vielfältig: „Ich habe gar keine Zeit mehr, Angst zu haben.“

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Gutes Beispiel: Der Landkreis könnte sich für die Unterkunft am Holzheizkraftwerk ein Gebäude in Holzbauweise vorstellen, wie es schon in Hochdorf errichtet worden ist. Foto: Landratsamt Esslingen

   

 

Bei den Link öffnet neues FensterPlänen zur Notunterkunft (pdf / 3,3 MB) in der Blumenhalle haben Vertreter des Landratsamts nochmals den Standort gezeigt und mit dem Grundriss einen Eindruck vermittelt, wie die Blumenhalle mit wenigen Umbauten vorübergehend als Notunterkunft für Flüchtlinge hergerichtet werden kann.