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Stadtgeschichte

Die Filder sind eine Hochebene zwischen Neckar und Schönbuch. Ihre Landschaft wird geprägt durch weite Fluren, kleine Waldstückchen und das Körschtal, das sich seinen Weg zum Neckar gegraben hat.

Der Boden der Filder besteht aus mittelschweren Lößlehmen auf einer Schwarzjura-Unterlage. Er gehört zu den besten des Landes. Kein Wunder also, dass hier die Landwirtschaft seit alters her einen dominierenden Stellenwert hatte. Die Filder bedeuten nichts anderes als "die Felder", welche die Gegend prägten.

Wie lange bereits Siedlungen auf der Markung der Stadt Ostfildern existierten, wissen wir nicht genau. Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Orte stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.  Als erstes wurde im Jahr 1120 Nellingen erwähnt, dessen Name auf den alemannischen Personennamen "Nallo" zurückzuführen ist. 1173 folgte Ruit, das damals als "Rutte" genannt wurde. Der Name deutet vermutlich auf "gerodetes Land" hin. Eine andere Theorie leitet Ruit von "Ried" ab, das für "nasse Wiesen" steht. Kemnat tauchte urkundlich im Jahr 1229 auf. Der Ortsname kommt vom Begriff "Kemenate". Scharnhausen schließlich wurde 1242 erstmals als "Husen" genannt. Der Name leitet sich von einem Ritter Walther, genannt Scharre von Husen, ab. 

Die Nellinger PropsteiDie Propstei Nellingen, ein Verwaltungssitz des Klosters St. Blasien, dominierte das Dorf und die umliegenden Gemeinden zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert. Die Schutzvogtei über die Propstei stand den Württembergern zu. Diese enge Verbindung mit dem aufstrebenden Adelsgeschlecht hatte im Städtekrieg verheerende Auswirkungen auf Nellingen und Kemnat: Beide Dörfer wurden im Jahr 1449 von der Reichsstadt Esslingen zerstört. Ruit erlitt 1519 das gleiche Schicksal, während in Scharnhausen im Jahr 1590 ein ziviler Brand großen Schaden anrichtete.

Nellingen hatte durch die Propstei überörtliche Bedeutung inne - was nicht heißt, dass Kemnat, Ruit und Scharnhausen gänzlich unbedeutende Dörfer gewesen wären. Kemnat etwa, dessen Ortsname sich vom mittelhochdeutschen Wort "kemenate" herleitet und möglicherweise auf eine Burg des Ortsadels hinweist, verwaltete auch den Weiler Stockhausen, ein ehemals "stattlicher Flecken" im Körschtal, zu dem sogar die Kirche von Neuhausen eingepfarrt war. Heute erinnert die Stockhäuser Mühle aus dem Jahr 1555 den Spaziergänger an die Vergangenheit.

Rathaus ScharnhausenWenn auch die alte dörfliche Struktur in den Stadtteilen Ostfilderns heute auf den ersten Blick kaum mehr das Ortsbild prägen, so verweisen doch etliche Baudenkmäler auf die Geschichte: In Scharnhausen etwa das Rathaus aus dem Jahr 1596, in Ruit zum Beispiel der Hirschbogen mit seinem Staffelgiebel oder das alte Pfarrhaus, das auf das Jahr 1608 datiert wird. Aus Kemnat ist  das alte Rathaus aus dem Jahr 1579 zu erwähnen, das heute als Bürgerhaus dient. Nicht weit davon entfernt, an der Heumadener Straße, findet der Geschichtsinteressierte die Gebäude des einstigen Schafhofs der Herrschaft Württemberg, der bereits im 15. Jahrhundert belegt ist und bis 1824 existierte.

1784 ließ der württembergische Herzog Carl Eugen im Körschtal bei Scharnhausens ein frühklassizistisches Schlösschen mit markantem Säulenportikus erbauen. Die Gartenanlagen wurden zu Beginn des 19. Jh. zum Königlichen Privatgestüt Scharnhausen - dem Scharnhauser Park - erweitert.

Landwirtschaft und Kleinhandwerk prägten das Leben auf den östlichen Fildern auch noch im 19. Jahrhundert. Fabriken siedelten sich damals hier nicht an: Die Hochebene bot weder Wasserkraft in ausreichendem Umfang noch eine befriedigende Verkehrserschließung.

Das Neckartal um Esslingen und die nahe Stadt Stuttgart jedoch konnten diese Standortvorteile vorweisen. Hier fand Mitte des 19. Jahrhunderts eine rasante Industrialisierung statt. Für Nellingen, Kemnat, Ruit und Scharnhausen hatte dies begehrte Arbeitsplätze zur Folge - allerdings in einiger Entfernung. So machten sich viele Arbeiter jeden Tag zu Fuß auf den langen Weg zu den Fabriken und Baubetrieben in Esslingen und Stuttgart. Die ehemaligen Bauerndörfer entwickelten sich mehr und mehr zu Arbeiterwohngemeinden.

1926 konnten die Nellinger mit der neu erbauten Straßenbahn Esslingen-Nellingen-Denkendorf zur Arbeit fahren, ein Komfort, den drei Jahre später auch die Scharnhäuser Bürger genießen konnten. Die ungewöhnliche Überlandstraßenbahn versprach damals eine erholsame Reise durch die verträumte Welt der Filder, "weitab vom Großstadtlärm".

In den 1960er- und 1970er-Jahren änderte sich dieses Bild: Die Verkehrserschließung der 1930er-Jahre mit Autobahn und Flughafen, die Lage mitten im Ballungsgebiet Stuttgart sowie die weitgehend ebene Landschaft machten die Filder zur ersten Wahl bei der Suche nach zukunftsträchtigen Gewerbegebieten. Zahlreiche Betriebe siedelten sich hier an. Die Filder wurden zur prosperierenden Region.

Das starke Bevölkerungswachstum der Stadt seit dem Ende des 2. Weltkriegs von 10.000 auf mittlerweile 37.500 Einwohner ist nicht nur auf den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen zurückzuführen, sondern auch auf den Siedlungsdruck als Reaktion auf den wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit. Die in den 1950er- und 1960er-Jahren erbaute Parksiedlung zwischen Nellingen und Ruit dokumentiert diese Wachstumsphase. Der Scharnhauser Park sorgt seit 1996 für weiteren Bevölkerungszuwachs.

Auch im Erscheinungsbild der heutigen Stadtteile Ostfilderns hat sich viel geändert: Es entstand eine moderne Infrastruktur mit einem breiten Schulangebot, Kindergärten, Festhallen, Sportstätten und zwei Hallenbädern. Die ehemaligen Dörfer haben sich in attraktive Gemeinwesen verwandelt. Nach dem Zusammenschluss von Kemnat, Nellingen, Ruit und Scharnhausen zu Ostfildern im Jahr 1975 haben die Stadtteile vielerorts städtisches Gepräge erhalten. 1976 schließlich wurde Ostfildern zur Großen Kreisstadt erhoben.