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Jörg Riedel


Mitglied seit: 04.07.2011
Wohnort: Ostfildern Nellingen


geschrieben: 24.05.2013 16:00 Uhr
Betreff: Stadterneuerung in den Hindenburgstraße Nellingen


Die Titelseite der „Stadrundschau“ Nr. 21 hat mich aufgeschreckt. Da wird doch in einem Untersuchungsbericht zur Stadterneuerung, der dem Gemeinderat vorgestellt wurde, tatsächlich behauptet, daß „zu große Straßenbäume“ die „Aufenthaltsqualität“ der Hindenburgstraße in Nellingen beeinträchtigen. Ich empfehle dem Gemeinderat und den Verfassern des Berichts, an einem sonnigen Hochsommertag die Hindenburgstraße aufzusuchen. Dann merken sie, daß die schattenspendenden Bäume das einzige sind, was einem den Aufenthalt dort erträglich macht. Und sie sollten sich einmal kundig machen, welche Bedeutung für das Kleinklima und die Luftqualität in einer verkehrsreichen Straße große Bäume haben. Und eine Besonderheit der Hindenburgstraße sollte nicht außer Acht gelassen werden. Sie ist eine Aneinanderreihung architektonischer Scheußlichkeiten oder Belanglosigkeiten, und es sind die großen Stadtbäume, die diese mit ihrem Laubwerk zumindest teilweise gnädig verhüllen.
Ich werde den Verdacht nicht los, daß es hier nicht um die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Hindenburgstraße geht, sondern um Kostenreduzierung. Kleinere Bäume machen weniger Laub und benötigen weniger Pflege. Aus dem gleichen Grund werden in Nellingen immer mehr Vorgärten zugepflastert oder –besonders hübsch – zugeschottert.



Gabriele Knappe


Mitglied seit: 24.10.2014
Wohnort: Ostfildern


geschrieben: 27.10.2014 15:03 Uhr
Betreff: Re: Stadterneuerung in den Hindenburgstraße Nellingen


Auch wenn der originäre Beitrag bereits über 1 Jahr alt
ist, würde ich das Thema gerne aufgreifen und meine Fragen
bzw.Gedanken dazu äußern.

Ich selber wohne seit knapp 18 Jahren in Nellingen, kann
mich also gut an die "Anfangszeiten" erinnern und traue mir
somit einen Vergleich zu heute zu.

Dass sich eine Stadt ändert, ja, verändern muss, um
attraktiv zu bleiben, ist unbestritten, doch sind die
Änderungen, die wir heute antreffen, wirklich zum größten
Teil positiver Natur, eine regelrechte Bereicherung der Gemeinde? Das finale Fragezeichen am Satzende erlaube ich
mir auch für mich selber in Anspruch zu nehmen. Dies würde
ich lediglich an einigen exemplarischen Beispielen
festmachen:

- Nellingen kann sage und schreibe 6 Bäckereien beherbergen,
aber mit Ausnahme eines Supermarktes und einen Bio-Ladens (Erdi) muss man auf den Scharnhauser Park mit seinen
weiteren Supermärkten ausweichen.

- Zwei Billig-Discounter strotzen vor Zulauf, aber Tra-
ditionsgeschäfte schließen.

- Leerstehende Räumlichkeiten (z.B. das ehemalige Haus, das erst einen Nanz-Supermarkt und dann "Schlecker"
beherbergte) implizieren keinen attraktiven Standort, sondern suggerieren ein Aussterben und regelrechtes
Brachliegen auf Raten.

- Fährt man aus der Richtung Zollberg/Berkheim nach
Nellingen, erinnert nichts an die Einfahrt in eine Stadt,
vielmehr erscheint es als eine Durchfahrtsstraße, die man
möglichst schnell passieren möchte.

- Grünflächen werden langsam Mangelware, Hausungetüme, wie z.B. ab dem Nussweg aufwärts, dominieren das Stadtbild.


Neben diesen Dingen fallen "Kleinigkeiten" auf,

- wie das nach wie vor bestehende Problem der
Müllbeseitigung (das beste Beispiele dürfte nach wie vor die Endhaltestelle der Stadtbahn sein)

- die nicht ausreichenden Parkplätze (das Parkhaus bei der
Feuerwehr dürfte nach wie vor besonders Ortsunkundigen
fremd sein und Ortskundige werden wegen der Lage und dem
Obolus nach wie vor einen Bogen darum machen)

- mangelnde Angebote für Jugendliche (mit ein Grund dafür,
dass man des Nächtens lautstarke mehr oder weniger alkoho-
lisierte Jugendliche auf den Spielplätzen, an der Halle bzw.
vor dem Rewe-Supermarkt antrifft bzw. hört)

- mit Ausnahme der VHS keine ernstzunehmenden kulturellen
und intellektuellen Angebote (Comedy,- u. Schülertheater
bzw. Radrundfahrten mit dem OB dürften klientelbezogen
sein).



Ich möchte nicht missverstanden und als krakelende
"Besserwisserin" verstanden werden, mir geht es wirklich
um die Stadt, ihr Innenleben und die Außenwirkung. Meiner
Ansicht nach hat Nellingen genug Potenzial, um sich wie
vor Jahren von den anderen Stadtteilen positiv abzusetzen und den städtischen Charme durch Bodenständigkeit heimelig
zu gestalten. Doch in den letzten Jahren wurde meines
Erachens nach zu wenig getan, um diesen Charakter zu
erhalten und im selbigen Sinne zu modernisieren. Wir ernten
nun eigentlich, was lange gesät wurde, könnte man sagen.


Nellingen ist nicht liebloser geworden, hat aber seinen
Wert und sein individuelles Gesicht für mich verloren. Es
ist eine Stadt, die fast schon am Städtesterben vorbeischrammt und während sich der politische Blick even-
tuell etwas zu oft (?) gen Ruit, Scharnhauser Park&Co.
richtet, bleibt Nellingen...zurück?

Nellingen quo vadis, möchte fragen.








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