Logo

http://www.ostfildern.de//Sol+LeWitt+_+Monumentalplastik+_Four_Part+Piece_-p-723.html

Sol LeWitt - Monumentalplastik "Four-Part Piece"

Monumentale Freiluft-Installation aus verputztem Betonziegelmauerwerk in vier Teilen, konzipiert 1991 von Sol LeWitt (1928-2007), errichtet 1992.

Im Rahmen des internationalen Skulpturenprojekts „Platzverführungen“ der Kulturregion Stuttgart im Jahr 1992 konnte die Stadt Ostfildern den New Yorker Minimal- und Konzept-Künstler Sol LeWitt für ein Kunst-Projekt im öffentlichen Raum engagieren.

Sol le Witt in Ostfildern

Sol LeWitt mit den Modellen, Foto: Ellen Bailly


Der Künstler konzipierte die monumentale Freiluft-Installation „Four-Part Piece“, die an vier vom Künstler selbst ausgewählten Standorten in Ostfildern errichtet wurde. An den Hauptverbindungsstraßen zwischen den Stadtteilen gelegen, vermitteln die vier Teile so ortsspezifisch als Transitpunkte zwischen den vier Gründungsdörfern der 1975 neu entstandenen Stadt Ostfildern.

Sol le Witt, ´Four part piece´, Ansicht

"Four-Part Piece 1: 5 Metre Square Wall" in Kemnat, Foto: Klaus Kinold

Das vierteilige Werk entwickelt sich fortschreitend aus dem Grundmodul einer gemauerten Wandscheibe von 500 x 500 x 50 cm. Den Anfangspunkt bildet somit „Four-Part Piece 1: 5 Metre Square Wall” in Kemnat. Durch das Hinzufügen  jeder weiteren in den Maßen identischen Wandscheibe  an das Ende der vorangestellten, jeweils mit einem Abstand von 10 cm voneinander und um 90° zueinander versetzt, ordnet sich so auf einer quadratischen Grundfläche schrittweise eine Struktur an, die ein würfelförmiges Volumen umschließt. Da sich die einzelnen Wandscheiben nicht berühren, bleibt der Struktur trotz monumentaler Ausmaße ein durchlässiger Charakter erhalten, die 10 cm breiten Abstände ermöglichen Durchblicke und Sichtachsen.  “Four-Part Piece 2: 2 Walls 5 Metre Square, perpendicular at the Corners” mit zwei über Eck gestellten Wandscheiben befindet sich in Scharnhausen, das aus drei Wandscheiben zusammengesetzte “Four-Part Piece 3: 2 Walls perpendicular to one at two Corners” in Ruit. “Four-Part Piece 4: 4 Walls forming a Square” in Nellingen grenzt durch die nunmehr vier Wandscheiben einen nach oben hin offenen Raum ein, der ein Innen und Außen schafft. Dieser durch die schmalen Abstände für den Menschen nicht begehbare aber durch die Einblicke erfassbare Innenraum kündigt sich in den anderen Teilen bereits an und erweitert das Werk um eine zeitliche, in der Sukzession nachverfolgbare, Dimension.

In seiner Konzeption als logisch nachvollziehbares Modul-System steht „Four Part Piece“ somit beispielhaft für das künstlerische Schaffen Sol LeWitts, bei dem in sich autonome Teile nach festgelegten Regeln in einer mathematisch ermittelbaren Summe von Möglichkeiten miteinander kombiniert werden und immer wieder andere Variationen entstehen lassen. Die höhere Bedeutung misst der Künstler dabei nicht der konkreten Ausführung, sondern der zugrundeliegenden Idee bei. Die monumentale Ausführung als Freiluft-Installation im öffentlichen Raum überträgt diesen künstlerischen Ansatz in Architektur.

„Die interessanteste Eigenschaft des Kubus ist, dass er relativ uninteressant ist. Im Vergleich zu anderen dreidimensionalen Formen fehlt ihm jegliche aggressive Kraft, er impliziert keine Bewegung, er ist die unemotionalste aller Formen. Er ist daher die Form, die sich am besten als Basiseinheit für kompliziertere Funktionen eignet, als grammatisches Hilfsmittel, von dem die Arbeit ausgehen kann. Weil er ein universell anerkannter Standard ist, wird vom Betrachter keine Intention verlangt. Man versteht sofort, dass der Würfel einen Würfel darstellt, eine geometrische Figur, die unbezweifelbar sie selbst ist. Durch die Verwendung des Würfels vermeidet man die Notwendigkeit, eine andere Form zu erfinden, und behält sich seine Verwendung für die Erfindung vor.“

Aus: Sol LeWitt „Der Kubus“ 1966


Sol le Witt, ´Four part piece´, Modelle

Die Modelle zu "Four-Part Piece", Foto: Gisela Burgfeld

Sol LeWitt hat als  Standorte bewußt die Hauptverbindungsstraßen zwischen den Stadtteilen, den ursprünglichen vier Gründungsdörfern der 1975 neu entstandenen Stadt Ostfildern gewählt:

Four-Part Piece 1: 5 Metre Square Wall: Plieninger/Reutlinger Straße (zwischen Scharnhausen und Kemnat)

Four-Part Piece 2: 2 Walls 5 Metre Square, perpendicular at the Corners: Scharnhauser Straße (zwischen Ruit und Scharnhausen)

Four-Part Piece 3: 2 Walls perpendicular to one at two Corners: Stuttgarter Straße/Möhringer Weg (zwischen Heumaden und Ruit)

Four-Part Piece 4: 4 Walls forming a Square: Rinnenbach-/Kreuzbrunnenstraße (zwischen Ruit und Nellingen)


Sol LeWitt
Sol LeWitt definierte seine Kunst im Gegensatz zur optisch orientierten „Wahrnehmungskunst“ als „begrifflich“, da sie für den Betrachter vornehmlich in geistiger Hinsicht interessant sei. Hierbei steht die Idee, das Konzept eines Werkes im Vordergrund. Durch seine Werke, die mehrfach im Museum of Modern Art in New York und auch bei der documenta 4 bis 7 in Kassel ausgestellt waren, fand der Künstler weltweite Anerkennung.