Amortempel, Scharnhausen

In der Verlängerung der Wagenmannsteige oder - von der Kastanienalle im Scharnhauser Park kommend - nach dem Hohlweg links findet man einen kleinen, antikisierenden Tempel, der heute "Amortempel" genannt wird.
Herzog Carl Eugen ließ ihn 1788 errichten. Das luftige Bauwerk diente ursprünglich als eine Art Gartenlaube. 1818 jedenfalls war es mit einem zusammenklappbaren Tisch aus Tannenholz sowie einem Gartenkanapee samt Lederpolster möbliert.
Der Standort des Tempelchens befand sich zunächst weiter unten auf der anderen Seite des Schlösschens im Bereich der heutigen Stallungen. 1822 wurde es mit Rücksicht auf den expandierenden Gestütsbetrieb dort abgebrochen und am heutigen Standort wieder aufgebaut. Entsprechend seiner zwölf ionischen Säulen wurde der Amortempel mit zwölf Kastanienbäumen umpflanzt.
Zwischenzeitlich im Besitz der Stadt Ostfildern, wurde das denkmalgeschützte Amortempelchen 1984 und 2002 renoviert. Es ist damals wie heute ein beliebtes Ziel von Spaziergängern.
Ein Englischer Garten in Scharnhausen
Rund um das Schlösschen legten Herzog Carl Eugen und seine spätere Ehefrau Franziska von Hohenheim ab 1784 einen kleinen Englischen Garten an. In hügeligem, teils bewaldetem Gelände inszenierte man eine Landschaft mit geschwungenen Wegen und romantischen Wasserläufen. Da gab es außer dem Tempelchen auch ein „Rindenhäuschen“, eine Grotte und ein „Mooshäuschen“ sowie einen Brunnen, dessen Wasser aus einer alten Eiche floss. Der Höfelbach speiste zwei malerische Teiche mit begehbarer Insel. Sogar eine künstliche Ruine ließ der Herzog errichten, in deren Innerem ein Billardsaal eingerichtet war!
Inspiriert waren Schlösschen und Landschaftsgarten vom Wörlitzer Park bei Dessau. Die schlichte, vernünftige Architektur des Klassizismus löste die höfische Verspieltheit des Rokoko ab. Herzog Carl Eugen war in seinen älteren Jahren ein anderer Mensch geworden: Hatte er sich in den ersten drei Jahrzehnten seiner Herrschaft durch Verschwendungssucht und barocke Prachtentfaltung hervorgetan, so lebte er seit 1778 weit bescheidener und in relativer Zurückgezogenheit an der Seite der Franziska von Hohenheim. Das „Scharnhauser Schlössle“ und seine Gartenanlagen waren Ausdruck dieser neuen Bescheidenheit.
