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30.5.2018

Reparieren statt wegwerfen

Foto: Kaputte Geräte sind im Reparaturcafé in guten Händen. Foto: Dannath

Statistisch produziert jeder im Land jährlich rund 141 Kilogramm Restmüll. Die Stadt zahlt jährlich 50.000 Euro für die Müllentsorgung. Das Reparaturcafé hilft, den Müllberg zu verkleinern.
Es herrscht ein mäßiger Andrang am Tisch am Eingang des Reparaturcafés im Treffpunkt Parksiedlung. Laufzettel und Einwilligungen werden ausgefüllt, die ehrenamtlichen Reparateure nehmen ihre „Schäfchen“ unter ihre Fittiche und gehen zu ihren gut ausgeleuchteten Arbeitsplätzen an der Fensterfront.

Unter den Sorgenkindern sind an diesem Tag unter anderem zwei Haartrockner, ein CD-Abspielgerät, ein Diaprojektor, ein Stabmixer und die mechanische Schreibmaschine eines älteren Herren, der früher in Ostfildern gewohnt hat und der mit seinem Rollator extra aus dem Stuttgarter Augustinum mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist.

Manfred Braum, der das Reparaturcafé zusammen mit Ulrich Höschle, Jörg Riedel, Anna Majewski und Marion Wild aus der Taufe gehoben hat, betitelt die Hauptklientel als „50 plus“. „Das sind Leute aus einer Generation, die ihre Geräte so lange benutzen, bis es nicht mehr geht. Denen tut es einfach weh, etwas wegzuwerfen.“

Repariert werden die Dinge unter der Prämisse, Handwerksbetrieben keine Konkurrenz machen zu wollen. Tragbare Elektrogeräte wie Bügeleisen, Nähmaschinen oder alte Radios, Kleinmöbel oder auch Spielzeuge stehen auf der Agenda. „Die Idee war, etwas auf die Beine zu stellen, um den Müllberg etwas abzutragen“, sagt Ulrich Höschle, der damit bei der Stadtverwaltung offene Türen einrannte. Die Stadt stellt die Räume zu Verfügung und trägt die Nebenkosten. Über Zuschüsse der Bürgerstiftung, der Altenhilfe und des Landes lief die Anschubfinanzierung, mit der unter anderem eine Grundausstattung an Werkzeugen angeschafft wurde. Auch die rechtliche Seite musste geklärt werden. „Wir können nur eine beschränkte Haftung übernehmen“, erklärt Braum. Elektronische Geräte müssen nach der Reparatur auch zwingend VDE-geprüft werden. „Wegen der Sicherheit“, sagt Braum. Die mittlerweile 15 Reparateure kommen meist vom Fach. „Viele von ihnen tüfteln aus Leidenschaft“, weiß Braum. Repariert wird gegen eine Spende, eventuelle Kosten für Ersatzteile müssen die Auftraggeber übernehmen.

Die Erfolgsquote des Reparaturcafés kann sich sehen lassen: Insgesamt wurden im ersten Jahr 179 Reparaturaufträge, darunter 129 Elektrogeräte, angenommen. 97 Aufträge wurden erfolgreich abgeschlossen. „Das entspricht einer Quote von 54 Prozent, über die Hälfte der Dinge konnte repariert werden und es wurde verhindert, dass sie in der Mülltonne landen“, sagt Braum. Fast 70 Prozent der Klientel war weiblich, 80 Prozent der Leute kamen aus Ostfildern, knapp 20 Prozent aus den umliegenden Kommunen. „Ich bin sicher, dass sich das Reparaturcafé auf lange Zeit halten wird. Das erste Jahr hat gezeigt, dass der Bedarf da ist“, ist sich Höschle sicher.

Bestätigung erfährt er von einer älteren Dame, die den Treffpunkt mit ihrem reparierten Wasserkocher wieder verlässt. „Ich hätte sonst niemanden, der mir das richtet. Ich bin sehr froh, dass es so ein Angebot gibt.“ Und auch der ältere Herr mit Schreibmaschine haut wieder fröhlich in die Tasten. „Ist doch noch viel zu gut, um sie wegzuschmeißen,“ murmelt er.

Das Reparaturcafé findet an jedem dritten Donnerstag im Monat von 18 bis 21 Uhr im Treffpunkt Parksiedlung, Robert-Koch- Straße 87/1, statt. Die nächsten Termine sind am 21. Juni und am 19. Juli. Infos: www.ostfildern.de/Reparatur_Cafe

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