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23.11.2017

Zertifikat für Reparatur-Café

Foto: Manfred Braum, Ulrich Höschle, Birgit Romanowicz und Franz-Peter Strohbücker (von links) tüfteln im Reparatur-Café an einem alten Tonbandgerät. Foto: Petra Bail

Das Reparatur-Café im Treffpunkt Parksiedlung hat vom Sozialministerium ein Zertifikat erhalten. Damit wird das Bemühen um das soziale Miteinander und das Umweltbewusstsein gewürdigt.

Die Müllberge wachsen, weil vieles weggeworfen und kaum mehr etwas repariert wird. Diesem Negativtrend setzte Ulrich Höschle das Reparatur-Café entgegen. Vor zweieinhalb Jahren trug er die Idee Oberbürgermeister Christof Bolay vor. Nach einer Anlaufzeit kam das Projekt unter die Fittiche der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement. Birgit Romanowicz kümmert sich um die 20 Ehrenamtlichen und verschaffte ihnen die Räume im Treffpunkt Parksiedlung in der Robert-Koch-Straße 87/1. Dort überreichte sie nun den freiwilligen Helfern die Auszeichnung vom Ministerium für Soziales und Integration.

Bei einer Feierstunde sagte sie, dass die Einrichtung eine Erfolgsgeschichte ist, „weil Sie schaffen wie die Brunnenputzer“. Außer im August öffnet das Reparatur-Café jeden dritten Donnerstag im Monat zwischen 18 und 21 Uhr. An zehn Abenden wurden bislang 179 Reparaturen mit einer Erfolgsquote von 54 Prozent durchgeführt. Die Bürger bringen vom Toaster über Bügeleisen, Föhn, Lampen, Kaffeemaschinen bis zu Radios, Handys, Spielsachen und Kleinmöbeln alles Mögliche mit, in der Hoffnung, dass die Gegenstände wieder funktionstüchtig werden. Schließlich ist das, was die Experten tun, mehr als bloßes Werkeln. Es ist „den Dingen ihren Wert zurückgeben“, sagte Romanowicz.

Die Ehrenamtlichen sind Fachleute, die im Ruhestand oder in ihrer Freizeit Freude daran haben, kaputte Alltagsgegenstände wieder zum Laufen zu bringen, Tipps zu geben, zu tüfteln und sich auszutauschen. Der kommunikative Aspekt ist wichtig, betont Höschle. „Das ist nicht wie in der Werkstatt, wo man das Auto abgibt und Stunden später wieder holt.“ Der Kunde bleibt während der Instandsetzung dabei, man kommt in entspannter Atmosphäre ins Gespräch, trinkt Kaffee, isst Kuchen oder einen Snack.

Somit ist das Reparatur-Café auch eine Begegnungsstätte, die der Vereinsamung vorbeugt. Laut der Statistik von Manfred Braum, ebenfalls maßgeblicher Freizeitreparateur, kommen die Kunden aus der ganzen Stadt, knapp sechs Prozent sogar aus Stuttgart und fast acht Prozent aus Esslingen. Es sind überwiegend Frauen, die Elektro- und Kleingeräte bringen. „Wegen der Buben“, vermutete Braum mit Blick auf die ausschließlich männlichen Tüftler. Die Kunden sind eher ältere Bürger, die das Bewusstsein für eine Werterhaltung und die Mentalität haben, nichts fortzuwerfen. Einige sind fi nanziell auf die Reparatur angewiesen, andere hängen an den Dingen, wie der Mann, der ein altes Tonbandgerät brachte.

Daran herumzuschrauben mache Spaß, sagte Höschle und verwies darauf, dass heutzutage viele Geräte nicht mehr auf Reparatur ausgelegt sind. Gehäuse seien so konzipiert, dass man sie zerstören müsste, um ans defekte Innenleben zu kommen. „Wir ziehen auch Dinge aus dem Verkehr“, erklärte Höschle. „Zur Not schneiden wir auch das Kabel durch, damit das Gerät nicht mehr benutzt wird.“ Entsorgt wird nicht. Die Instandsetzungen sind kostenfrei, Spenden sind willkommen. Damit werden Werkzeuge und Materialien angeschafft.

Kontakt über Birgit Romanowicz, Telefon 3404-254. Weitere kommunikative und handwerklich geschickte Ehrenamtliche sind willkommen. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 14. Dezember.

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