Emotion Bild
 
2.11.2017

Rechtsstaatsunterricht für Flüchtlinge an der VHS

Foto: Die teilnehmenden Flüchtlinge hören gespannt zu. Foto: Bail

Die Volkshochschule (VHS) hat zu einem Rechtsstaatsunterricht für Flüchtlinge eingeladen. 46 Teilnehmer kamen zu dem Seminar und lernten viel über Recht und Gesetze in Deutschland.

Die VHS-Leiterin Irene Baum blickte sehr zufrieden in den Vortragsraum: 51 Teilnehmer hatten sich zum Rechtsstaatsunterricht für Flüchtlinge angemeldet, 46 waren gekommen. Die Kooperationsveranstaltung des Justizministeriums und des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg zum Thema Grundgesetz war zumindest in Ostfildern ein voller Erfolg. Ob es an der personifizierten Anmeldung mit Name und Adresse lag oder an der Übersetzung auf Arabisch und Kurdisch, konnte Irene Baum, die schon von ähnlichen Veranstaltungen in anderen Einrichtungen mit nur zwei oder drei Besuchern gehört hatte, nicht sagen. Der Saal war sehr gut besetzt und die Staatsanwältin Eva Hanns, die gemeinsam mit ihrem Stuttgarter Kollegen, dem Richter Benjamin Bäßler, die Teilnehmer über Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit sowie Gleichberechtigung von Mann und Frau informierte, freute sich, dass sehr viele Frauen zu der Veranstaltung gekommen waren.

Das dreistündige niederschwellige Angebot richtete sich an Flüchtlinge und Asylbewerber ohne Anerkennungsstatus. Am Ende gab es ein Teilnahmezertifikat des Justizministeriums. Oberbürgermeister Christof Bolay zeigte sich in seiner Begrüßungsrede zuversichtlich, dass der Rechtsstaatsunterricht den Flüchtlingen helfen werde, sich schneller und besser in Deutschland und in der Stadt zurechtzufinden. Deutschkenntnisse waren keine Voraussetzung für die Teilnahme, da der Dolmetscher Nomaan Kabbani auf Arabisch und eine Kooperationspartnerin der VHS auf Kurdisch übersetzte, zudem halfen sich die Besucher gegenseitig. Die Wertevermittlung erfolgte anhand von einfachen Beispielen in einfacher Sprache. Wie die kurze Vorstellungsrunde zeigte, kamen die meisten der Teilnehmer aus Syrien, auch der Vater von acht Kindern oder sein Landsmann, dem es in Deutschland gefällt, der aber sagte, das Leben in Syrien sei einfacher. Manche, wie eine Mutter von vier Kindern aus dem Irak, sind erst seit vier Monaten in Deutschland. Weitere kommen aus Eritrea, Afghanistan, dem Iran, dem Libanon und aus Jordanien.

Während des kurzen Vortrags über Staatsaufbau, Wahlen, Rechte und Gesetze rief der Muezzin aus dem Handy zum Gebet. Beim Rechtsstaatsprinzip mit Legislative, Exekutive und Judikative suchte selbst der vereidigte Dolmetscher nach Worten. Einzelne Nachfragen aus dem Plenum signalisierten deutliches Interesse und auch der Richter wollte wissen, wie das mit dem Parlament oder dem Präsidenten in Syrien oder im Irak ist. „Bei uns gibt es keine Gesetze. Deshalb sind wir hier“, antwortete ein Mann.

„Akzeptieren oder demonstrieren“, sagte ein Teilnehmer auf die Frage Bäßlers, was man tun könne, wenn einem die Politik hierzulande nicht gefällt. Den Bundespräsidenten könnte man auch abschaffen, wenn er nur repräsentative Aufgaben habe, befand ein Mann. In kleinen, sprachlich homogenen Gruppen wurden kurze Fallbeispiele diskutiert, um den Teilnehmern vor Augen zu führen, was Gesetze und Rechte im Alltag bedeuten. So wurde die Gleichberechtigung anhand der Situation eines Ehepaars aus Syrien verdeutlicht. Er war in dort Ingenieur, sie Hausfrau. In Deutschland verdient er wenig Geld, möchte aber nicht, dass seine Frau arbeitet, obwohl sie ein Angebot hat. „Ist das in Ordnung?“, lautete die Frage, die zu der Überlegung führte, was man in so einer Situation tun könnte und wer bei der Lösung des Konflikts helfen kann.

Zurück zur Übersicht

Direkteinstiege:

Logo

 

nicht_loeschen 

 

Logo_SeimeinNachbar_Startseite 

 

Klimaschutz-Ostfildern_CMYK