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Ofi ziell - Ostfilderner Kunst

Die Städtische Galerie Ostfildern im Stadthaus, Scharnhauser Park zeigt vom 13. Juli bis 2. September eine Ausstellung mit Arbeiten von Ostfilderner Künstler/innen.

20 Künstlerinnen und Künstler aller Altersgruppen, die in Ostfildern geboren, tätig oder wohnhaft sind, präsentieren Gruppenarbeiten, die den besonderen Bezug zur Stadt Ostfildern thematisieren und größtenteils speziell für die Ausstellung konzipiert wurden.

Die Künstler im Einzelnen:

Bettina Bürkle, Link öffnet neues FensterMark Dittrich, Herbert Eilmann, Link öffnet neues FensterTobias Ruppert, Thomas Grabert, Helga Lauffer, Roberta Penz, Rudolf Harr, Katrin Ochs, Thomas Lang, Margit Schranner, Janne Reuss, Klaus Sachs, Fe Berg, Uta Schwinn, Beate Wehr, Link öffnet neues FensterUli Gsell, Klaus Illi, Link öffnet neues FensterBirgit Rehfeld, Joachim Stallecker.

Das Ausstellungskonzept sieht Allianzen oder Konfrontationen von Paaren oder Gruppen vor, bei denen Positionen, Generationen, Medien zusammen bzw. aufeinander treffen können und sollen. Freie, künstlerische und für Ostfildern gesellschaftspolitisch relevante Stellungnahmen, Interpretationen bzw. Umsetzungen und Herausarbeiten der Paar- bzw. Gruppenspezifika wie auch Interaktion sind gewünscht. Ungewöhnliche, ironische, humorvolle Ansätze und kritische Reflexionen und Gegenüberstellungen wurden explizit angeregt, ebenso orts- und raumspezifische Arbeiten - ein Ofi-zielles Statement, das zur Diskussion anregen soll.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung laden die Künstler zum "Tag der offenen Ateliers" ein. Zwischen 13 und 17 Uhr bietet sich die Gelegenheit Atelieratmosphäre zu schnuppern.

Leider nicht im Link öffnet neues FensterFaltblatt (pdf / 752 KB) erwähnt, doch auch für Interessierte geöffnet ist das Atelier von

Joachim Stallecker
Jahnstraße 21 in Scharnhausen (erste Straße aus Richtung Nellingen)
Telefon: 07158 - 8365
Link öffnet neues Fensterwww.stallecker.de

Einführung in die Ausstellung Ofi  ziell

Liebe Freunde der Kunst, liebe Freunde der Galerie und liebe Freunde der Ostfilderner Künstlerinnen und Künstler. Ich darf Sie ebenfalls ganz herzlich begrüßen mit der Nachricht des Tages: Herr Oberbürgereister Bolay stellt seinen Stuhl zur Verfügung - allerdings befristet auf sieben Wochen, also bis zu Ende der Ausstellung. Doch dazu später mehr.

Offiziell, im Nachschlagewerk ist dieser Begriff besetzt mit drei Bedeutungen: feierlich, amtlich, förmlich.

Feierlich ist dieser Anlass, die Ausstellungseröffnung von Ostfilderner Kunst allemal, nicht zuletzt durch den Auftritt der Musikschule - namentlich Zungenbrecher, Helena Hofmann, Charlotte Zeh, Franziska Philipsen, Xenia Schmitt unter der Leitung von Sally Turner - ganz herzlichen Dank an dieser Stelle.

Amtlich wird der Auftritt der Ostfilderner Künstlerinnen und Künstler durch diesen Stempel, den man so kaum in einer Amtstube antreffen wird  ein Prädikat. Die Ostfilderner Künstler haben dieser gemeinsamen Ausstellung ihren Stempel aufgedrückt.

Förmlich ist so zu verstehen, dass die Künstler ihren Gedanken, Meinungen, Emotionen   Form, Gestalt verliehen haben und diese in einer ungewöhnlichen Schau zum Ausdruck bringen.

Sie haben sich zu Paaren oder Gruppen zusammengefunden, um ihr künstlerisches Anliegen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Nicht nur in der freien Wirtschaft sind Fusionen an der Tagesordnung. Sie sollen den Gemeinsinn stärken und stehen für den ökonomischen Einsatz von finanziellen Mitteln. So wurde aus den sechs Teilgemeinden eine Stadt - eben Ostfildern. Zusammenschlüsse in der Kunst sind weniger häufig, selten geht es dabei in erster Linie um Einfluss und Geld. Es gibt zwar bedeutende Künstlerpaare oder Gruppen. Gemeinhin gelten Künstler jedoch als Individualisten. Das mag an den ausgeprägten Künstlerköpfen liegen, die ihre Visionen, Ideen und ihre Kreativität gerne alleine durchsetzen. Der Idee, die Ostfilderner Künstlerinnen und Künstler zusammen zu bringen, liegt ein anderer Ansatz zu Grunde: Es ist das fruchtbare Miteinander auf künstlerischer Ebene: Es kann sich ein Facettenblick entwickeln, der die jeweilige Sicht der Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zurückspiegelt. Im Brainstorming entwickelt sich zudem ein künstlerischer Dialog, der gute Ideen nicht nur addiert, sondern potenziert. Aber auch kritische Einwände können zur Geltung kommen und die Gruppenarbeit voranbringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Künstlerkontakte gleichzeitig zwischenmenschliche Beziehungen intensivieren und so die Menschen - ob jung oder alt - einander näher bringen, bisweilen zugegebener Massen auf eine h arte Probe stellen, aber auch den Dialog fördern.

Die sensiblen, preisgekrönten Texte von Fe Berg rufen die Geschichte der Baracken an der Nellinger Straße aus dem 2. Weltkrieg ins Gedächtnis, wo Zwangsarbeiter in den Kriegsjahren rekrutiert wurden. Ihre traurige Geschichte wurde allmählich überwuchert von Himbeerplantagen, ihre stummen Schreie wurden übertönt vom Gackern der Hühner und dem Freizeitgegröle auf dem Sportplatz. Klaus Sachs, der das alles noch miterlebt haben könnte, ergänzt die Texte durch filigrane Zeichnungen. Er reagiert auf die menschlichen Schicksale und verarbeitet so auf bildhafter Ebene sein eigenes. Es ist eine wunderbare Harmonie des gemeinsamen Erlebens, eine Einheit von Text  und Bild  und ein Beweis dafür, welchen Bogen die Kunst schlagen kann.

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar; diesen viel zitierten Ausspruch Paul Klees möchte ich zum Anlass nehmen Ihnen das Projekt "fliegen" vorzustellen. Der ehemalige Flugüberwachungspunkt im Scharnhauser Park war Ausgangspunkt. Zur Zeit der Nationalsozialisten erbaut, später von den Amerikanern militärisch genutzt begab sich die Gruppe Margit Schranner, Janne Reuss und Thomas Lang an diesem Un-Ort mit sprichwörtlicher Ausstrahlung auf Spurensuche. Tote Fliegen als stumme Zeitzeugen dominierten den ansonsten leeren Raum. Sich ein Bild von einem Ort zu machen, zu erfahren, was der Ort von seiner Vergangenheit preis gibt, diese Erfahrung schließlich sichtbar zu machen, mit wissenschaftlicher Akribie zu archivieren und zu transformieren war das Anliegen der Gruppe.

Fliegen übrigens ein Schlagwort, das Sie heute durch diverse Ausstellungsprojekte begleiten wird.

Alle Künstler kommen aus der Region, die ihre künstlerische Arbeit anregt und intensiviert und die auch unseren Lebensraum darstellt.

Stadtmöblierung befasst sich mit der kommunalen Struktur der Stadt Ostfildern. Den Künstlern Bettina Bürkle, Marc Dittrich, Herbert Eilmann und Tobias Ruppert liegt die Ostfilderner Urbanität am Herzen. Die Scheiben von Bettina Bürkle ermöglichen immer neue Konstellationen, Überlagerungen und Schnittmengen, die ein buntes, individuelles Bild der einzelnen Teilgemeinden entwerfen. Was jedoch beklagt wird, ist der fehlende Zusammenhalt der Teilgemeinden und so sind Sie, die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, zu einem Dialog der Sitzenden rund um einen Turm, der die zusammengewürfelte urbane Einheit symbolisiert. Wer weiß, vielleicht lässt sich das Problem im Laufe der Ausstellung ja aussitzen. Jedenfalls haben Sie hier vielleicht die einmalige Möglichkeit, den OB-Sessel auf Zeit zu besetzen.

Hochaktuell ist das Thema "Luftangriff auf die Menschen in ihrer Ruhezone", die Flughafenerweiterung. Trotz der in Aussicht gestellten Aufgabe des Baus einer 2. Startbahn heißt es wachsam bleiben.

Helga Lauffer, Roberta Penz und Thomas Grabert nehmen sich dieses Themas an. Ein gebrochener Keramkikengel, tote Tiere und eine zerrissene Figur beklagen das verloren gegangene Paradies, aber auch die Arroganz der Macht - beinahe kopflos, nur gesteuert von den eigenen Trieben, d.h. den jeweiligen Interessen.

Es müssen neue Wege gesucht werden - so könnte man Roberta Penz´ gleichnamige Bilderserie deuten.

Beate Susanne Wehr und Uta Schwinn nähern sich dem Thema im wahrsten Sinne spielerisch. Einem Aufruf sind Bürger Ostfilderns gefolgt und haben Spielzeugflugzeuge zur Verfügung gestellt.

Im Gegensatz zum mobiléartigen Geschwader lassen sich die Intervalle des Fluglärms in realiter nicht per Zeitschaltuhr abschalten.

Hand in Hand mit der Flughafenerweiterung geht die Bewusstmachung des Themas Verkehrspenetranz, gefördert vom Mobilitätswahn, die Zersiedelungsoffensive und die Angst um das grüne Restfildern, aus dem jetzt sogar die Sitz- und Flitzhasen Platz verbannt werden. Thematisiert von Birgit Rehfeldt. Dieser Gruppe gehört gedanklich auch Uli Gsell an. Er bereitet aus zwei Schwarzjurabrocken, die bei Bauarbeiten auf den Fildern auftauchten und auch gestalterische Assoziationen wie z. B. die Landschaftstreppe zu Ostfildern nahe legen, die Start oder auch Landebahn für Joachim Stalleckers Fliegen, der Klon ,das Original und sein Doppelgänger, dem Prototyp der Stubenfliege oder Drosophila. "Nur Fliegen sind schöner" - wenn es doch so einfach wäre: Sich wie die Stubenfliege geräuschlos in der Luft bewegen, sich überall niederlassen ohne Abgase, ohne Kosten, ohne Profit, ohne Lobby, sich ein Restbiotop suchen und von ihrem Rückzugsort aus das Geschehen belauern.

Doch Achtung: Klaus Illis Fliegerklatschen begegnen der Plage mit einer präzisen und gleichzeitig grotesken Choreografie des Abklatschens in immer wieder neuen Klatsch-Rhythmen.

Auf einem Filderkrautkopf, der im Untergrund wächst, kann sich keine Fliege niederlassen. Das Von Ruppert und Illi beschriebene Teufelsszenario des utopisch anmutenden Anbaus von Filderkraut lässt manchen Besucher zunächst schmunzeln. Auch hier wird  bissiger Humor und Ironie verpackt in bestechender Ästhetik als Strategie im Umgang mit akuter Bedrohung gewählt.

So entstehen Werke, die uns alle angehen und berühren sollen, nicht nur die Künstler. Der Betrachter nimmt Anteil an dem, was den Künstler bewegt und kann sich sein eigenes Bild machen: Mit seinen eigenen Augen, seiner Kreativität, seiner Urteilskraft. Mit diesem Vorhaben  ist ein Kunstwerk geglückt, alle unter ein Dach zu bringen, unter das Dach der Städtischen Galerie. Zumindest für sieben Wochen finden hier alle zusammen: Jung und alt, konträre Interessen, Politik und Medien, Landschaft und Technik, Ästhetik und Wirklichkeit, Utopie und Realität.

Als schönes Bsp. Für dieses Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Positionen möchte ich Ihnen die letzte der Gruppen bzw. Paare vorstellen: Katrin Ochs und Rudolf Harr. Zwischen diesen beiden liegen locker zwei Generationen. Die beiden haben sich im Vorfeld der Ausstellung verabredet, Veranstaltungen besucht, sich über Kunst und vieles andere ausgetauscht und ihre Arbeit schlicht Begegnung genannt.

Mit diesem Ofi ziellen Statement haben die Künstlerinnen und Künstler eine doppelte Leistung vollbracht: sie haben sich zu ihrer Stadt bekannt, teils positiv, teils kritisch mit ihr auseinander gesetzt und sie haben den Mut gehabt, sich auf Kolleginnen und Kollegen und auf dieses Ausstellungsvorhaben einzulassen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.

Ich möchte Sie nun noch hinweisen auf diese Mappe. Die Künstlerinnen und Künstler werden gemeinsam und in Kooperation mit der Bürgerstiftung Ostfildern eine Mappe herausgeben. Das heißt 11 Ostfilderner Künstler steuern jeweils eine Arbeit bei. Die Auflage wird 50 Mappen umfassen und zum Preis von 1100,-€ hier in der Galerie ab Mitte November zu erwerben sein. Hinten an der Wand sehen sie eine Auswahl, die Lust auf mehr machen soll. An einem Tag im November wird die gesamte Mappe dann hier in der Galerie präsentiert werden. Informationen entnehmen Sie bitte der Stadtrundschau oder unserer homepage. Gerne können Sie auch Ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wir informieren Sie dann rechtzeitig über den genauen Termin der Erscheinung. Für die Unterstützung bei der Herstellung der Mappe bedanken wir uns schon jetzt ganz herzlich bei der Firma Boesner, Künstlerbedarf in Leinfelden.

Holle Nann, 2008