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Rückblick "Stammesbrüder" Thomas Putze und Andreas Welzenbach

Vom 18. November 2012 bis 15. Januar 2013

in der Städtischen Galerie:

„Stammesbrüder“ Thomas Putze und Andreas Welzenbach

Thomas Putze und Andreas Welzenbach, zwei Stammesbrüder aus bestem Holz! Aus Stamm-Haltern im wörtlichen Sinne wurden hier Stammesbrüder. Bereits die Planungsphase der beiden Bildhauer verlief höchst spannend. Bei allen Gemeinsamkeiten, wie etwa der Materialwahl oder dem scharfsinnige Umgang mit Ironie, könnten die Unterschiede zwischen den beiden künstlerischen Positionen Thomas Putze - Andreas Welzenbach kaum deutlicher sein und garantieren einen äußerst lebhaften Dialog. Für die Ausstellung in Ostfildern wurde von beiden Bildhauern je eine raumbezogene Arbeit - hauptsächlich aus Holz - realisiert.

Rationalität und Kalkül finden ihren Kontrapunkt in Emotionalität, Ordnungen werden aufgebaut oder verworfen, Ungesehenes wird vorstellbar, Unvorstellbares nimmt Gestalt an und Alt-Bekanntes wird neu erfahrbar oder verwandelt sich gar.

Raumansicht unten - Abb. Holger Schimkat 

Im oberen Galeriebereich haben sich Thomas Putze und Andreas Welzenbach auf eine skulpturale Wundertüte, ein Blind Date eingelassen.  Zehn Stammsegmente  wurden senkrecht halbiert, nummeriert und später wieder einander zugeordnet. Das untere Ende der Stammhälften blieb unbearbeitet  und bildet somit den Sockel.
Beide Künstler bearbeiteten jeweils von jedem Paar  im eigenen Stil die oberen 30 cm, ohne zu wissen, was der Andere aus der dazugehörigen Hälfte macht!
Die einzelnen Hälften wurden wieder jeweils passgenau zusammengestellt - und es ergeben sich folglich zehn Paare, die als Sonderedition zum Vorzugspreis  zu erwerben sind.

Raumansicht oben - Abb. Holger Schimkat

Hier treffen Welten aufeinander: unterschiedliche Arbeitsweisen, die unterschiedliche Herangehensweise und Haltung der beiden Künstler werden besonders deutlich. Hier die grob von der Säge zerzausten und von Flammen gestylten Affenpelze. Unterschiedliche Charaktere, die sich mal neugierig mal vorsichtig dem Trennschild nähern oder es gar zu überwinden versuchen. Dort die witzigen, ironiegeladenen Figuren, mit vollständig durchgestalteten Oberflächen, mit feinstem Pinsel farbig gefasst, die sich entwaffnend ihrem Gegenüber stellen.

Bei Andreas Welzenbach, dem strategischen Planer, spielen Ordnung und Systematik eine große Rolle. Bevor er sich an die Ausführung macht, erfolgt eine klare Analyse des Gehaltes, eine präzise Bestimmung der Aussage. Der Bildhauer aus Aalen spielt mit den etablierten Vorstellungen von Kunst und den Konventionen einer kleinbürgerlichen Ästhetik.

Die Arbeiten thematisieren existenzielle Fragen und werfen den Betrachter auf sein Menschsein zurück. Dabei hilft auch stets die feine Ironie und der schwarze Humor dieser Holzskulpturen, die Absurdität menschlichen Tuns zu ertragen.

Mittelmeer (Wawa, farbig gefasst, 2007) von vorne      Mittelmeer, Wawa, farbig gefasst, 2010

Thomas Putzes Raumintervention besteht aus einem bis zu 6 m erhabenen Riesengorilla, dem seinerseits Kollegen auf der Nase und sonstwo herumtanzen. Aus sperrigen Ästen in den Raum gestapelt, geschichtet, verkeilt und verkantet, wirkt der Menschenastaffe geerdet, wuchtig gleichzeitig aber auch beweglich und instabil. Im Gegensatz zu Andreas Welzenbach arbeitet Thomas Putze bei seiner Affenpyramide additiv, d. h. er fügt Elemente zusammen, ergänzt, baut in den Raum hinein. Im Laufe der Ausstellung soll die Arbeit unter Beteiligung des Publikums weiter wachsen.
Eigendynamik wird zum Prinzip. Immer wieder entdeckt das Auge etwas, das sich zuordnen lässt, das erinnert, Assoziationen hervorruft. Alltagsobjekte, Abfall, Sperrmüll. Dinge, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, defekt sind, Fragmente verwandelt, ja verzaubert Thomas Putze. Sehgewohnheiten werden immer wieder durchbrochen, starre Zuschreibungen aufgehoben.  Auch die Intention von Thomas Putze ist es, den Betrachtern einen Spiegel vorzuhalten. Er tut dies mit feiner Ironie und subtilem Humor: „Entdeck den Affen in Dir!“ oder:„Sind wir nicht alle ein wenig anders?“


Kletteraffe von Thomas Putze       Affenpyramide von Thomas Putze

Die Wahl der beiden Künstler ist also ein intendierter künstlerische Dialog. Es sollen schlüssig Gemeinsamkeiten, Parallelen aufgezeigt werden, aber auch Unterschiede in der Funktion, dass diese jeweils die Stärken des Anderen stützen, unterstreichen.

 

 Künstler bei der Arbeit

 

Öffnungszeiten: Mo, Di, So 15 - 18 Uhr, Fr 10 - 13 Uhr und Do 15 - 20 Uhr.  
Geschlossen vom 24.12. bis 2.1. Sonderöffnungszeiten am 26.12 und 30.12. von 15 - 18 Uhr.

In den Ferien verkürzte Öffnungszeiten Do 15 - 18 Uhr.

 

Andreas Welzenbach

 

1965                           geboren in Aalen

1990-1996                  Studium der Bildhauerei an der Staatl. Akademie der bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. O.H. Hajek und Prof. S. Balkenhol

1995                           Meisterschüler

1996                           Diplom

 

Thomas Putze

 

1968                           in Augsburg geboren

1984-1987                  Lehre als Landschaftsgärtner

1991-1993                  Theologiestudium in Wuppertal

1997                           Studium der Malerei an der FKS in Stuttgart

1998-2003                  Studium der Bildhauerei an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Werner Pokorny und Micha Ullman

2005-2006                  Landesgraduiertenstipendium

                                   seither freiberuflicher Bildhauer mit Atelier in Stuttgart