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3.8.2017

Neubau Kindertageseinrichtung Mutzenreisstraße

Illustration: Neubau Kita Mutzenreisstraße. Illustration: u3ba

Der Gemeinderat hat einen Neubau des Kindergartens Mutzentreisstraße beschlossen. Über die Fassadengestaltung wird noch abgestimmt.

Die Stadt plant einen Neubau des Kindergartens Mutzenreisstraße in Nellingen. Dort sollen drei Kindergartengruppen für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sowie eine Krippengruppe für Kinder bis drei Jahre eingerichtet werden. Insgesamt sollen bis zu 100 Kinder dort Platz finden.

Für den Neubau war ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Der Siegerentwurf des Büros „u3ba“ lag dem Gemeinderat in der vergangenen Sitzung als Baubeschluss zugrunde. Der Entwurf sieht vor, das Gebäude in die bestehende Wohnbebauung einzubinden und mit der Bildung eines Quartiersplatzes einen Elterntreffpunkt und einen neuen Zugang zum Spielplatz zu schaffen. Das Gebäude öffnet sich im Entwurf großzügig zu einem parkähnlichen Außenbereich, während es sich zur Straße hin bis auf einige markante Ausblicke geschlossen zeigt. Die Fassade zum Garten hin soll mit eloxierten Blechen gestaltet werden, zur Straßenseite hin mit Fassadenziegeln. Der Bau ist mit Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro veranschlagt worden.

„Wir haben nach der Vorberatung im Ausschuss den Eindruck gewonnen, dass die Gestaltung der Fassade noch nicht zu Ende diskutiert ist“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay bei der Einführung des Tagesordnungspunkts in der Gemeinderatssitzung. Deswegen schlug der Oberbürgermeister vor, jetzt den Baubeschluss zu fassen. Über die Gestaltung der Fassade solle der Gemeinderat in der Sitzung nach der Sommerpause abstimmen. „So können wir nun die Sommerpause nutzen, um noch weitere technische und gestalterische Fragestellungen zu klären“, sagte Bolay. Der Gemeinderat fasste den Baubeschluss mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung.

Die Stellungnahmen der Fraktionen:

„Es ist erfreulich, dass die Verwaltung unseren Vorbehalt bezüglich der Fassadenausführung aufgenommen hat und unserem Vorschlag gefolgt ist, heute den Baubeschluss zu fassen und die Fassadengestaltung noch offen zu lassen“, sagte Theo Hartmann, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Jetzt könnten die Fragen und Bedenken zur Fassadengestaltung aufgearbeitet werden. Die in der Vorlage vorgestellte Fassade sei der Fraktion zu wuchtig, wirke zu massiv und sei „unseres Erachtens ungeeignet für eine Kindertagesstätte“, sagte Hartmann.

Zu der von der Verwaltung vorgeschlagenen Ziegelfassade wollte der Fraktionsvorsitzende wissen, wo eine solche Fassade bereits gebaut worden sei, wie lange das entsprechende Gebäude schon stehe und welche Erfahrungen dort bezüglich der Verschmutzung und Veralgung gemacht worden seien, wenn das Dachwasser über die Fassade entwässert werde.

„In der weiteren Bearbeitung erwarten wir weitere alternative Vorschläge sowohl in der Materialauswahl und Farbgebung, als auch in der Ausführung der Dachtraufe“, sagte Hartmann. Da die Fraktion dem grundsätzlichen Baubeschluss zustimme, werde es auch keine Verzögerung beim Baubeginn geben, wenn später noch über die Fassadengestaltung entschieden werden müsse.

Die Kostensteigerung vom Wettbewerb bis heute betrage 35 Prozent, „da frage ich mich schon, wozu gibt es eine Vorprüfung durch unsere Spezialisten und wozu sitzen Fachingenieure im Preisgericht, wenn dann die Kosten so aus dem Ruder geraten. Kann man bestimmte Sachen nicht erkennen oder will man es gar nicht erkennen? Worauf kann sich der Gemeinderat eigentlich verlassen?“, fragte Hartmann.

Frank Distel (SPD) lobte die getrennte Abstimmung über die Fassadengestaltung. „Wir hätten in der Fraktion sonst nicht einheitlich abstimmen können.“ Das architektonische Konzept des Gebäudes sei ansprechend. Die Frage, wie andere Farben an der Fassade wirkten, sei offen. Distel bedauerte, dass das Gebäude ohne Dachüberstände geplant wurde. Diese würden gerade bei einer helleren Fassade Sinn ergeben, weil die Fassade dann keine Tropf- und Wasserspuren hätte. Und Wasser verschmutze eine helle Fassade mehr als eine dunkle. „Das bitte ich bei der weiteren Planung zu berücksichtigen.

“ Das Projekt, das aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangen sei, hebe sich mit seiner ausgefallenen Architektur, seiner sehr gut durchdachten Raumplanung und seiner großzügigen Gestaltung des Außenbereichs hervor, stellte Catherine Rothlübbers (CDU) fest. Die Kindergartenleitung sei von Anbeginn des Projekts in die Planung involviert gewesen, deswegen „ist es klar, dass der Entwurf praxisbezogen und auf die Bedürfnisse der Nutzer maßgeschneidert sein wird“, sagte Rothlübbers. Nach Ansicht der Fraktion seien Barrierefreiheit und Sicherheit überzeugend angegangen und gelöst worden. Entsprechend erfahre der Bau unter den Erzieherinnen eine große Zustimmung.

„Wir sind angenehm überrascht, wie auf dieser schwer bebaubaren Fläche, bei der Topografie, Größe und Kontur des Grundstücks erhebliche Hürden darstellen, die vorliegende Nutzfläche für bis zu 100 Kinder generiert wurde“, sagte Rothlübbers. Die Fraktion sei sehr davon angetan, wie gut sich dieser Solitär in die Umgebung einfüge. Der kompakte Baukörper zur Straße hin halte den Verkehrslärm ab und sorge für Ruhe nach innen. Der Bau öffne sich zum Park hin als Spiel- und Lernraum. Eine durchdachte Süd-Ost-Orientierung des so abgeschirmten Bereichs im Inneren verleihe dem stattfindenden Leben die notwendige Helligkeit. Aus der Perspektive der Fraktion sei dieses Bauprojekt am Nordeingang Ostfilderns rundherum gelungen, das heiße im Kern stimmig. „In Anbetracht dessen, wo, wie und was wir bauen und mit Blick auf andere aktuelle, vergleichbare Objekte in der Stadt erscheint das Preis-Leistungs-Verhältnis auch stimmig. In unserer Betrachtung bleiben wir aber nach wie vor der Zügelung der Ausgaben verpflichtet“, sagte Rothlübbers. Für eine Diskussion in der Bevölkerung und im Gemeinderat sorgten noch Farbe und Fassadengestaltung, deswegen sei es gut, die Frage der Fassadenverkleidung aus der Beschlussfassung herauszunehmen.

„Zu teuer, architekturpreisverdächtig, mit geschlossener Fassade aus seltsamen Materialien, ohne Dachrinnen und zu nah an den Gleisen, die mal kommen – so wird der Kindergartenentwurf teilweise beurteilt, der vor über einem halben Jahr den ersten Platz unter vier Rängen im Wettbewerb erzielt hat“, sagte Sonja Abele (Grüne). „Was ist Gutes zu sagen?“ Der Entwurf passe sich in Größe und Geometrie – mit Satteldächern – gut in die Umgebung, Topografie und Bebauung ein. Es werde ein Quartiersplatz entstehen, der einen großzügigen Eingangsbereich möglich mache. Positiv sei auch, dass der Wall geebnet und die Sichtverbindung im Kurvenbereich verbessert werde – „leider müssen dafür Bäume fallen“

 Die zur Straße hin geschlossene Fassade schütze die drinnen vor neugierigen Blicken. „Kinder bauen übrigens gern Höhlen und Unterschlupfe – so wenig kindgemäß sind die als „Schießscharten“kommentierten Fenster damit gar nicht“, sagte Abele. Hell sei es innen trotzdem. Licht komme von oben und aus dem Garten im Osten und Süden. Dort seien große Fenster vorgesehen, gut dämmend gegen Kälte und Schall. Flure, in denen auch gespielt werden könne, seien sicher ein Plus, nicht nur für Rollstuhlnutzer. Ein weiteres Plus sei eine Heizung über Erdwärmepumpe und eine Fotovoltaik- Anlage auf dem Dach. Die Nachtlüftung über Oberlichter und Fassadenöffnungen, die hinter der Blechverkleidung gut gesichert seien, würden zunehmend wichtiger werden. „Und für den Brandschutz, ein großes Fragezeichen bei allen Entwürfen im Wettbewerb, konnten offenbar Lösungen gefunden werden, die im Detail noch mit dem Landratsamt abgestimmt werden sollen“, sagte Abele.

Kritikpunkte sehe die Fraktion bei den Baukosten. Das Bauen sei teurer geworden. Teuer sei auch die Waldstraßen-Kita in Kemnat, im Vergleich werde sie pro Quadratmeter zwar etwa gleich viel kosten. Allerdings solle in der Mutzenreisstraße für eine Kindergartengruppe mehr gebaut werden, „nämlich für drei plus eins“. Die Außenanlagen würden mit jetzt noch 245.000 Euro mehr als doppelt so teuer wie zu Wettbewerbszeiten gedacht. „Und das nach einer ersten Einsparrunde.“ Einiges werde jetzt etwas kleiner, Sonnensegel würden durch Schirme ersetzt.

Bei der Gestaltung des Gebäudes seien Ziegel nach Westen und Lochblech nach Osten für Fassade und Dach vorgesehen – beides Materialien, die sowohl für ein Dach wie auch für eine Fassade geeignet seien. „Das ist durchaus ungewöhnlich, hat aber einen besonderen Reiz“, sagte Abele. Der vorgelegte Kostenvergleich von Blech und Wärmeverbundsystem hinke etwas in der Annahme, dass alle zehn Jahre der Putz für insgesamt knapp 20.000 Euro gestrichen werde. Dies abgezogen, wäre die Alufassade rund 12.000 Euro teurer, die Ziegel etwa 16.000 Euro. Bei einem Gesamtvolumen von mehr als drei Millionen Euro stünde der Verzicht auf optische und funktionale Vorzüge in keinem guten Verhältnis zu der möglichen Einsparung bei der Wahl einer „gewöhnlichen“ Fassade.

Die preisverdächtige Architektur sei geprägt durch den monolithischen, fugenlosen Charakter der beiden Häuser, aus einem Guss erscheinend und ohne Unterscheidung von Dach und Fassade. „Das ist Geschmackssache, aber definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, das die Gebäude aus der Wohnumgebung hervorheben wird. Mir gefällt‘s“, sagte Abele.

Doch was werde von der monolithischen Erscheinung bleiben, wenn der Bau der Realität angepasst werden müsse? Realität heiße: Es regne im Sommer oft heftig und im Winter gebe es doch noch ab und zu 30 Zentimeter Schnee. „Wie wäre das, so ohne Dachrinnen und Schneesicherungen? Gibt es Dachlawinen? Platscht das Regenwasser ringsum irgendwo runter? Oder läuft ständig Wasser über die Tonziegel und das Alublech? Werden die Fassaden mit der Zeit veralgen? Ist das gewollt?“, fragte Abele. Dabei bestehe eindeutig Klärungsbedarf. Vor einem Baubeschluss sollte dargestellt werden, wie diese Fragen architektonisch beantwortet werden könnten.

„Dem Entwurf kann ich so nicht zustimmen“, sagte Jutta Zwaschka (Grüne) zu ihrem Abstimmungsverhalten bei der Beschlussfassung. Die Einzelstadträtin ist „mit dem Entfall des geplanten Grünstreifens vor dem Eingang des Gebäudes sowie der vorschnell geplanten Fällung von Bäumen im Oktober dieses Jahres für angeblich mehr Verkehrssicherheit als einzig möglicher Lösung nicht einverstanden“. Zwaschka wollte wissen, um wie viele Bäume, welche Arten, welchen Alters und Größe es sich dabei genau handele und ob dort zum Beispiel Baumhöhlen als Habitate für Vögel vorhanden seien.

Alternative Lösungen zur Steigerung der Verkehrssicherheit wie der Bau von Querungsinseln auf der Fahrbahn mit einer entsprechenden Straßenbeleuchtung, einer Geschwindigkeitsreduzierung, dem Einbau von temporeduzierenden Schwellen in der Fahrbahn, Fahrbahneinengungen sowie entsprechender Beschilderung mit Hinweisen auf Kinder seien nicht ausreichend geprüft worden, sagte Zwaschka.

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