Evang. Kirche, Nellingen

Die ursprünglich spätromanische Kirche wurde 1749 durch einen Sturm stark beschädigt. 1777 erfolgte der Abriss des Kirchenschiffs und die barocke Neuerbauung in der heutigen Gestalt.
Der Gemeindesaal zwischen Propsteigebäude und Kirchturm wurde 1926 angebaut. Damals erfolgte auch eine Neugestaltung des Kirchenraums. Verantwortlich für die eigenwillige Farbgebung und das von der neuen Sachlichkeit inspirierte Gestühl war der bekannte Architekt Professor Martin Elsässer. 1995 konnte eine erneute grundlegende Renovierung abgeschlossen werden.
Der romanische Kirchturm
Um 1220 ließ das südbadische Kloster St. Blasien in Nellingen eine Kirche im spätromanischen Stil erbauen. Deshalb ist die Kirche St. Blasius geweiht. Der erhaltene Kirchturm weist rheinische sowie elsässische Einflüsse auf. Er ist das älteste original erhaltene Bauwerk in Ostfildern.
Der Turm ruht auf einem fast quadratischen Sockel. Ein Fries aus plastisch versetzt hervorstehenden Bausteinen bildet den oberen Abschluss des vierseitigen Turmabschnitts.
Ein kleiner Dachvorsprung bildet den Übergang zum achteckigen Grundriss. Die vier Evangelistensymbole wurden vermutlich anlässlich der Renovierung im Jahr 1926 angebracht. Es sind dies der Mensch für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes.
Die beiden Rundbogenfenster auf der Süd- und Nordseite der Glockenstube sind mit zierlichen Rundsäulen und Würfelkapitellen als Zwillingsfenster strukturiert. Auf dem Zeltdach, das sich in die achteckige Struktur des Oberturmes einfügt, befinden sich in einer goldenen Kugel geschichtliche Aufzeichnungen über die Gemeinde Nellingen. Darüber thront der goldene Wetterhahn auf schmiedeeisernem Kreuz.
Die kunstgeschichtliche Literatur schildert den Nellinger Kirchturm als reizendes und eigenartiges Bauwerk unter den romanischen Kirchtürmen Württembergs. Er gilt als der älteste unter den romanischen Kirchtürmen in Württemberg, die vom vierseitigen Unterbau in den achtseitigen Oberbau übergehen.
