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20.1.2010

Musikschule geht zunehmend neue Wege

Fünf trommelnde Kinder mit ihrem Lehrer

Kindergärten und Schulen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Überall ist Ganztagsbetreuung auf dem Vormarsch. Für zusätzliche Angebote oder Hobbys der Kinder bleibt da kaum mehr Zeit. Deshalb hat die Städtische Musikschule Ostfildern die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten (Kitas) und Schulen intensiviert und gemeinsam inhaltliche Konzepte entwickelt. Hier ein Überblick über die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit.

 

Mit der Rohräckerschule auf dem Zollberg, die geistig Behinderte und Körperbehinderte fördert, wurden schon vor zehn Jahren feste Orientierungskurse etabliert. Alle Schüler der Schule kommen ein Jahr lang einmal wöchentlich in die Musikschule an der Halle und lernen Musik und musikalische Aktionen kennen. Viele dieser Schüler erlernten im Anschluss daran in der Musikschule ein Instrument oder spielen in Musiziergruppen wie der "Bluespolizei".

 

An der Wasenäckerschule Scharnhausen begann vor zwei Jahren das Projekt einer Blockflötenklasse mit 17 Kindern. Seit Februar vergangenen Jahres sind es schon zwei Bockflötenklassen an dieser Schule und im April kam noch in der Lindenschule eine weitere Blockflötenklasse hinzu. Gearbeitet wird hier "mit Kopf, Herz und Hand" im Sinne des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Nach einem Jahr können die Kinder zur Klavierbegleitung einfache Lieder spielen sowie Kanons und leichte zwei- bis dreistimmige Sätze spielen. Im zweiten Jahr wird dann die ganze Blockflötenfamilie (Sopran, Alt, Tenor, Bass) kennen gelernt. Nach der Blockflötenklasse haben viele Schülerinnen und Schüler Interesse an Musik und können in den Unterricht an der Musikschule überwechseln - sei es in Kleingruppen oder im Einzelunterricht.

 

Blockflöte und Englisch

Blockflöte mit Englisch kombiniert gibt es in der Klosterhofschule Nellingen und in der Pfingstweideschule Kemnat. Dort unterrichtet Sally Turner, gebürtige Engländerin und Blockflötenchefin an der Musikschule. Neben dem Instrument werden auch Notenlesen sowie Spiele, Lieder und Reime auf Englisch gelernt. Die Gruppen bestehen aus fünf bis acht Kindern und werden möglichst in der sechsten Schulstunde in den Schulen unterrichtet.

 

Schon in der zweiten Generation gibt es zwei Percussionsklassen in der Förderschule in der Parksiedlung. Musikschullehrer Udo Will stellt dabei das Spiel auf der Djembe, einer afrikanischen Trommel, in den Mittelpunkt. Musiziert wird ohne Noten, die Rhythmen werden meist über gereimte "Trommelsprüche" erlernt. Neben dem Spaß an der Musik wird die Wahrnehmungsbereitschaft und die Konzentrationsfähigkeit gefördert sowie das soziale Verhalten angeregt.

 

Instrumentalkassen

Im Otto-Hahn-Gymnasium wurde im vergangenen Schuljahr erstmals eine dritte Musikstunde für die Fünftklässler eingeführt, die dem praktischen Musizieren gewidmet ist. Die Schüler haben die Wahl zwischen Chor-, Streicher- oder Bläserklasse. Während die Chorklassen vom Gymnasium in Eigenregie geleitet werden, werden die kostenpflichtigen Instrumentalklassen, die auch Schülern aus dem Heinrich-Heine-Gymnasium offen stehen gemeinsam von je einer Lehrkraft aus Musikschule und aus Gymnasium angeboten.

 

Komplettes Orchester

Als Instrumentalklasse kann man sich ein komplettes Orchester vorstellen. Die zwanzigköpfige Streicherklasse beispielsweise besteht aus Geigern, Bratschern, Cellisten und Kontrabassisten. Unterrichtet werden die Kinder von der Geigerin Anke Spiegel (Otto-Hahn-Gymnasium) und der Cellistin Angela Schüssler (Musikschule). Die Bläserklasse aus Querflöten, Klarinetten, Saxophone, Trompeten, Posaunen, Hörner, Tuba und Schlagzeug leiten Hornlehrerin Ulrike Eberle aus der Musikschule und Claudia Kastl (HHG). Die Instrumentalklassen üben ein Schuljahr lang eine Schulstunde wöchentlich. Die Bläser haben zusätzlich wöchentlich Kleingruppenunterricht bei einem Fachlehrer ihres Instruments und können nach einem Schuljahr in den regulären Instrumentalunterricht an der Musikschule überwechseln, wenn sie Spaß an der Musik und am Instrument gefunden haben.

 

Enormer Lernerfolg

Instrumentalklassen sind aber nicht nur dem Gymnasium vorbehalten. An der Schule im Park und an der Erich-Kästner-Schule gibt es seit einigen Jahren Streicherklassen für die zweite und dritte Grundschulklassen. Hier bekommen die Schüler zwei Mal in der Woche Unterricht, der ausschließlich von Lehrkräften der Musikschule durchgeführt wird. Die Streicherklassen laufen hier auch über zwei Schuljahre. Dieses Konzept ist so erfolgreich, dass die Fortschritte der Schüler mit denen des Einzelunterrichts mit gleichaltrigen messen lassen, erläutert Musikschulleiter Albrecht Imbescheid stolz und erstaunt. Vermutlich sei die Stimmung in einer Gruppe und das ständige gegenseitige Beobachten und Korrigieren der entscheidende Faktor für diesen Erfolg. Was alle Musikgruppen an den Schulen gemeinsam haben, ist der Nutzen für die Schule selbst: Schulfeste, Weihnachtsfeiern und ähnliches können schon nach wenigen Wochen musikalisch von den Instrumentalgruppen umrahmt werden. In der Regel präsentieren die jungen Musiker ihr Können dort gerne und mit Begeisterung.

 

Kitas machen Musik

Auch in den Kindertagesstätten soll heutzutage Musik stärker Berücksichtigung finden. In der Erzieherausbildung spielt die Musikpädagogik leider eine untergeordnete Rolle. Aber in den neuen Bildungsplänen der Länder, in Baden Württemberg im Orientierungsplan, werden die positiven Auswirkungen von musikalischer Betätigung auf die Entwicklung der Kinder betont. Denn Musik machen heißt erleben mit allen Sinnen. Und musizieren fängt nicht erst mit dem Instrumentalunterricht an, sondern bereits ganz elementar beim Sprechen und natürlich beim Singen.

"Kita macht Musik" hieß eine Fortbildungsreihe, die die Städtische Musikschule im vergangenen Jahr anbot und an der  zwölf Erzieherinnen teilnahmen. An sechs Abenden wurden Theorie und Praxis verschiedenster musikalischer Elemente in Theorie und Praxis beleuchtet und erlebt, beispielsweise singen mit Kindern, "Musik macht Beine", Liedbegleitung mit Orffinstrumenten und Gitarre, Musik und Sprache.

 

Fortsetzung folgt

Mit einzelnen Kindergärten arbeitet die Musikschule bereits seit Jahren zusammen, insbesondere in der Ganztagsbetreuung. Eine flächendeckende Versorgung aller Vorschulkinder mit qualifizierten musikpädagogischen Angeboten liegt aber noch in weiter Ferne. Umso wichtiger war es, Erzieherinnen Wege aufzuzeigen, wie der Umgang mit Musik im Alltag des Kindergartens selbstverständlich werden kann.

Auch die Dozentinnen der Musikschule haben von dieser Fortbildung profitiert, denn sie haben viel über die aktuellen Entwicklungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen erfahren, berichtet Andrea Lips von der Musikschule. Deshalb sind sich auch hier alle Beteiligten einig: Fortsetzung folgt.

 

 

 

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