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30.8.2018

Chancengleichheit in den Kindertageseinrichtungen

Die Kindertageseinrichtungen in der Stadt gehen das Querschnittsthema Inklusion konkret an. Im September finden die ersten Schulungen für Mitarbeiter statt.

Bildungsgerechtigkeit für alle, Ausgrenzungen entgegenwirken, Barrieren abbauen – dies sind vertraute Schlagworte. Doch die Umsetzung stößt oft an ihre Grenzen. „Inklusion findet Stadt“ ist ein großes Querschnittsthema, das nur mit vielen Akteuren zu bewerkstelligen ist.

Im Jahr 2012 wurde auf der Grundlage eines Gemeinderatsbeschlusses im Fachbereich 2 die Stelle eines Inklusionsbeauftragten angesiedelt. Zum einen sollten die verschiedenen Lebensbereiche in der Stadt unter dem Aspekt eines inklusiven Miteinanders vernetzt werden, zum anderen sollte ein Ansprechpartner den Anliegen von Bürgern mit Behinderung zur Seite stehen.
Die Kindertagesstätten haben sich im gleichen Zeitraum mit der Umsetzung der Idee Inklusion auf den Weg gemacht. Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit wurden als konkrete Ziele formuliert, ein Prozess, an dem 13 Träger mit insgesamt 34 Kindertageseinrichtungen und Schülerhorten beteiligt sind. Trotz einiger Informationsveranstaltungen des Landesjugendamts, des Landkreises und der Stadt wurden kaum Ergebnisse im Kindergartenalltag sichtbar. In der Folge stellten die beteiligten Leiterinnen die Forderung nach einer engen Zusammenarbeit von Kommune, Trägern, Leitungen, Teams und Eltern, um eine wirksame Veränderung zu erlangen.
Im November 2017 wurde eine Vereinbarung aller Träger von Kindertageseinrichtungen in der Stadt fertiggestellt. Ziel ist es, die Einrichtungen im Sinne einer inklusiven Pädagogik, die auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention in Verbindung mit der UN-Behindertenkonvention basiert, zu gestalten. In einer Vorbereitungsgruppe wurden Schritte zur weiteren Umsetzung ausgelotet. Mit dem Institut für den Situationsansatz, Fachstelle Kinderwelten, Berlin, wurde ein Kooperationspartner gewonnen, der im Schulungsbereich den pädagogischen Ansatz „Vorurteilsbewusste Erziehung und Bildung“ vertritt.

Bei einer Auftaktveranstaltung im Herbst 2017, zu der alle Fachkräfte, Träger und Eltern eingeladen waren, wurden der Handlungsansatz und die verschiedenen Handlungsebenen vorgestellt. Anschaulich wurden den Teilnehmern die eigenen Muster im Kopf bewusst gemacht, etwa am Beispiel von Kulturtechniken wie dem Essen mit Besteck, die hierzulande, aber nicht überall gleichermaßen gelten. Inklusive Pädagogik bedeute dabei, sich auf die Benutzung von Besteck zu einigen, ohne die anderen Möglichkeiten abzuwerten. Inklusion soll als kommunikativer Prozess verstanden werden.

Da den Leitungen der Kindertageseinrichtungen eine Schlüsselrolle zukommt, erhielten sie als erste die Möglichkeit, an einer sechstägigen Schulung, verteilt auf zwei Jahre, teilzunehmen. Die erste Schulung hat im vergangenen Juni begonnen. Dabei standen die eigene Haltung zu Vorurteilen und eigene und zugewiesene „Schubladen“ im Vordergrund. Auch für die Teams der Kindertageseinrichtungen soll eine sechstägige Fortbildung folgen, die ebenfalls innerhalb von zwei Jahren durchgeführt wird. Zwischen den Schulungen finden Praxisberatungen vor Ort statt, um die Umsetzung der Theorie in die Praxis zu sichern.

Das Haus für Kinder Grabenäcker übernimmt dabei die Vorreiterfunktion. Das Team startet im September mit einer Schulung für 24 pädagogische Fachkräfte. Alle Teammitglieder haben sich in einem Kontrakt zur Teilnahme verpflichtet. Die Eltern sind ebenfalls mit einbezogen und können die Geschehnisse mitverfolgen. Bei insgesamt mehr als 30 Einrichtungen wird in Ostfildern von einer fünfjährigen Umsetzungsphase ausgegangen.
Um die Nachhaltigkeit des Inklusionsprozesses zu sichern, werden auf einer dritten Ebene Multiplikatoren ausgebildet. In einem Schulungsprozess von 15 Tagen werden sowohl inhaltliche Grundkenntnisse als auch Vermittlungs- und Fortbildungskompetenz für den vorurteilsbewussten Ansatz erarbeitet. Die Finanzierung des Prozesses wird eine weitere Herausforderung sein.

Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Umsetzung dieses Ansatzes nur ein Baustein auf dem Weg zu einer inklusiven Kita ist. Die Steuerung des Gesamtprozesses ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der zusätzliche Kapazitäten braucht. Neben der Prozesssteuerung steht dabei auch die Vernetzung mit den bereits bestehenden Bereichen und Gruppierungen auf der Aufgabenliste. Es ist gewollt, dass diese Entwicklung für die Öffentlichkeit nachvollziehbar ist. In Zukunft werden immer wieder Meilensteine oder auch kleine unscheinbare Erlebnisse in der Stadtrundschau unter „Inklusion findet Stadt“ zu finden sein.

 

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