
http://www.ostfildern.de/Gemeinsames+Sprachkonzept+in+Kindertageseinrichtungen.html
Für eine gelingende Bildungsbiographie sind gute Sprachkompetenzen eine wichtige Voraussetzung - und die wichtigste Phase für die Entwicklung der Sprache liegt im frühen Kindesalter. Mit dem nun vorliegenden ganzheitlichen Sprachkonzept hat die Stadt nun eine gemeinsame Grundlage für alle Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen erstellt.
Bei einer Veranstaltung Ende Oktober ist das Sprachkonzept den 160 Fachkräften in den städtischen Kindertagesstätten vorgestellt worden. Guilio Pagonis, der Junior-Professor für Psycholinguistik an der Universtität Heidelberg, hat dem Publikum in seinem Vortrag verdeutlicht, dass mit dem vorliegenden Konzept kein abschließendes Werk vorliege. Auch in Zukunft werden weiterhin aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in das Konzept mit einfließen.
Die Grundlage des Sprachkonzeptes ist die Spracherziehung, die sich an alle Kinder der Einrichtung richtet. Sie beruht vor allem auf der Kommunikation zwischen Kindern und Erwachsenen, aber auch der Kommunikation zwischen den Kindern selbst. „In der Kommunikation erfährt das Kind die Bedeutung von Sprache und kann deren Wirkung in der Gruppe spielerisch erproben“, heißt es in der Ausführung zu dem Konzept .Neben dem Sprachvorbild der Erzieherin gehört auch eine „ sprachanregende Umgebung“, in denen die Raumgestaltung zum Kommunizieren anregt.
Sprache ist der Zugang zur Welt. Diese anspruchsvolle und umfassende Aufgabe braucht vielfältige Partner auch außerhalb der Einrichtung. Spracherziehung bezieht sich auf Deutsch als gemeinsame Sprache. Die Familiensprache ist natürlich Teil des Kindergartenalltags. Gute Grundlagen in der Erstsprache erleichtern den Zugang zur Zweit- oder Drittsprache. Der Schlüssel einer guten Sprachkompetenz liegt auch in der gelingenden Zusammenarbeit von Elternhaus und Kindertagesstätte. Fühlen sich Eltern in der Einrichtung wohl und angenommen, hat dieser ein positiver Effekt auf die Entwicklung des Kindes Elternhaus und Einrichtungen tragen gemeinsam Verantwortung für eine bestmögliche Sprachentwicklung des Kindes. Die Familiensprache wird nicht als Störung für ein reibungsloses Austausch gesehen. Die gemeinsame Verständigung zwischen Eltern und der Einrichtung steht im Vordergrund. Das Sprachkonzept basiert auf der Grundlage einer wertschätzenden Haltung gegenüber Menschen unterschiedlicher Sprachen mit unterschiedlicher kultureller Herkunft. Kinder lernen von Anfang an einen offenen Umgang mit.
Es gibt Kinder, denen eine im Alltag integrierte ganzheitliche Spracherziehung nicht ausreicht. Für sie werden zusätzliche Förderangebote bereitgestellt, die sich am jeweiligen Bedarf orientieren. Die Förderung setzt an den Fähigkeiten des Kindes und an den Themen der Lebenswelt an .Die Sprachförderung ist von Anfang an. Ab drei Jahren können Kinder an der Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell teilnehmen. Träger ist die Stadt Ostfildern. Im letzten Kindergartenjahr kann das Kind Intensive Sprachförderung nach den Richtlinien des Landes Baden-Württemberg (ISK) erhalten. An einzelnen Standorten werden spezielle Förderprogramme wie „Deutsch für den Schulstart“ eingesetzt, um Kinder mit besonderem Bedarf zu fördern. Die zusätzliche Sprachförderung grenzt sich sehr vom Sprachunterricht und von Therapieangeboten ab. „Die pädagogische Fachkraft zeigt Freude an Kommunikation und Sprache. Die Erzieherin ist sprachliches Vorbild. Sie reflektiert ihr eigenes Sprach- und Sprechverhalten gegenüber den Kindern, Eltern und Kolleginnen", so steht es im Konzept. Die Sprache rückt immer mehr in den Fokus des pädagogischen Handelns der Erzieherin. „Bewusst werden Sprechanlässe geschaffen, in denen sich Kinder aktiveinbringen können, mitgestalten, und sich als Teil der Gemeinschaft erleben.“ Und weiter: „Sprache ist eine Herausforderung und gemeinsame Aufgabe für die gesamte Einrichtung und darüber hinaus, sie lebt aus gemeinsamen Haltung und Sichtweise aller Fachkräfte.“ Nur mit regelmäßigen Kommunikation und Reflexion im Gesamtteam ist dies zu bewältigen.
Der Träger sieht die enorme Herausforderung, die an jede der zehn städtischen Einrichtungen in den fünf unterschiedlichen Stadtteilen gestellt sind. Er stellt verschiedene Mittel und Personal zur Umsetzung zur Verfügung und bietet Fortbildungen und Qualifizierungsmöglichkeiten für interne und externe Fachkräfte an. Der nahtlose Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist dem Träger ein wichtiges Anliegen. Er schafft eine Plattform für einen frühzeitigen Austausch zwischen Kindertageseinrichtung, Schule, den Einrichtungen der Frühförderung und dem Gesundheitsamt mit dem Ziel, allen Kindern in Ostfildern eine anschlussfähige Bildung zu gewähren. Letzter Teil des Sprachkonzeptes ist ein praktischer Sprachführer, der die einzelnen Schritte des Sprachkonzeptes aufzeigt.