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20.1.2017

Fotografen haben den Alltag von Flüchtlingen begleitet

Sonja Neubrand und Jürgen Unger haben mit der Kamera Flüchtlinge in der Unterkunft Blumenhalle begleitet. Ihre Ausstellung „Zeit des Wartens“ ist in der Volkshochschule Nellingen zu sehen.

Jedes Foto erzählt eine Geschichte von Menschen, ihrem Alltag und von Begegnungen. Die Fotografen Sonja Neubrand und Jürgen Unger haben mit der Kamera Geflohene in der ehemaligen Unterkunft Blumenhalle im Scharnhauser Park begleitet, die dort trotz schwieriger Umstände ihren Alltag gemeistert haben. Am vergangenen Montag ist in der Volkshochschule (VHS) in Nellingen eine Ausstellung einiger dieser Fotos eröffnet worden.

„Die Blumenhalle war eine Notunterkunft, sie war nicht ideal, aber trotz aller Probleme hat sie funktioniert“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay bei der Eröffnung der Ausstellung. Er dankte allen, die sich engagieren und den Menschen helfen, gut anzukommen und sich zurechtzufinden. Auch der Ausstellungsort sei gut geeignet, denn dort würden auch viele erreicht, die sich sonst vielleicht eher nicht mit dem Thema auseinandersetzen.

Entstanden ist die Ausstellung in einer Kooperation zwischen dem Freundeskreis Asyl, der Stadt und der VHS. Jürgen Unger ist Berufsfotograf, Sonja Neubrand Hobbyfotografin, beide haben sich ehrenamtlich in der Blumenhalle für Flüchtlinge engagiert. Sonja Neubrand betreute als Koordinatorin die Wifi -Box und war jeden Abend vor Ort. „Die Männer kannten mich, ich habe ihr Vertrauen geschenkt bekommen“, sagte sie. So entstand die Idee, die Männer in ihrem Alltag zu begleiten, ihren Neuanfang in einem fremden Land, ihre „Zeit des Wartens“ zu dokumentieren. Die Fotos fangen die Atmosphäre in der Blumenhalle ein und zeigen Menschen, die trotz großer Belastungen Positives und Freude ausstrahlen.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Männer bügeln, sich gegenseitig die Haare schneiden, ihre Mahlzeiten zubereiten. Und wie sie gemeinsam mit Menschen verschiedener Generationen aus der Stadt Feste feiern, zum Beispiel ein großes Friedensfest. „Wir wollten auch Vorurteile abbauen. Die jungen Männer haben ihren Alltag trotz schwieriger Umstände hinbekommen, wir wollten zeigen, wie tüchtig sie sind“, erzählte Neubrand.

Die Männer haben außerdem Bewerbungsfotos und Passbilder gebraucht. Jürgen Unger baute mit seiner professionellen Fotoausrüstung in einer Nische der Blumenhalle ein improvisiertes Fotostudio auf und alle kamen zu ihm. Einige der Fotos hat er für die Ausstellung zu einer eindrucksvollen Collage zusammengestellt. Die Fotos sind eher klein. Das erfordert vom Betrachter ein genaues Hinsehen, ein Eintauchen in das Geschehen. Und so wird aus einem Betrachter unversehens ein Beteiligter. Von vielen der Fotos haben die Fotografen Papierabzüge gemacht und sie den Männern geschenkt. „Viele haben sie gerahmt und in ihren neuen Unterkünften aufgehängt“, erzählte Sonja Neubrand.

Die Blumenhalle ist ein Überbleibsel der Landesgartenschau von 2002 und es war klar, dass sie nur für einen begrenzten Zeitraum für die Erstunterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung steht. Von Ende November 2015 bis Mitte April 2016 waren dort bis zu 150 Männer aus 18 verschiedenen Nationen untergebracht. Inzwischen hat ihr Weg sie nach Nürtingen oder Neuhausen, viele aber zunächst in das Provisorium Schillerschule und jetzt nach Nellingen geführt. Auch davon erzählt eine der Collagen.  

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