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30.5.2018

Heimat und Zugehörigkeit

Foto: Einige der neuen Staatsbürger und Christof Bolay. Foto: Eisenhardt

Seit einigen Jahren lädt die Stadt am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, jene Bürger ein, die in den vergangenen Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatten.
Zwischen dem 1. April 2017 und dem 1. April 2018 haben 102 Ostfilderner die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Auf den ersten Plätzen liegen Griechen und Türken mit je 15, gefolgt von Kosovaren mit zehn, Kroaten mit acht, Italienern mit sieben und Briten mit fünf Einbürgerungen.

Der Brexit bewege derzeit einige Briten, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, weiß Sonja Löffler, die Leiterin der Ausländerbehörde der Stadt Ostfildern. „Sie wissen nicht, wie es weitergeht, wie künftig etwa die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis geregelt werden.“ Einige der 102 neuen Staatsbürger sind mit ihren Familien der städtischen Einladung gefolgt, um dieses besondere Ereignis gemeinsam zu feiern. „Ich gratuliere Ihnen herzlich zu diesem Entschluss. Das ist ein schönes Zeichen für Ihre Zugehörigkeit zu diesem Land und zu unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay.

„Für mich war das ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk. Einen Tag vorher habe ich am 26. Oktober letzten Jahres meine Einbürgerungsurkunde erhalten“, erzählt Rosanna De Carlo, die die doppelte Staatsbürgerschaft behält. Wie bei allen Festgästen ist Deutschland schon lange ihre Heimat „Meine Eltern kamen in den 60er-Jahren hierher, seit 1984 lebe ich in Ostfildern. Ich bin in Deutschland zur Schule gegangen, habe meine Ausbildung gemacht und beruflich Fuß gefasst. Von Anfang an habe ich mich hier gut aufgenommen gefühlt.“ Schon länger habe sie mit dem Gedanken gespielt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, „jetzt war es an der Zeit“, sagt Rosanna De Carlo. Die gebürtige Finnin Kaja Widlewski ist seit 1972 in Deutschland, in Ostfildern lebt sie mit ihrer Familie seit 2002. „Ich habe unseren 40. Hochzeitstag an Weihnachten 2016 zum Anlass genommen, endlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen“, erzählt sie. Im Februar 2018 hielt sie die Urkunde in Händen. Auch sie hat sich vorerst für die doppelte Staatsbürgerschaft entschieden. „In Finnland liegen meine Wurzeln, das gehört zu meiner Identität.“

Der Grieche Nikolaos Tsakalidis kam 1969 nach Deutschland, ein Jahr später lernte er seine Frau Ursula kennen und blieb. „Gleich am Anfang haben mich die Ordnung und die Sauberkeit hier beeindruckt“, erinnert er sich. In Griechenland hatte er als Bauzeichner gearbeitet, in Deutschland machte er eine Ausbildung zum Elektriker. Seit 2009 lebt das Ehepaar in Ostfildern. „Neben dem Zugehörigkeitsgefühl haben meine Entscheidung auch Faktoren wie die Sicherheit im Land, etwa was ein funktionierendes Gesundheitssystem angeht, mit beeinflusst. Das ist in Griechenland etwas anderes.“

Eine Landsfrau ist die 27-jährige Lehrerin Eleni Intziadou. „Ich bin hier aufgewachsen. Dazu kommt, dass es für mich als Angestellte des Staats eine logische Konsequenz ist, die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen.“ Vor zwei Monaten war es soweit, das große Ereignis hat sie mit ihrer Familie bei einem Essen gebührend gefeiert. Tsakalidis und Intziadou behalten zudem die griechische Staatsbürgerschaft. „Wir dürfen endlich wählen gehen und können mitreden, was die Politik im Land angeht“, sagen alle unisono. Ansonsten ändere sich nicht allzu viel, denn auch ohne den deutschen Pass ist Deutschland schon lange zu ihrer Heimat geworden.

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