
http://www.ostfildern.de/Das+Hallenbad+Ruit+weicht+einem+Schulneubau.html
In der Grundschule Ruit werden die Kinder zukünftig an einem Standort unterrichtet. Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Planung eines Neubaus anstelle des stillgelegten Hallenbads Ruit. Längst wird die Schule nicht mehr nur als Ort reiner Wissensvermittlung betrachtet. Viele Kinder verbringen dort auch pädagogisch betreut gemeinsam einen Teil ihrer Freizeit oder erhalten Förderangebote. „Auch die Grundschule ist auf dem Weg in Richtung Ganztagsschule“, fasste Oberbürgermeister Christof Bolay die bisherigen Überlegungen der Verwaltung zur Schulentwicklung zusammen.
Um den Entwicklungen Rechnung zu tragen, prüfte die Verwaltung ab dem Jahr 2009 die Möglichkeiten, in Ruit eine ausbaufähige Grundschule mit offenem Ganztagsangebot, einer Mensa und Bereichen für die Freizeitgestaltung der Kinder einzurichten. Dabei kamen die Alternativen einer Sanierung und Erweiterung der Justinus-Kerner-Schule oder eines Neubaus auf dem Gelände des bisherigen Hallenbads auf den Prüfstand.
Dabei zeigte es sich jedoch, dass die Justinus-Kerner-Schule aufgrund ihrer Substanz und ihrer Baukonstruktion nur unter erheblichem Aufwand umgebaut werden könnte. Die erforderliche neue Aufteilung der Räume würde zu großen statischen Problemen führen, eine barrierefreie Nutzung für Gehbehinderte wäre nicht möglich. Umbau und Sanierung müssten dazu während des laufenden Schulbetriebs erfolgen. Die Verwaltung schätzt die Kosten für die Neugestaltung und Sanierung des Standorts Justinus-Kerner-Schule auf etwa 5,8 Millionen Euro. Ein Neubau am Standort Hallenbad würde hingegen mit etwa 7,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Stadt könnte bei dieser Lösung mit knapp über einer Million Euro an Fördergeldern vom Land rechnen, während es bei einer Sanierung der Justinus-Kerner-Schule nur etwa die Hälfte wäre.
„Das ist kein Baubeschluss, sondern die Festlegung des Standorts“, erläuterte Oberbürgermeister Bolay zum Auftakt einer Debatte, die ein einmütiges Bekenntnis der Ratsmitglieder zu einem Neubau im Sinn einer Entwicklung Ruits zum modernen Schulstandort erbrachte.
„Für uns ist klar, dass eine Sanierung der Justinus-Kerner-Schule nur Flickwerk bleiben kann. Eine zukunftsfähige Schule mit Ganztagsbetrieb kann nur durch einen Neubau sinnvoll eingerichtet werden“, stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Schmidt die Haltung seiner Fraktion dar. Auch für Theo Hartmann (Freie Wähler) war klar, dass nur die Lösung am Hallenbad-Standort in Frage käme. „Wir haben mit einem Neubau gleich zwei Objekte weg von unserer Sorgenliste“, sagte er.
Auch für Norbert Simianer (CDU) und Margarete Schick-Häberle, Fraktionsvorsitzende der Grünen, stand ein Neubau außer Frage. Anders als Schick-Häberle, die für einen Neubau ab dem Jahr 2013 plädierte, mahnten die Fraktionen von Freien Wählern und CDU freilich mehr Zeit an, um in Ruhe die nächsten Schritte diskutieren zu können. „Wir sollten nicht zu schnell vorpreschen, denn die politische Diskussion über die Schulentwicklung in Baden-Württemberg und die künftigen Aufgaben der Kommunen ist noch im Gang“, sagte Simianer. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Elfi Kolm erinnerte überdies daran, dass die Stadt Ostfildern einen Neubau derzeit nicht aus eigener Finanzkraft stemmen könnte. „Eine Kreditaufnahme ist aber momentan nicht darstellbar“, betonte Kolm. Auch Werner Schmidt mochte „die Augen vor der Finanzsituation der Kommune nicht verschließen“, hob jedoch die Bedeutung eines Schulneubaus als Investition in die Zukunft hervor.
OB Bolay sicherte den Räten zu, dass ein baldiger Spatenstich noch nicht ins Haus stünde. „Wir haben noch vieles zu besprechen, und wir werden es Schritt für Schritt klären, in engem Dialog von Verwaltung und Gemeinderat“, versprach er.