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2.8.2018

Prozess „Gutes Älterwerden in Nellingen“ gestartet

Foto:  Andreas Kruse referiert zum Thema

Der Quartiersentwicklungsprozess „Gutes Älterwerden in Nellingen“ ist gestartet. Zum Auftakt hat der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse zum Thema „Sorgende Gemeinschaft“ referiert.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ heißt es im ersten Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Würde sei es aber so eine Sache, erläuterte der renommierte Alternsforscher Andreas Kruse, Professor an der Universität Heidelberg, bei der Auftaktveranstaltung des Pilotprojekts „Gutes Älterwerden in Nellingen – wir gestalten unsere Zukunft“. Die Verwaltung, die Bürgerstiftung Ostfildern und die städtische Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft (SEG) ermuntern mit diesem Quartiersentwicklungsprozess die Bürger, selbst mitzugestalten, wie sie im Alter gut in ihrer Stadt leben können. Ein Ziel ist es unter anderem, eine ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft zu gründen. Die Rahmenbedingungen für eine solche Einrichtung und ein Stadtteilkonzept sollen bis Weihnachten an vier Bürgertischen erarbeitet werden.

„Die Würde setzt sich, wie vom italienischen Renaissance-Philosophen Pico della Mirandola formuliert, aus drei Komponenten zusammen“, erklärte Kruse in seinem Vortrag mit dem Titel „Sorgende Gemeinschaft – die Chance auf ein gutes Älterwerden in Nellingen“. Da wäre zum einen die Freiheit – allerdings nicht in dem Sinne, sich die Welt untertan zu machen. Mirandolas Freiheitsverständnis habe eine weitere Facette. Für ihn gründe Freiheit nicht nur auf Bewegungs- und Handlungsfreiheit sowie der Freiheit zur Selbstverwirklichung, sondern auch auf dem eigenen und selbständigen Denken. Daraus leite Mirandola die beiden anderen Grundvoraussetzungen, die Selbst- und die Weltgestaltung, ab. „Wenn diese drei Komponenten gegeben sind, erst dann verwirklicht sich Würde“, sagte Kruse.

Die Stadt sei mit ihrem Pilotprojekt auf einem sehr guten Weg. „Zusammen mit der Bürgerschaft ein Konzept zu entwickeln, wie das Zusammenleben der Generationen funktionieren kann, gibt jedem Bürger das Gefühl, selbst etwas beitragen zu können. Dieses Angebot kann man nicht hoch genug einschätzen“, meinte der Professor mit Blick auf die Hoffnung der Verwaltung, der Bürgerstiftung und der SEG auf eine rege Bürgerbeteiligung bei ihrem Quartiersentwicklungsprozess „Gutes Älterwerden in Nellingen – wir gestalten unsere Zukunft“.

Die Frage „Wie gehen wir mit Älteren um?“ sei sehr bedeutsam mit Blick auf die Frage, wie Ältere selbst in das Gemeinwesen miteinbezogen werden. „Mit dem Austritt aus dem Erwerbsleben denken viele Menschen, dass sie keine Möglichkeit mehr haben, in die Gestaltung des Gemeinwohls miteinbezogen zu werden“, berichtete Kruse aus seiner Forschung. Menschen das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden, sei elementar. Vor allen Dingen, da Studien belegen, dass mit zunehmendem Alter die Erfahrung, Teil eines Gemeinwesens zu sein, immer wichtiger werde. „Kontakte zu haben ist mit 75 oder 80 Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber in einem Quartier trifft man immer Menschen, die Kontakte bleiben und es entsteht das Gefühl, wichtig zu bleiben“, erläuterte der Gerontologe. Der in Ostfildern aufgegriffene Quartiersgedanke und vor allem seine nun anstehende Weiterentwicklung aus der Bürgerschaft heraus ist für Kruse ein Paradebeispiel, wie die Würde des Einzelnen in einer Gesellschaft gelebt werden könne. „Der Begriff der Würde an sich ist abstrakt und wird erst in den sozialen Beziehungen lebendig. Wenn eine Kommune wie Ostfildern sagt, wir sind klug, aber zusammen mit den Bürgern sind wir noch klüger, ist das eine wunderbare Verwirklichung unseres demokratischen Gedankens.“

Die vier Bürgertische mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Quartiersentwicklung „Gutes Älterwerden in Nellingen – wir gestalten unsere Zukunft“ finden ab Montag, 17. September, bis Anfang Dezember jeweils an fünf Terminen statt. Moderatoren werden dabei die Teilnehmer begleiten und unterstützen. Man kann auch an mehreren Bürgertischen teilnehmen. Anmeldung bis Montag, 10. September, bei Jasmin Hirsch, Telefon 0152 07110745, E-Mail: quartiersentwicklungnellingen@gmx.de.

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