
http://www.ostfildern.de/%E2%80%9EEs+ist+eine+Frage+der+Menschenw%C3%BCrde%E2%80%9C.html
Das Tafelessen in Ostfildern wird sehr gut angenommen. Jeden Donnerstag kommen etwa 40 Gäste in das Bürgerhaus Ruit und lassen sich ein kostenloses warmes Mittagessen schmecken. Seit dem 15. Dezember verwandelt sich der Saal des Bürgerhauses Ruit an jedem Donnerstag zur Mittagszeit in ein familiäres Speisezimmer.
Jeweils etwa 40 Gäste lassen sich dann an ansprechend dekorierten Tischen nieder, um gemeinsam ein warmes Mittagessen einzunehmen und dabei miteinander ins Gespräch zu kommen.
Es sind in der Mehrzahl ältere Menschen, die an diesen Tagen zusammenkommen, und sie alle eint ihre Armut. Hans-Ulrich Steinhilber, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Ostfildern, wurde im vergangenen Jahr von der Idee umgetrieben, zumindest zur Winterzeit Bedürftigen einmal pro Woche ein kostenloses warmes und gesundes Essen anzubieten. „Die Bürgerstiftung engagiert sich stark für die Jugend und fördert auch in den Schulen den Unterricht in gesunder Ernährung und Lebensführung. Aber für uns war auch klar, dass es nicht sein darf, dass in unserer wohlhabenden Stadt Menschen hungern müssen, und so entstand das Projekt Tafelessen“, erzählt Steinhilber.
Steinhilber machte sich bei den Gastronomen in der Stadt auf die Suche nach Sponsoren, die armen Bürgern ein kostenloses Essen zur Verfügung stellen könnten und war von der Spendenbereitschaft überwältigt. „In kürzester Zeit kamen 18 Gastronomen zusammen, die der Bürgerstiftung helfen wollten“, freut er sich.
Mit diesen Zusagen konnte das Angebot Tafelessen starten. Bis Mitte April kochen nun die Gastronomen wöchentlich ein dreigängiges gesundes Mittagessen und liefern es in das Bürgerhaus. Fünf Ehrenamtliche aus der Bürgerstiftung und dem Sängerbund Ruit decken dort pro Essenstag die Tische, bedienen die Gäste und essen gemeinsam mit ihnen. „Es geht auch darum, den Menschen Respekt zu erweisen und sich auf Augenhöhe mit ihnen zu bewegen. Es ist eine Frage der Menschenwürde“, stellt Steinhilber klar.
Da von Beginn an klar war, dass nur tatsächlich Bedürftige in den Genuss des kostenlosen Essens kommen sollten, kam der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt Ostfildern (ASD) mit ins Boot. Dessen Mitarbeiter wählten 84 Bürger aus, die nur eine schmale Rente erhalten, von Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II leben müssen. Etwa die Hälfte von ihnen kommt wöchentlich zum Essen, 15 weitere, etwa Gehbehinderte, werden von den ASD-Mitarbeitern beliefert. „Aber es gibt immer noch etliche Arme, die sich nicht trauen“, sagt Steinhilber.
Ein wichtiger Aspekt des Tafelessens ist für Steinhilber auch die soziale Komponente für die Bedürftigen. „Es ist von großer Bedeutung, dass die Leute aus ihren vier Wänden rauskommen und sich mit anderen treffen und unterhalten“, erklärt er. Über das aktuelle Projekt hinaus hat Hans-Ulrich Steinhilber noch große Pläne. „Es ist eine große Vision, das Tafelessen regelmäßig über das ganze Jahr hinweg anzubieten. Auch bei einigen der Wirte gibt es Überlegungen, was man weiterhin Gutes tun könnte. Und schließlich ist es ja auch so, dass die Leute auch an den anderen Tagen Hunger und kein warmes Essen auf dem Tisch haben“, sagt er.
- 18 Gastronomen, Metzgereien und Einrichtungen spenden jeweils ein Tafelessen mit eigenen Menüs, zwei Getränkehändler sorgen für die Getränke. Dabei sind das Restaurant Hirsch, Ruit, das Restaurant Lamm, Scharnhausen, das Gasthaus Brücke, Scharnhausen, das Gasthaus Rose, Scharnhausen, die Metzgerei Schäch, Kemnat, die Ratsstube Ruit, das Samariterstift Ruit, das Waldheim Ruit, die Gaststätte Lamm, Scharnhausen, die Pizzeria Da Ziana, Ruit, die Metzgerei Schweizer, Kemnat, das Gasthaus Rössle, Ruit, die Gaststätte Sonne, Nellingen, die Gourmet Compagnie Kemnat, die Metzgerei Ebinger, Nellingen, das Parkhotel, Scharnhauser Park, die Alte Wache, Scharnhauser Park, die Metzgerei Widmayer, Ruit, das Weinhaus Mauz, Nellingen, und die Getränkehandlung Notheis, Nellingen. pst